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Oberföhring:Münchens ökologische Mustersiedlung

Presse-Spaziergang durch die Holzbausiedlung im Prinz Eugen Park

Die Holzbausiedlung im Prinz-Eugen-Park im Münchner Norden.

(Foto: Florian Peljak)

Im Prinz-Eugen-Park ist das größte zusammenhängende Holzbau-Projekt Deutschlands entstanden - mit fast 600 Wohnungen. Es soll als Vorbild für weitere Vorhaben dienen.

Von Justus Wilke, Oberföhring

Von einer ökologischen Mustersiedlung wäre der Namensgeber des Prinz-Eugen-Parks vermutlich wenig begeistert gewesen. Prinz Eugen von Savoyen kämpfte um 1700 herum als Feldherr für die Habsburger, war aber auch als Bauherr tätig. Architekt Johann Lucas von Hildebrandt baute für ihn das Schloss Belvedere in Wien, das eher für seinen Prunk als für seine Holzbauweise bekannt ist. Drei Jahrhunderte später denken die Akteure im Bauwesen grundsätzlich anders: München soll eine Holzbaustadt werden, und das erste Projekt ist bereits fertig. Bau-Stadtdirektorin Ulrike Klar hat die sogenannte ökologische Mustersiedlung im südlichen Teil des Prinz-Eugen-Parks jetzt vorgestellt - es ist die größte zusammenhängende Holzbausiedlung Deutschlands.

Vor fünf Jahren beschloss der Stadtrat, auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne Häuser aus Holz bauen zu lassen. Die Stadt plante ein Budget von mehr als 13 Millionen Euro ein, mit dem sie das Bauen mit Holz bezuschusste. Außerdem führte die Stadt die Einheit "Nawaros" ein. Das sei "kein Indianerstamm", scherzt Klar, sondern stehe für "nachwachsende Rohstoffe". Mehrstöckige Häuser erhielten eine Förderung von bis zu zwei Euro pro Kilogramm Nawaro. In einigen Häusern steckten mehr als 250 Kilogramm Holz pro Quadratmeter; das sei das Fünffache ihres Körpergewichts, sagt Klar.

Ein Holzbau hat mehrere Vorteile: Die Bauzeit ist kürzer als bei herkömmlichen Materialien, und die Häuser sind flexibler, wenn es um Nachverdichtung in der Stadt geht, weil man sie zum Beispiel leichter aufstocken kann. Außerdem dient Holz dem Klimaschutz: "Wir sparen je nach Konstruktion zwischen neun und 56 Prozent an CO₂-Emissionen", sagt Klar. In der Mustersiedlung wurden nach Angaben der Stadt somit 13 000 Tonnen CO₂ gespart.

570 Wohnungen gibt es in den acht Gebäuden. Jedes von ihnen hat ein anderer Bauherr errichtet: Baugemeinschaften, Genossenschaften und auch städtische Wohnungsgesellschaften haben sich an der Mustersiedlung beteiligt. Deshalb unterscheiden sich die Gebäude sowohl in der Architektur als auch in der Belegung. Junge Paare mit geringem Einkommen leben in großen Gebäudekomplexen direkt neben Familien in Reihenhäusern. Zwischen den Baufeldern liegen Spielplätze und Gärten voller bunter Blumen.

Architekt Ulf Rössler lobt das Projekt in den höchsten Tönen; er hat mit seinem Architekturbüro zwar nur ein Gebäude im Prinz-Eugen-Park entworfen, an diesem Tag ist er aber als Experte für die gesamte Siedlung dabei. Rössler ist begeistert vom Zusammenspiel verschiedener Häuserformen und dem Zusammenleben unterschiedlicher Menschen. Die Siedlung sei ein Lehrstück, das Studenten an der Uni gezeigt werden sollte: "Die soziologische Mischung drückt sich auch in der typologischen Mischung aus."

Zwei Häuser weiter verfällt Rössler wieder ins Schwärmen. Er spricht über die Arbeit der Architekturbüros "agmm Architekten und Stadtplaner" und "Hable Architekten", die einen Block mit 39 Eigentumswohnungen entworfen haben. Die Fassaden haben wegen der senkrecht verbauten Holzplatten einen braunen Streifenlook. Im oberen Stockwerk sind die Häuser über einen mäandrierenden Laubengang miteinander verbunden, die Wege kurven in etwa drei Metern Höhe von einer Haustür zur nächsten. "Schön, lustig, raumbildend", nennt das Rössler. Hinter ihm führt eine Rutsche vom Obergeschoss hinunter auf den Boden, direkt in einen Sandkasten. Er liegt genau in der Mitte zwischen den Reihenhäusern, ein Kleinkind spielt ganz allein darin und schaut zu den Spaziergängern hinüber.

Allein soll das Kind nicht bleiben, denn bald werden noch viele andere junge Münchner zwischen Holzhäusern aufwachsen. Bei der Vergabe städtischer Grundstücke werden in Zukunft die Hälfte der Gebäude in Holzbauweise entstehen, das beschloss der Stadtrat Anfang des Jahres. Ulrike Klar bezeichnet den Prinz-Eugen-Park deshalb als Paradebeispiel: "Das ist eine super Erfahrung für uns, wo wir drauf aufbauen können", sagt sie. Unter anderem sollen Holzhäuser im Kreativquartier in Neuhausen und an der Bayernkaserne in Freimann folgen. Auch dort will die Stadt das Holzbauförderprogramm umsetzen - alles für das Ziel, aus München eine Holzbaustadt zu machen.

© SZ vom 08.10.2020/wean
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