bedeckt München

Soziale Arbeit:Neue Räume für Wohnungslose in München

Wohnheim des Katholischen Männerfürsorgevereins, Gabelsbergerstraße 72

Das Haus für Obdachlose an der Gabelsbergerstraße 72 wird saniert, zudem wird angebaut.

(Foto: Florian Peljak)

Zwei Einrichtungen des Katholischen Männerfürsorge­vereins werden saniert und erweitert. Laut Sozialreferat nimmt die Nachfrage stetig zu.

Von Sven Loerzer

Die Männer, die damals, vor rund 25 Jahren, unter der Wittelsbacherbrücke campierten, waren nur schwer davon zu überzeugen, dass eine Obdachlosenunterkunft ein besserer Platz zum Übernachten ist. Aber im neu eröffneten Haus an der Chiemgaustraße 120, einer sogenannten niederschwelligen Einrichtung des Katholischen Männerfürsorgevereins, fanden sie dann doch ein Quartier, in dem sie bleiben konnten, weil dort Alkohol nicht verboten war. Und für etliche begann damit auch ein neues Leben.

Nach einem Vierteljahrhundert ist das Haus nun sanierungsbedürftig und soll auch den lang ersehnten Erweiterungsbau erhalten. Der Sozialausschuss des Stadtrats hat jetzt sowohl den Sanierungs- und Erweiterungsplan für das Haus an der Chiemgaustraße 120 wie auch für die Gabelsbergerstraße 72 gebilligt. Dort betreibt der Männerfürsorgeverein eine Einrichtung für ältere alleinstehende Wohnungslose mit besonderen sozialen Schwierigkeiten sowie für kranke Wohnungslose, die Betreuung benötigen. Auch dort ist eine Sanierung dringend nötig und eine Erweiterung geplant.

In der Chiemgaustraße, einem ehemaligen Arbeiterwohnheim aus dem Jahr 1962, sind vor allem Wohnungslose untergebracht, die zumeist lange Jahre auf der Straße gelebt haben und davon körperlich und seelisch gezeichnet sind. Die Sanierung des Gebäudes mit 68 Wohnplätzen wird aufwendig, denn es gilt nicht nur brandschutzrechtliche Auflagen zu erfüllen, sondern auch die Barrierefreiheit durch den Einbau eines Aufzugs zu schaffen. Da das Haus am Mittleren Ring liegt, soll es Lärmschutzfenster erhalten. Und die Ölzentralheizung soll im Rahmen der energetischen Sanierung einem Fernwärmeanschluss weichen. Alle Einzelzimmer bekommen außerdem eigene Waschräume. Durch den Anbau sollen zudem 24 neue Zimmer für Wohnungslose entstehen.

Zum Haus an der Gabelsbergerstraße gehören die Gebäude mit der Hausnummer 72 mit 40 Plätzen und der Hausnummer 93 (20 Bettplätze) sowie eine Außenwohngruppe mit fünf Plätzen. In dem neuen Anbau für die Gabelsbergerstraße 72 sollen die 20 Bewohner aus dem Nebenhaus künftig barrierefrei untergebracht werden und zehn zusätzliche Plätze entstehen. Die Sanierung des Haupthauses, in dem suchtkranke, psychisch oder körperlich kranke und behinderte ältere Männer leben, sieht Zimmer mit eigenen Waschräumen vor.

"Die Nachfrage für diese Art der Einrichtung hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, sodass eine Erweiterung des Platzangebots für die Münchner Wohnungslosenhilfe eine große Erleichterung wäre", betonte Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD). "Die hohe Rate der psychischen und suchtbedingten Erkrankungen begründet den besonderen Versorgungsbedarf Wohnungsloser in der Langzeithilfe." Die Wartelisten der Einrichtungsträger seien lang.

Die Sanierungen und Erweiterungen übernimmt die städtische Wohnbaugesellschaft GWG. Über die Höhe der Baukostenzuschüsse wird der Stadtrat im kommenden Jahr entscheiden, wenn die nötigen Kostenvoranschläge vorliegen. Auch wenn jetzt noch kein Zeitplan vorliegt, sind die Vorhaben damit einen wesentlichen Schritt weiter: "Wir freuen uns sehr, dass die Erweiterungsbauten nun kommen werden und hoffen auf eine zeitnahe Umsetzung", erklärte der Sprecher des Katholischen Männerfürsorgevereins, Ralf Horschmann.

© SZ vom 16.12.2019/vewo

Obdachlosigkeit und Tod
:Für einen würdigen Abschied am Ende eines einsamen Lebens

Wenn obdachlose Menschen in München sterben, haben sie häufig niemanden, der sich um die Beerdigung kümmert. Doch es gibt Organisationen, die das ändern wollen - und die ihrer gedenken.

Von Kathrin Aldenhoff

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite