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Nach der Sanierung:In der Olympiahalle trifft alter Charme auf neue Technik

Neuer Boden, neue Decke, neue Räume: In der Olympiahalle ist so ziemlich alles mal angefasst und ausgetauscht worden. Vor allem die erneuerte Klima- und Heiztechnik wirkt sich nun aus - in Summe wird viel Energie gespart.

(Foto: Martin Hangen/hangenfoto)

13 Jahre lang ist die Halle saniert worden. Die Veränderungen sind für die Besucher kaum zu sehen. Aber dafür deutlich zu spüren.

Als die Stadt München mit der Sanierung der Olympiahalle begonnen hat, hieß der Geschäftsführer der Olympiapark München GmbH (OMG) noch Wilfrid Spronk. Ganze 13 Jahre sind seither vergangen, seit 2017 führt bekanntlich Marion Schöne die OMG, folglich oblag es ihr nun, die Sanierungen für abgeschlossen zu erklären.

Ein paar Schönheitsreparaturen stehen noch an, Kleinigkeiten nur, von denen die Besucher des historischen Bauwerks auch weiterhin wenig mitbekommen werden. Denn dies war der rote Faden, der sich durch die jahrelangen Bauarbeiten zog, die Sanierung wurde im laufenden Betrieb fertiggestellt, lediglich in den Sommermonaten war die Halle jeweils für zehn Wochen geschlossen. So blieb die Halle im Geschäft, erklärt Schöne, was aber "eine lange Laufzeit mit sich brachte und für die Durchführung der vielen Veranstaltungen manchmal eine zusätzliche Herausforderung bedeutete."

Wie 2016, als Justin Bieber ein Konzert in der Olympiahalle gab und diese in einer intensiven Nachtschicht von vorausgegangenen Arbeiten gereinigt werden musste. Was gerade rechtzeitig auf den letzten Drücker gelang, so dass der kanadische Teenie-Schwarm ungestört durch eine saubere Halle zappeln konnte. "Die Verantwortliche für die Hallenreinigung war gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt", erinnert sich Schöne, "ich glaube sie war nach dieser Nacht gleich wieder urlaubsreif." Es gab einige Anekdoten, die aber meist hinter den Kulissen geschahen. Was man auch für das Grundprinzip der Komplettsanierung sagen kann, äußerlich sollte man von den Änderungen möglichst wenig mitbekommen.

Ziel war die weitgehende Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbilds von 1972, als das Ensemble zu den Olympischen Spielen errichtet wurde. Keine leichte Aufgabe, denn die Arbeiten wurden in enger Absprache mit dem Denkmalschutz und den Urheberarchitekten vollzogen. Auch die üppige Laufzeit machte es nicht einfacher, wie Werner Albrecht erzählt. Er hat die Sanierung für den Bauherrn Stadtwerke München (SWM) begleitet, der zusammen mit der OMG das Projekt stemmte. "Während der laufenden Arbeiten haben sich die Bauvorschriften geändert", so Albrecht, was hohe Flexibilität erfordert habe. Dennoch sei es gelungen, "Zeit- und Kostenrahmen zu unterschreiten."

Beim Rundgang durch die Halle stechen selbst dem aufmerksamen Beobachter kaum Änderungen ins Auge, von denen es aber reichlich gibt. Die abgehängte Hallendecke wurde ausgetauscht, für Licht sorgen nun moderne LED-Leuchten, die Sitze sind neu gepolstert, dichtere Türen wurden verbaut oder ein Polizeiraum unauffällig integriert. Die gesamte Technik ist digitalisiert, was man etwa an riesigen Screens in der Halle sieht, im Außenbereich werben große elektronische Stelen statt aufgehängter Poster.

Ganze Räume wurden für neue Klima- und Heiztechnik geschaffen

Die Wegeführung wurde deutlich optimiert, wobei peinlich genau darauf geachtet wurde, dass bei der Beschilderung Design und Schriftarten aus dem Jahr 1972 verwendet wurden. Es gab sogar wegen einzelner Strichlängen ausführliche Diskussionen, wie zu hören ist.

Die größten Änderungen gab es in der Betriebstechnik, wovon der Besucher gar nichts sieht - aber spürt. Tief in den Eingeweiden der Halle wurden ganze Räume für neue Klima- und Heiztechnik geschaffen, die Luftqualität ist dadurch nicht nur deutlich besser, sie kann auch auf die Auslastung angepasst werden. Was auch für die Heizung gilt und in Summe viel Energie spart. "Wir sind für die nächsten 35 Jahre auf neuestem Stand", verspricht OMG-Technikchef Wasem Ajmail. "Wir haben den alten Charme und neueste Technik."

Was auch Marion Schöne besonders freut: "Der Grundgedanke des Geländes ist ja, allen Besuchern an einem demokratischen, transparenten Ort ein Erlebnis zu garantieren." Daher gebe es auch weiterhin keine Logen in der Halle, keine unterschiedlichen Ränge, also "keine Zwei-Klassen-Gesellschaft", erklärt die OMG-Chefin. "Wir waren der Zeit hinterher und sind ihr jetzt wieder voraus. Das ist doch ein schöner Gedanke."

© SZ vom 20.02.2020/kaal/amm
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