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Nahverkehr in Berg am Laim:Wo der Puls der S-Bahn schlägt

Baustellen am Ostbahnhof

Viele Baustellen am Ostbahnhof: Das alte Zollgebäude ist weg. Das veraltete, graffiti-besprühte Bahn-Stellwerk hinter der Grube wird auch bald verschwinden.

(Foto: Lea Kramer)

Demnächst soll das elektronische Stellwerk am Ostbahnhof genehmigt werden. Ein neues Gebäude, in dem die Fahrgastinformation unterkommt, steht bereits im Rohbau.

Von Lea Kramer

Das Münchner S-Bahn-Netz war von Beginn an darauf ausgelegt, dass es ausgebaut wird. Bereits 1974 - also zwei Jahre nach der Eröffnung - war dieses Provisorium in der Kritik. Das Mischkonzept aus Personenfern- und Güterverkehr, die sich dieselben Gleise teilen, werde unweigerlich die Flüssigkeit des Betriebes und nicht zuletzt die Pünktlichkeit beeinträchtigen, schrieb die SZ damals. Eine Voraussage, die sich bewahrheitet hat. Ein neues, computergesteuertes Stellwerk am Ostbahnhof soll künftig helfen, die Ausfälle zu verringern. Die Genehmigung dafür wird in Kürze erteilt - die Neuerung ist nur ein Teil der großen Umgestaltung des gesamten Bahnhofsareals.

Denn die alte Anlage gleich neben der Bahnbrücke an der Friedenstraße, aus dem Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn (DB) das alte störungsanfällige Relais-Stellwerk bislang gesteuert haben, wird dann nicht mehr gebraucht. Das neue Stellwerk zur elektronischen Abwicklung des Zugverkehrs am Ostbahnhof und am Leuchtenbergring soll von 2023 an in Betrieb gehen, also noch bevor die Zweite Stammstrecke fertig ist. Gesteuert werden Weichen und Signale dann nicht mehr in Berg am Laim, sondern von der Betriebszentrale an der Donnersbergerbrücke aus. Die Genehmigung für das 222-Millionen-Euro-Projekt steht noch aus. Sie sollte eigentlich Ende März erteilt werden. Eine DB-Sprecherin sagt, sie rechne damit, dass das "in Kürze" passieren werde. Technischer Baubeginn könnte dann im Herbst sein. Auf dem frei werdenden Betriebsgelände an der Friedenstraße 45 will die Bahn eventuell Werkswohnungen für Mitarbeiter bauen.

Der Umbau des Ostbahnhofs selbst ist weiter in der Planungsphase. Die Details zur neuen Tunnelstation an der Friedenstraße stimmt die DB Netz AG gerade mit den Projektpartnern, also der Stadt München, dem Freistaat und dem Eisenbahn-Bundesamt ab, sagt die Bahn. In diesen Gesprächen will sich das städtische Planungsreferat für eine "optimale und attraktive Erschließung" des Werksviertels sowie des geplanten Konzerthauses einsetzen, heißt es in einer Beschlussvorlage vom Februar für den Stadtrats-Planungsausschuss. Damit sind vor allem die Unterführungen gemeint, die das neue Quartier über den Ostbahnhof mit Haidhausen verbinden sollen.

Bislang sind aus dem Bahnhof am Orleansplatz zwei Unterführungen zu den Gleisen des Regional- und Fernverkehrs sowie zum neuen S-Bahnhalt an der Friedenstraße geplant. Dafür sollen die Wege in der Einkaufspassage im Untergeschoss des Bahngebäudes verbessert, teils auch verlängert werden. Momentan endet eine der Unterführungen an einer Mauer unter den Gleisen sieben und acht. Dieser Weg soll auf zehn Meter verbreitert und unter der Friedenstraße durch ins Werksviertel geführt werden.

Die Rad- und Fußunterführung gegenüber der Rhenania-Baustelle bleibt indes bestehen. "Es wird lediglich die südliche Gehweg-Radwegrampe neu verlegt, um Platz für das neue elektronische Stellwerk zu schaffen", sagt eine Bahn-Sprecherin. Dort, wo sie in Haidhausen wieder auftaucht, wird gerade in die Höhe gebaut. Die Grundstücks-Verwaltungs- und Verwertungsgesellschaft mBH (GVG) hat Ende März den Rohbau für ein Gebäude an der Orleansstraße 56 fertiggestellt. Mitarbeiter der Münchner S-Bahn sollen dort auf drei Etagen arbeiten, unter anderem in einer Einsatzzentrale.

"Mit einer topmodernen Leitstelle wird hier schon bald das neue Herz der Münchner S-Bahn schlagen", sagte Heiko Büttner, Vorsitzender der Geschäftsleitung der S-Bahn München beim Richtfest. Auch Teile des Kundendienstes und der Fahrgastinfo werden in dem Neubau untergebracht. Diese kümmern sich gemäß dem Maßnahmenpaket "Zukunft S-Bahn München" ab diesem Jahr verstärkt um zeitnahe Informationen der Fahrgäste auf allen Kanälen - falls es doch wieder zu einem Zugausfall oder einer Stellwerkstörung kommt.

© SZ vom 17.04.2021/syn, van
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