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SZ-Serie: München vor der Wahl:Wie es mit Gasteig, Stadtmuseum und Volkstheater weitergeht

Ein Theaterschauspiel mit Figuren von Modelleisenbahnen.

Nur noch wenige deutsche Städte leisten sich einen Theater-Neubau. München zählt dazu: Im Herbst 2021 soll die erste Spielzeit im Volkstheater beginnen. Foto: Natalie Neomi Isser, Illustration: Laura Merlich

Diese drei kulturpolitischen Großprojekte dominieren die Debatte im Rathaus: Mal kooperieren die Stadtratsfraktionen, mal streiten sie. Eines ist klar: Günstig ist Kultur nicht zu haben.

Gasteig

Da mag Gasteig-Chef Max Wagner den Charme des alten Klinkerbaus am Isarhochufer preisen, aber so geht es nicht weiter. Nach 35 Betriebsjahren ist das größte kommunale Kulturzentrum Europas am Ende angelangt, Brandschutz und Haustechnik müssen dringend erneuert werden, sonst droht die Schließung. Das hatte 2018 nach langjähriger Aufschieberei auch der Stadtrat eingesehen und endlich mit großer Mehrheit eine Sanierung für 450 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Diese sollte - dank der Überzeugungsarbeit von Wagner und seinem Team - recht generös ausfallen und alle im Gasteig befindlichen Institute, die privaten Veranstalter sowie die täglich 10 000 Besucher glücklich machen.

Im besten Fall auch noch durch ein Panoramarestaurant auf dem Dach mit dem schönsten Ausblick über die Isar und die Altstadt. Die Chance auf ein neues, weit über die Stadtgrenzen hinaus bestauntes Wahrzeichen für München barg aber auch die Gefahr, zum Kostenfiasko wie bei der Hamburger Elbphilharmonie zu werden. Das Planungsteam wollte es besonders gut machen und vergab drei erste Preise beim Architektenwettbewerb mit dem jeweiligen Auftrag zur Optimierung.

Nach dem finalen Zuschlag für das Münchner Büro Henn klagten die Unterlegenen - zurecht, wie die Vergabekammer Südbayern feststellte. Ein Urteil mit Sprengkraft: Die SPD bekam kalte Füße wegen Urheber- und anderer Rechtsrisiken und trat wohl auch wegen der sich anbahnenden Kostenexplosion im Baugewerbe auf die Bremse: Für jetzt 300 Millionen Euro sollte die Philharmonie optisch und von Yasuhisa Toyota akustisch aufgemöbelt und ansonsten nur das Nötige gemacht werden. Damit kündigte die SPD den Konsens mit dem Koalitionspartner CSU. Die FDP bevorzugte ohnehin den Abriss und einen Neubau auf dem Gelände der Paketposthalle. Die Grünen erzwangen mit einem Dringlichkeitsantrag im Stadtrat ein Bekenntnis aller Parteien und politische Klarheit im weiteren Vorgehen.

Sie selbst standen weiterhin zur Generalsanierung, in der auch die Stadtbibliothek und die Volkshochschule gewinnen würden. Die CSU schloss sich ihnen an, auch um aus dem Carl-Orff-Saal einen modernen Konzertsaal zu machen. Nach einer emotional geführten Debatte unterlagen SPD und FDP, der Weg für die große Lösung war frei. Derzeit plant das Team von Gunter Henn eine Art Glaspalast, der in den alten Klinker eingelassen werden soll, mit zentralem Forum als Begegnungsstätte. Im Oktober berät der Stadtrat abschließend. Derweil sind auf dem Gelände für das Interimsquartier von 2021 bis 2026 in Sendling die Arbeiten im Gange.

Die Grünen wollen sich dafür einsetzen, dass die dortige (inzwischen 20 Millionen Euro teurere) Ersatz-Philharmonie und weitere Künstlerräume auch nach dem Rückzug an die Rosenheimerstraße als Kulturort für das wachsende München bestehen bleiben.

