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Neue Maxburg:Ein vernachlässigtes Juwel mitten in der Stadt

Architektur Neue Maxburg Innenhof

Mit ihren großen Innenhof entwickelte sich die Maxburg trotz anfänglicher Bedenken bald zu einem beliebten Treffpunkt der Münchner (Bild aus dem Jahr 1958).

(Foto: Fries & Co. Grundstücksverwaltung und -verwertung)

Der Bau der Neuen Maxburg war heftig umstritten - heute zählt sie zu den wichtigsten Denkmälern Bayerns. Eine Ausstellung soll den einst beliebten Treffpunkt aus seinem Schattendasein holen.

Überall Lärm, Hektik und Baustellen - wer in der Altstadt einen Platz der Ruhe sucht, tut sich schwer. Eine besondere Oase im Großstadtgetriebe ist der Hofbereich der Maxburg-Gebäude zwischen Lenbachplatz, Pacelli- und Maxburgstraße. Dort scheint inmitten der Gastronomiebetriebe und Läden die Zeit fast stehen geblieben zu sein. Zu bewundern ist dafür ein städtebauliches und architektonisches Meisterwerk. Die Anlage gilt mit den Läden und Passagen in den unteren Geschossen und den Verwaltungsräumen in den darüberliegenden Stockwerken als Musterbeispiel für einen gelungenen Wiederaufbau nach dem Krieg und als urbaner Raum, der harmonisch in die Altstadt eingefügt wurde.

Einerseits ist es schön, dass es solche stillen Orte im Zentrum der Stadt noch gibt. Doch dieses Architektur-Juwel aus den Fünfzigerjahren, das in früheren Zeiten ein beliebter Treffpunkt war, wirkt inzwischen etwas vernachlässigt und fristet eher ein Schattendasein. Der Putz bröckelt und Baumängel lassen sich an vielen Stellen entdecken. Eine neue Ausstellung über die Geschichte des einzigartigen Nachkriegsbaus könnte ein erster Schritt sein, um die Maxburg aus ihrer baulichen Lethargie zu holen. Beate Ehrt, die Präsidentin des Amtsgerichts München, das seine Räume in der Maxburg hat, organisierte zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Sep Ruf Gesellschaft eine Fotoschau mit Texten und Filmausschnitten zu einem wichtigen Stück Stadtentwicklung.

Amtsgericht München, 2013

Das Gebäude ist bis heute weitgehend unverändert geblieben.

(Foto: Veronica Laber)

Der Bau der Neuen Maxburg gilt als das größte und auch umstrittenste Bauvorhaben Münchens in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Die Auseinandersetzung drehte sich vor allem um die Frage "Wiederherstellen oder Erneuern?", berichtet Irene Meissner von der Sep Ruf Gesellschaft und Mitarbeiterin des Architekturmuseums der Technischen Universität München. Ein Thema, das heute wieder genauso aktuell ist wie in der damaligen Zeit.

Münchner Traditionalisten kritisierten damals den Entwurf für die Maxburg, der von den Architekten Sep Ruf und Theo Papst stammt, als "hart und amerikanisch". Das passe nicht zur Stadt. Zur "Murxburg" wurde das Projekt in den Augen der Gegner endgültig, als es bautechnische Probleme mit der vorgehängten Natursteinfassade gab. Moderne Architektur geriet so schnell in Misskredit.

Die Alte Maxburg stammt aus dem 16. Jahrhundert und war nach dem Alten Hof und der Residenz das dritte Stadtschloss der Wittelsbacher in München. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Komplex mit seinen abgeriegelten Innenhöfen nahezu komplett zerstört. Erhalten blieb von dem mächtigen Renaissancebau vor allem der charakteristische Turm an der Pacellistraße. Das Areal diente lange Zeit als gigantischer Lagerplatz für Trümmerschutt und verschwand für viele Jahre aus den Augen der Bevölkerung.

Weil es Probleme bei den Bauarbeiten gab, wurde die umstrittene Maxburg von den Kritikern auch als "Murxburg" bezeichnet.

(Foto: Fries & Co. Grundstücksverwaltung und -verwertung)

Heute zählt die Anlage zu den wichtigsten Denkmälern in Bayern. Ein Bau von hoher Qualität, sagt Generalkonservator Mathias Pfeil. Das bezieht sich vor allem auf die filigrane Komposition unterschiedlicher Bauten und Innenhöfe mit den gartengestalterischen Anlagen. Hervorgehoben werden die am historischen Turm orientierte, modern interpretierte Fassade sowie feinsinnig konzipierte Details wie Treppengeländer, Böden und Wände. Die Schönheit der Maxburg erschließe sich vielleicht auch heute noch nicht jedem sofort, so Pfeil, aber allein dass sie seit mehr als 60 Jahren weitgehend unverändert blieb, spricht für die hohe Qualität der Gesamtanlage und der hohen Kunst ihrer Planer Theo Papst und Sep Ruf. Im Laden von "Krawatten-Hoff" findet man noch Teile der Original-Ausstattung.

Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) ist ein großer Fan der Maxburg. Das hängt auch damit zusammen, dass für ihn die transparente Architektur von Papst und Ruf eine demokratisch offene Rechtssprechung ausdrückt. In Sichtweite der Maxburg liegt der mächtige Justizpalast von Friedrich von Thiersch, der in der Zeit des Nationalsozialismus Schauplatz vieler Unrechtsprozesse gewesen war.

Es lohnt sich also, dass man der Maxburg mehr Aufmerksamkeit widmet. Die Frage, wie man städtische Räume mit historischen Bezügen modern gestalten kann, ist nicht nur für Münchens Altstadt wieder ganz zentral.

Die Ausstellung "Ein Vorbild für Europa: Die Maxburg in München" läuft bis zum 31. August im Pavillon am Lenbachplatz 7a und im Amtsgericht, 1. OG, Pacellistraße 5.

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