Pilotversuch in München:Winter-Radeln soll sicherer werden

Pilotversuch in München: Spurrillen sowie Eis- und Schneereste - da lassen viele Menschen das Rad lieber stehen.

Spurrillen sowie Eis- und Schneereste - da lassen viele Menschen das Rad lieber stehen.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Spurrillen und Glatteis schrecken Menschen oft davon ab, auch in der kalten Jahreszeit aufs Rad zu steigen. Nun will die Stadt auf einigen Strecken einen veränderten Winterdienst testen.

Von Patrik Stäbler

Die Revolution hat begonnen - und doch fehlt ihr bisher noch das Erkennungszeichen. Denn erst von Dezember an, so kündigt es das städtische Baureferat an, wird auf den Radwegschildern in sieben Münchner Fahrradstraßen ein Piktogramm mit einer grünen Schneeflocke angebracht. Dieses Symbol soll die Strecken als Teil eines Pilotprojekts zum "optimierten Radl-Winterdienst" ausweisen. Dieser hat infolge der ersten Schneefälle der vergangenen Tage freilich schon begonnen. So haben die städtischen Räumfahrzeuge auf jenen sieben Fahrradstraßen nicht mehr Splitt gestreut - sondern Salz.

"Das ist ein Paradigmenwechsel, den wir begrüßen", sagt Andreas Schön, Chef des ADFC München. Denn bislang setzte die Stadt beim Winterdienst auf Radwegen und Fahrradstraßen ausschließlich auf Splitt, dessen Wirkung im Vergleich zu Streusalz jedoch schlechter ist. Dennoch verzichtete man auf Zweiteres - vornehmlich aus ökologischen Gründen, um Bäume und Pflanzen nicht zu schädigen. Nun aber verabschiedet sich die Stadt von diesem Credo, wobei man "ganz genau hinschaue", sagt Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer, "wie und wo wir beides miteinander in Einklang bringen, noch bessere Bedingungen für Radfahren im Winter und den Schutz unseres Straßenbegleitgrüns".

Für den Pilotversuch wurden daher sieben Fahrradstraßen ausgewählt, in denen nicht nur besonders viele Radlerinnen und Radler unterwegs sind, sondern in denen zudem auch das Schmelzwasser in Gullys und nicht in Richtung Bäume oder Pflanzen läuft. Zu diesen Strecken zählen etwa die Erika-Mann-Straße zwischen Hacker- und Donnersbergerbrücke, die Birnauer Straße am U-Bahnhof Petuelring und in Schwabing die Clemensstraße zwischen Winzerer- und Leopoldstraße. Entlang all dieser Fahrradrouten werden Schnee und Eis nun also auch mit "auftauenden Mitteln" bekämpft. Konkret soll dabei eine Natriumchlorid-Sole verwendet werden, was sich laut Baureferat als Wirkstoff mit den geringsten Umweltschäden erwiesen hat.

Mithilfe dieses Mittels will man allen voran Glatteis und Spurrillen verhindern. Letztere entstehen, wenn nach dem Räumen Schneereste verbleiben, die oft in der Nacht überfrieren. "Glatteis und Spurrillen sind besonders unangenehm und gefährlich für die Radfahrenden im Winter", betont der städtische Radverkehrsbeauftragte Florian Paul. Und auch Andreas Schön vom ADFC nennt "das Rutschige und das Gefährliche" als vorderste Gründe, weshalb das Fahrrad im Winter oft im Keller bleibe. "Die Kälte spielt dabei gar nicht so eine große Rolle." Wobei mehrere Umfragen des ADFC gezeigt hätten, dass sich immer mehr Menschen auch im Winter aufs Rad setzen, betont Schön. Dies sei eine "positive Entwicklung", sagt Baureferentin Ehbauer, "die wir weiter befördern wollen mit einem angepassten Winterdienstkonzept, das auftauende Mittel nicht per se ausschließt".

Der Schwenk beim Thema Salz ist freilich nur eines von zwei Pilotprojekten, das der Bauausschuss des Stadtrats für den Radl-Winterdienst beschlossen hat. So sollen vom kommenden Jahr an auch neue Fahrzeuge zum Einsatz auf Radwegen getestet werden - sogenannte Räumkehr-Einheiten mit Solesprühung. Sie verfügen nicht nur über eine Räumschaufel, die den Großteil des Schnees beiseiteschiebt, sondern direkt dahinter auch über einen Kehrbesen. Der fegt noch feinere Schneepartikel weg, die bislang oft auf dem Radweg verblieben.

"Beim Einsatz dieser Fahrzeuge braucht man nur noch sehr wenig Salz", sagt Andreas Schön vom ADFC. Er nennt die Räumkehr-Einheiten, auf die etwa auch das Fahrrad-Vorbild Kopenhagen setzt, "die spannendste Geschichte" an dem Pilotversuch. Bei diesem sollen vom nächsten Winter an drei viel genutzte Radwege mit den neuen Fahrzeugen geräumt werden: in der Ludwigstraße zwischen Odeonsplatz und Akademiestraße, in der Grillparzer Straße und Berg-am-Laim-Straße nahe dem Ostbahnhof sowie in der Humboldtstraße bis zum Baldeplatz.

Die Pilotversuche zum Salz-Einsatz auf Fahrradstraßen in diesem sowie mit den Räumkehr-Einheiten auf Radwegen im nächsten Winter sollen vom Baureferat begleitet und untersucht werden; zudem ist ein Hearing mit Expertinnen und Experten im Stadtrat geplant. Dieser wird dann spätestens bis 2026 auf Basis der Erkenntnisse entscheiden, wie es mit dem Radl-Winterdienst in München weitergeht.

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