Stadtmuseum

Eine "Jahrhundertentscheidung" hatte der frühere Kulturreferent Hans-Georg Küppers die Sanierung des Stadtmuseums einmal genannt. Wenn es so weiter geht, dann wird sie zu einer "100 Jahre währenden Entscheidung". Schon 1999 wurde eine Sanierung gefordert, damals ging es nur um den Gsaengertrakt aus den frühen Sechzigerjahren. 2005 beschloss der Kulturausschuss eine Neukonzeption des Museums. Das mittelalterliche Zeughaus und der Grässeltrakt von 1927 wurden 2007 bei laufendem Betrieb saniert, 2008 die neue Dauerausstellung "Typisch München!" eröffnet. Eine Machbarkeitsstudie erbrachte ein Jahr später: Eine Generalsanierung des größten kommunalen Museums in Deutschland mit rund drei Millionen Kunstwerken und Kulturgütern sowie 170 000 Besuchern pro Jahr muss her. Und auch wenn mancher Politiker angesichts der zu erwartenden Sanierungskosten des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes in innerstädtischer Lage grummelte, zum Zankapfel der Parteien wurde das auch inhaltlich heterogene Stadtmuseum nie.

Isabella Fehle wurde 2010 neue Direktorin und sollte die Generalsanierung bis 2017 abwickeln. Geschätzte Kosten zu diesem Zeitpunkt: 100 Millionen Euro. Mittlerweile ist Fehle in Pension, ihre Nachfolgerin ist Frauke von der Haar. Die Sanierung wurde im Sommer 2019 endlich vom Stadtrat beschlossen. Mittlerweile wird aber parteiübergreifend eine inhaltliche Neukonzeption für das Museum gefordert. Die Sanierung soll nach derzeitigem Stand Ende 2022 starten und acht Jahre dauern. Die geschätzten Kosten haben sich mittlerweile auf 200 Millionen Euro verdoppelt, hinzu kommen voraussichtlich 15 Millionen Euro für Ausweichquartiere. Zugleich werden die 2011 in Betrieb genommenen Depoträume in Freimann erweitert, sie sollen frühestens 2027 bezugsfertig sein.

Die Pläne des Architekturbüros Auer Weber aus dem Jahr 2015 sehen vor, dass der Zugang zum Museum statt über die schmucklose Feuerwehreinfahrt am Oberanger über eine breite Passage am Rosental erfolgt, mit der sich das Museum in Richtung Rindermarkt öffnen würde. Eine Überdachung mit einem eingestellten Kubus soll den trostlosen Innenhof des Gsaengertrakts in ein lebendiges Atrium verwandeln und weitere Ausstellungsflächen schaffen. Mit Hilfe des noch vagen Konzepts "Stadtmuseum unterwegs" soll das Haus während des Umbaus sichtbar bleiben.

Volkstheater

Dass ein Theater ein nagelneues Haus gebaut bekommt, ist an sich schon bemerkenswert. Kaum eine Stadt leistet sich das noch. Das Volkstheater aber spielte seit Jahren unter miesen Bedingungen in einem Gebäude, das dem Bayerischen Fußballverband gehört und eher einer umgebauten Sporthalle denn einem Theater gleicht. In der Erkenntnis, dass es wirtschaftlicher sei, ein neues Theater zu bauen, statt die alte Bude zu sanieren, waren sich dann die Parteien im Stadtrat recht einig. So ging es in den Abstimmungen im Kulturreferat und dem Kommunalausschuss entsprechend homogen zu. 2016 beschloss der Stadtrat mit großer Mehrheit den Neubau des Theaters auf dem Viehhof-Gelände.

Die Planungsgemeinschaft um die Firma Georg Reisch aus Bad Saulgau wurde als Generalübernehmer verpflichtet. Sie ist für den Bau verantwortlich und dafür, dass das veranschlagte Budget von 131 Millionen nicht überschritten wird. Das neue Theater wird für seine große Bühne einen Turm mit Schnürboden bekommen, im Zuschauerraum werden bis zu 600 Menschen Platz haben, auf der kleinen Bühne etwa 200. Es wird Gastronomie drinnen und draußen geben, eine Kindertagesstätte auch für Mitarbeiter. Der Rohbau des Bühnenturms soll noch im Februar fertig werden, im Herbst 2021 die Spielzeit im neuen Haus eröffnen.

© SZ vom 12.02.2020/flud
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