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Olympiapark:Wie sich Hochhäuser mit dem Denkmalschutz vertragen

Olympiastadion in München, 2019

Der 160 Hektar große Olympiapark war Veranstaltungsort der Spiele von 1972 und gehört heute zu den größten Grünanlagen Münchens.

(Foto: Florian Peljak)

Der Olympiapark soll Unesco-Weltkulturerbe werden. Doch erst muss eine Studie klären, ob geplante Hochhäuser in der Nähe die Strahlkraft des Parks beeinträchtigen.

Von Sebastian Krass

Vertragen sich neue Hochhäuser in der Nähe des Olympiaparks mit der Bewerbung um den Status als Unesco-Weltkulturerbe? Um dieser Frage nachzugehen, hat das Planungsreferat eine eigene Studie in Auftrag gegeben. Es geht dabei, wie Stadtbaurätin Elisabeth Merk sagt, "um die städtebauliche Einbindung in und um den Olympiapark und um mögliche Sichtwirkungen auf das potentielle Welterbe". Merk spricht von einer "Extra-Studie" in Ergänzung zur stadtweiten Hochhaus-Studie, die bereits im Februar in Form eines Entwurfs dem Stadtrat vorgestellt wurde und bis Mitte nächsten Jahres fertig werden soll. Diese Studie, die vom Münchner Büro 03 Architekten erarbeitet wird, hat zum Ziel, einen Zonenplan für mögliche Standorte und Qualitätskriterien für den Hochhausbau zu erarbeiten.

Die neue Studie betrifft auch ein schon relativ konkret geplantes Hochhaus-Projekt direkt nördlich des Olympiaparks. An der Ecke Moosacher Straße/Am Oberwiesenfeld soll auf dem Firmengelände von Knorr-Bremse ein Büro-Hochhaus entstehen. Es gab dazu bereits 2018 einen Architektenwettbewerb, nach dem das Berliner Büro Müller Reimann Architekten den Realisierungsauftrag bekommen hat. Der Bauherr Opes Immobilien, in der der Knorr-Mehrheitsaktionär Heinz Hermann Thiele seine Immobilienaktivitäten gebündelt hat, plant ein bis zu 99 Meter hohes Gebäude, wobei auch eine geringere Höhe im Gespräch ist.

Bis zu 99 Meter hoch soll das Gebäude neben dem bestehenden "MO 82" (links) auf dem alten Knorr-Bremse-Areal werden. Simulation: Müller Reimann Architekten

Die Opes hätte gern auch 115 Meter hoch gebaut, hat diese Absicht aber verworfen, weil nicht klar gewesen wäre, ob und wann es dafür eine Mehrheit im Stadtrat gegeben hätte. Demnächst wolle man Visualisierungen verschiedener Sichtachsen mit dem Hochhaus in Auftrag geben, sagt Opes-Geschäftsführer Jürgen Büllesbach. Letztlich sei es eine Frage der Abwägung, "welches die wichtigen Achsen sind. Wir glauben aber, dass alles unter 100 Metern die Situation rund um den Olympiapark nicht groß verändern wird".

Die Ergebnisse der Olympiapark-Studie sollen im Sommer 2021 vorliegen, wobei ein Sprecher von Stadtbaurätin Merk vorwarnt: "Verzögerungen sind im Hinblick auf die Pandemie denkbar." Diese Ergebnisse wiederum "fließen in die Betrachtung des geplanten Hochhauses auf dem Knorr-Areal ein", erklärt der Sprecher. "Somit wird eine Entscheidung über die Höhe erst getroffen, wenn die Ergebnisse der Studie vorliegen." Wer erstellt die Studie? Was ist der genaue Arbeitsauftrag? Und gibt es Hypothesen, wie sich neue Hochhäuser auf die Welterbe-Bewerbung auswirken könnten? Zu diesen Fragen will sich Merk nicht äußern. "Wir stehen noch ganz am Anfang, da sie gerade erst in Auftrag gegeben wurde", sagt ihr Sprecher.

Bayerns Welterbe

Zuletzt kam das Augsburger Wassermanagement-System hinzu: Wie die Stadt über Jahrhunderte das Wasser der Flüsse Lech und Wertach nutzte und damit reich wurde, das gehört seit dem Jahr 2019 zum Unesco-Welterbe. Insgesamt gibt es nun acht Stätten in Bayern, die auf der prestigeträchtigen Liste stehen. Die anderen sind die Residenz Würzburg, die Wieskirche, die Altstädte von Bamberg und Regensburg, der Limes, die prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen und das Opernhaus von Bayreuth. Mit dem Olympiapark könnte in einigen Jahren auch die Landeshauptstadt zur Welterbestätte werden. Bayerns oberster Denkmalpfleger, Generalkonservator Mathias Pfeil, sieht für den Antrag "sehr gute Chancen". sekr

Im Bewerbungsverfahren für den Welterbe-Status hat die Stadt im Sommer den nächsten Schritt auf einem langen Weg getan. Nachdem der Stadtrat im April 2018 die Bewerbung befürwortet hatte, reichte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) im August 2020 eine "Interessensbekundung" beim bayerischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst ein. Dieses wird bis März 2021 die Münchner und weitere eingegangene Bekundungen bewerten, eine davon auswählen und diese zusammen mit dem bereits gesetzten Nürnberger Justizpalast der Kultusministerkonferenz (KMK) vorschlagen. Welche weitere Interessenten aus Bayern es gibt, dazu macht das Ministerium keine Angaben. Die KMK wiederum wird aus allen Vorschlägen der Länder eine deutsche Vorschlagsliste erstellen. Diese wird zur Grundlage von Bewerbungen, die von 2025 an beim Welterbezentrum in Paris eingereicht werden können. Sollte alles glatt gehen, könnte der Olympiapark frühestens 2026 in den Rang des Welterbes erhoben werden.

Das Hochhaus an der Moosacher Straße soll dann nach den Plänen des Investors schon in Betrieb sein. Eine wesentliche Frage der neuen Studie dürfte sein, wie weitere Hochhäuser sich zu den zahlreichen bereits bestehenden Hochpunkten in und um den Olympiapark verhalten würden, die teils aus der Gründungszeit stammen: Am bekanntesten ist sicherlich der 1972 fertiggestellte und 101 Meter hohe "Vierzylinder" von BMW. Aber auch im bereits denkmalgeschützten Park selbst gibt es mit den Wohnanlagen am Helene-Mayer-Ring 4 (1972, bis zu 88 Meter) Gebäude von für Münchner Verhältnisse stattlichen Dimensionen, ganz abgesehen vom 291 Meter hohen Fernsehturm (1968).

In unmittelbarer Umgebung des Olympiaparks gibt es weitere Hochpunkte: in der Pressestadt an der Riesstraße (1972, 83 Meter), das "Uptown" als höchstem Münchner Gebäude (2004, 146 Meter) und das Hoteltürmchen MO82 (2018, 70 Meter), das direkt gegenüber vom geplanten Büro-Hochhaus steht. "Als der Olympiapark gebaut wurde", sagt Stadtbaurätin Merk, "war er vor den Toren der Stadt, jetzt ist er mittendrin. Er ist immer Teil der Stadtentwicklung gewesen."

© SZ vom 19.11.2020/vewo/van
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