Olympia-Attentat 1972 in München:Bund will Opferfamilien entschädigen - Angehörige nennen Angebot "demütigend"

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Olympia-Attentat 1972 in München: Gedenkstätte für die zwölf Opfer des Anschlags bei den Olympischen Sommerspielen 1972.

Gedenkstätte für die zwölf Opfer des Anschlags bei den Olympischen Sommerspielen 1972.

(Foto: Johannes Simon)

Nach einer "Neubewertung" durch das Innenministerium sollen die Hinterbliebenen der israelischen Sportler eine weitere Zahlung erhalten. Doch diese lehnen das deutsche Angebot ab.

Von Roman Deininger und Uwe Ritzer

Im Ringen um eine angemessene Entschädigung für die israelischen Opferfamilien des Olympia-Attentats von 1972 zeichnet sich Bewegung auf deutscher Seite ab. Die Bundesregierung hat sich zu einer Entschädigungszahlung bereit erklärt. Man habe entschieden, "die gravierenden Folgen für die Hinterbliebenen der Opfer in immaterieller und in materieller Hinsicht erneut zu artikulieren", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Mittwoch der SZ.

Diese "erneuten finanziellen Leistungen" sollten fünfzig Jahre nach dem Anschlag gemeinsam von Bund, Freistaat Bayern und Landeshauptstadt München erbracht werden. Mit einer "vollständigen und umfassenden Aufarbeitung der damaligen Ereignisse", so der Sprecher, wolle man den "besonderen Beziehungen Deutschlands zum Staat Israel Ausdruck verleihen und den Ausgangspunkt einer neuen, lebendigen Erinnerungskultur schaffen".

Olympia-Attentat 1972 in München: Hinterbliebenen-Sprecherin Ankie Spitzer, Witwe des ermordeten Fechttrainers Andrei Spitzer, hat einen für diese Woche geplanten München-Besuch kurzfristig aus Verärgerung abgesagt.

Hinterbliebenen-Sprecherin Ankie Spitzer, Witwe des ermordeten Fechttrainers Andrei Spitzer, hat einen für diese Woche geplanten München-Besuch kurzfristig aus Verärgerung abgesagt.

(Foto: Johannes Simon)

Über die Höhe des deutschen Entschädigungsangebots machte der Sprecher keine Angaben. Derzeit liefen "vertrauensvolle Gespräche mit den Vertretern der Opferfamilien". Nach SZ-Informationen aus Israel sollen zehn Millionen Euro im Raum stehen - offenbar zu wenig für die Angehörigen. Deren Sprecherin Ankie Spitzer, die Witwe des Fechttrainers Andrei Spitzer, sagte der SZ am Mittwoch, man könne das Angebot nicht annehmen. Es orientiere sich an deutschen Standards für Entschädigungszahlungen, während die Hinterbliebenen auf internationale Standards bestünden. Dies sei bei einem Terrorangriff von globaler Tragweite angebracht. Man lasse sich nicht "mit Trinkgeld wegschicken", so Spitzer.

Ilana Romano, die Witwe des Gewichthebers Yossef Romano, sagte dem israelischen TV-Sender Kan, die Familien würden das "demütigende" Angebot ablehnen: "Die Entschädigung muss internationalen Standards entsprechen." Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass nicht alle betroffenen Angehörigen diese harte Linie teilen. Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, man bleibe zuversichtlich, dass die Gespräche bis Ende dieser Woche abgeschlossen sein könnten.

Ankie Spitzer hatte einen für diese Woche geplanten München-Besuch kurzfristig abgesagt, weil sie nicht nach Deutschland reisen will, solange die Entschädigungsfrage ungeklärt ist. Auch die Teilnahme der Opferfamilien am zentralen Gedenktakt in München und Fürstenfeldbruck am 5. September hat Spitzer bereits mehrmals infrage gestellt. Am Mittwoch sagte sie der SZ: "So wie die Situation jetzt aussieht, werden die Familien nicht kommen." Die Angehörigen hatten zwar bereits 1972 und 2002 Zahlungen erhalten, die jedoch gering und von deutscher Seite als humanitäre Hilfsleistungen deklariert waren, um ein Schuldeingeständnis zu vermeiden.

Beim Überfall eines palästinensischen Terrorkommandos auf die israelische Olympiamannschaft wurden am 5. und 6. September 1972 elf israelische Sportler ermordet, außerdem ein deutscher Polizist. Die Sicherheitsbehörden hatten zuvor Warnhinweise auf einen Anschlag ignoriert; auch die Polizeireaktion gilt als schwer fehlerhaft. In den Jahrzehnten danach verweigerte die deutsche Seite den Hinterbliebenen eine Entschuldigung, aber auch volle Akteneinsicht. Der Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte nun der SZ, die Bundesregierung habe das Olympia-Attentat und seine Folgen "in den vergangenen Wochen einer Neubewertung unterzogen".

Ergebnis dieses Prozesses, so der Sprecher, sei eine auf drei Säulen ruhende Gesamtkonzeption: "Aufarbeiten. Erinnern. Anerkennen." Die Gedenkveranstaltung am 5. September solle demnach "Anlass für eine klare politische Einordnung der Geschehnisse des Jahres 1972" sein. Dazu gehöre auch die Einsetzung einer Kommission deutscher und israelischer Historikerinnen und Historiker "zur umfassenden Aufarbeitung der Ereignisse".

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