Öffentlicher Nahverkehr:MVV-Tickets sollen deutlich teurer werden

Lesezeit: 2 min

Öffentlicher Nahverkehr: Die MVV-Gesellschafter aus Stadt, Freistaat und Landkreisen entscheiden am Freitag über die neuen Tarife.

Die MVV-Gesellschafter aus Stadt, Freistaat und Landkreisen entscheiden am Freitag über die neuen Tarife.

(Foto: Amelie Geiger/dpa)

Über die Nachfolge für das Neun-Euro-Ticket wird diskutiert. Doch in München könnten die Preise in Bussen und Bahnen erstmal deutlich ansteigen. Die Verkehrsbetriebe drängen auf eine Steigerung von fast sieben Prozent.

Von Andreas Schubert

Zwar wird über eine Nachfolge für das Neun-Euro-Ticket diskutiert. Doch wie es derzeit aussieht, müssen die Fahrgäste im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) erst einmal mit deutlich höheren Fahrpreisen rechnen. Grund sind die enorm gestiegenen Energie- und Materialkosten sowie höhere Personalkosten. Zum Fahrplanwechsel im Dezember könnten die Preise um bis zu 6,9 Prozent im Durchschnitt steigen, wie aus dem Aufsichtsrat der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bekannt wurde. Darauf drängen zumindest die MVG und die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die für den Freistaat den regionalen Schienenverkehr organisiert.

Entschieden ist die Sache aber noch nicht. An diesem Freitag legt die Gesellschafterversammlung des MVV, die sich aus dem Freistaat, den acht Landkreisen im MVV-Gebiet und der Stadt München zusammensetzt, den neuen Tarif fest. Dies geschieht üblicherweise nicht ohne vorherige Diskussion. Zu klären ist etwa, welche Tickets gar nicht oder nur moderat teurer werden und welche dafür etwas mehr. Eine Erhöhung der Fahrpreise wird ohne zusätzliches Geld vom Freistaat oder vom Bund nicht zu vermeiden sein, sofern die Verkehrsunternehmen ihr Angebot aufrecht erhalten wollen. Die MVG bräuchte eigentlich sogar 22 Prozent mehr Einnahmen.

Sozialtickets sollen ausgenommen werden

Nikolaus Gradl, Verkehrsexperte der Münchner SPD-Stadtratsfraktion und Mitglied im MVG-Aufsichtsrat, äußert sich vor der MVV-Entscheidung eher allgemein. "Für uns wären Tariferhöhungen im öffentlichen Nahverkehr ein schwerer Schritt", sagt er. Sollten aber Anpassungen unumgänglich sein, dürften diese nicht auf Kosten von Menschen mit geringem Einkommen gehen. Deshalb fordere man, Sozialtickets und das 365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildende von Erhöhungen auszunehmen.

Auch Paul Bickelbacher, Verkehrsexperte bei den Grünen und ebenso MVG-Aufsichtsratsmitglied, betont, diese ermäßigten Tickets dürften nicht teurer werden. Gleichwohl müsse man auf die "wahnsinnigen Kostensteigerungen" reagieren. "Wir wollen es ohne Angebotskürzungen versuchen, die wären für die Verkehrswende kontraproduktiv."

Robert Niedergesäß (CSU), Ebersberger Landrat und Sprecher der Landkreise im MVV, beschreibt die Situation als schwierig. Denn einerseits passe eine Tariferhöhung nach dem Erfolg des Neun-Euro-Tickets überhaupt nicht in die Zeit. "Es muss eine Nachfolgelösung geben", sagt er. Andererseits wäre eine Erhöhung noch nie so gerechtfertigt gewesen. Er sei kein Freund großer Preissteigerungen, so Niedergesäß. "Wir werden aber auch keinen Aufstand proben." Auch Münchens Landrat Christoph Göbel (CSU) fordert eine Nachfolgeregelung für das Neun-Euro-Ticket. Angesichts der massiven Preissteigerungen müsse der MVV aber reagieren und klar sei auch, dass ein Teil der Einnahmen des MVV momentan "ticketfinanziert" sein müsse.

Die Landkreise wollen sich bis Freitag noch untereinander abstimmen. Theoretisch könnten der Freistaat und die Stadt München die Erhöhung auch ohne deren Zustimmung beschließen.

Zur SZ-Startseite
Baustelle der zweiten Stammstrecke

SZ PlusMeinungDesaster bei zweiter Stammstrecke
:Die CSU und ihre steinzeitliche Verkehrspolitik

Der Kater nach dem Lesen vertraulicher Papiere über die zweite S-Bahn-Stammstrecke ist schlimmer als das Aufwachen nach einem zünftigen Oktoberfestrausch. Da hilft nur eines: Träumen von einem fertigen Tunnel.

Lesen Sie mehr zum Thema