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Verkehr in München:Früherer TUM-Chef leitet Aufbau des neuen Mobilitätszentrums

Wolfgang Herrmann auf dem Uhrenturm der Technischen Universität München. Er soll die Gründung des neuen Mobilitätszentrums federführend vorantreiben.

(Foto: Catherina Hess)

Bis zu 100 Mitarbeiter sollen im geplanten Forschungszentrum des Bundes in München arbeiten. Neben Wolfgang Herrmann sitzt auch Oberbürgermeister Dieter Reiter im Gründungsbeirat.

Von Heiner Effern

Der Verkehr der Zukunft ist eines der großen lokalpolitischen Themen, nun soll auch die bundesweite Forschung darüber eine Heimat in München erhalten. Entsprechende Pläne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nehmen gerade Form an. Am Mittwoch tagte erstmals der Gründungsbeirat eines neuen Mobilitätszentrums des Bundes, das sich in der Stadt ansiedeln wird. An der Spitze des Gremiums steht ein nicht nur in der Wissenschaftsszene bestens bekannter Mann: der frühere Präsident der TU München, Wolfgang Herrmann. Der Beirat soll die Zentrale in München und mehrere Außenstellen aufbauen und die inhaltliche Ausrichtung erarbeiten. Bis 2024 hat der Bund für Gründung und Forschung 322 Millionen Euro bewilligt.

Als Scheuer den früheren TUM-Chef ansprach, ob er die Gründung des neuen Forschungszentrums federführend vorantreiben wolle, war Herrmann nicht schwer zu überzeugen. "Das Thema interessiert mich sehr", sagte er nach der ersten Sitzung des Beirats. Forscher verschiedener Disziplinen sollen herausfinden, wie sich auf Basis neuer Technologien künftig "Menschen fortbewegen und Waren transportiert werden können", erklärte das Bundesverkehrsministerium.

Herrmann freut sich, dass er seiner neuen Aufgabe in seiner alten beruflichen Heimatstadt nachgehen kann. Damit ist er nicht alleine, auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) begrüßt es sehr, dass das Mobilitätszentrum des Bundes in die Landeshauptstadt kommt. "München als großer IT- und Automobilstandort und mit seinen vielen renommierten Forschungseinrichtungen ist ideal für das Vorhaben", sagte Reiter.

Er sitzt ebenfalls im 17-köpfigen Gründungsbeirat, wohl auch, weil ihm ganz am Anfang eine wichtige Aufgabe zukommt: Es gilt eine Immobilie zu finden, in die einige Dutzend und am Ende sogar bis zu 100 Mitarbeiter einziehen können. So viele Menschen könnten laut Herrmann im Mobilitätszentrum einmal tätig sein. "Am liebsten direkt in der Stadt" sollte das Gebäude liegen, wünscht er sich. Reiter will das nach Kräften möglich machen. "Sehr gerne unterstütze ich die Suche nach dem passenden Standort. Wahrscheinlich wird es zunächst auf einen Interimsstandort hinauslaufen, bis der endgültige Standort entwickelt ist", sagte er.

Ganz bewusst sitzen im Beirat nicht nur Techniker und Automobilvertreter

Der Oberbürgermeister denkt beim Mobilitätszentrum nicht nur an hochqualifizierte Arbeitsplätze und das Renommee für die Stadt. "Ich erwarte mir von dem neuem Innovationshub viele spannende und nützliche Ideen für die Umsetzung der Verkehrswende, insbesondere auch dass die gesellschaftliche Dimension der technischen Entwicklung aufgezeigt und diskutiert wird." Damit liegt er auf der Linie des Chefs des Gründungsbeirats. Ihm liege viel daran, nicht nur neue Mobilitäts-Technologien zu fördern, sondern auch "einen gesellschaftlichen Rückbezug hinzubekommen", sagte Herrmann. Ganz bewusst habe er für die Mitarbeit im Gremium nicht nur Wissenschaftler aus technischen Fachgebieten oder Vertreter der Automobilindustrie angesprochen, sondern auch Jörg Hofmann, den Vorsitzenden der Gewerkschaft IG Metall, und die Politologin Patrizia Nanz, die sich unter anderem mit der Transformation zu ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit, der Zukunft der Demokratie und insbesondere auch der Bürgerbeteiligung beschäftigt.

Der Beirat soll den Rahmen festlegen, wie das Mobilitätszentrum künftig arbeitet. Es gehe darum, "Impulse zu setzen, Themen zu bündeln, zu steuern und zu verteilen und Zukunfts-Entwicklungen eine Richtung zu geben", sagte Herrmann. Mit Außenstellen in Hamburg, Annaberg, Karlsruhe und Minden soll ein Netzwerk entstehen, das Ideen entwickelt und mit der Forschung in Deutschland kooperiert. Dass das Zentrum ohne Ausschreibung auf Scheuers Wunsch in München etabliert wird, brachte dem Bundesverkehrsminister harsche Kritik aus der Opposition ein. Bewirkt hat diese offensichtlich nicht besonders viel.

© SZ vom 22.01.2021/kafe
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