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Kiosk im Michaelibad:Gastgeber aus Leidenschaft

Kunst und Kaffee: Maximilian Weber (li.) und Moritz Petan wollen in ihrem Café-Restaurant im Michaelibad ihren Gästen beides bieten.

(Foto: Robert Haas)

Moritz Petan und Maximilian Weber wagen in der Corona-Krise den beruflichen Neustart und betreiben den Kiosk im Michaelibad. Ihr Konzept setzt auf hochwertige Produkte und verzichtet auf Plastik bei der Essensausgabe

Von Hubert Grundner, Ramersdorf

Die Corona-Krise hat der Gastronomie einen Schlag versetzt, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat. Mit dem von der Pandemie erzwungenen Lockdown im Frühjahr verloren Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Restaurants, Wirtschaften, Kneipen, Bars und Clubs ihr Einkommen. Einige wenige aus der Branche sahen in Corona aber nicht ausschließlich eine Heimsuchung, sondern auch eine Chance, den beruflichen Neustart zu wagen. Moritz Petan und Maximilian Weber gehören zu diesem überschaubaren Personenkreis. Seit dem Sommer betreiben die zwei Freunde als gleichberechtigte Geschäftspartner den Kiosk im Michaelibad.

"Ohne Pandemie hätten wir das sicher nicht gemacht", räumt Petan ein. Bis dahin war er in Teilzeit bei einer Eventagentur beschäftigt, außerdem organisierte er Kunst- und Kulturveranstaltungen. Diese beiden finanziellen Standbeine waren ihm plötzlich weggeschlagen worden. Ähnlich sah es bei dem ausgebildeten Hotelfachmann Weber aus: Nachdem er zuletzt sechs Jahre im Wirtshaus in der Au sein Geld verdient hatte, war jetzt Kurzarbeit angesagt. Wie soll es weitergehen, lautete daher die Frage, die sie sich notgedrungen stellten, bis sie auf eine Ausschreibung der Stadtwerke München (SWM) stießen. Darin wurde nach neuen Pächtern für den Kiosk des Michaelibads gesucht. Weber und Petan bewarben sich, Einsendeschluss für ihr Konzept war der 27. März. "Nachhaltig und modern" sollte es sein, erinnert sich Petan. Die SWM waren wohl auch auf ein frischeres und zeitgemäßeres Image ihrer Gastronomie im Michaelibad bedacht. Ende Mai meldeten sich die Stadtwerke und erteilten den zwei Freunden, die sich gegen drei erfahrene Mitbewerber durchgesetzt hatten, den Zuschlag.

Nach der Schlüsselübergabe am 27. Juli legten sie richtig los - und zwar genau genommen an drei Standorten nacheinander: Da ist erstens der Freibad-Kiosk mit seiner relativ großen Terrasse sowie einer Küche, Kühl- und Lagerräumen, die auch einer größeren Wirtschaft genügen würden. Während des Sommers bis Ende September nahmen sie hier den Betrieb auf, zum Teil schon unterstützt von sieben Mitarbeitern. Zweitens betreiben sie seit 1. Oktober in der Eingangshalle des Michaelibads das "Krake" als separates Café-Restaurant, mit ebenfalls eigener Küche, von dem aus sie - drittens - auch die Badegäste in der Schwimmhalle mit Essen und Getränken versorgen können.

Ihr Konzept sei etwas anders als das eines klassischen Kiosks, sagen Moritz Petan und Maximilian Weber. So würden sie keinerlei Plastik bei der Ausgabe von Essen und Getränken verwenden, das gelte auch für ihre To-go-Gerichte. Außerdem nehmen sie für sich in Anspruch, in der Küche nur hochwertige Ausgangsprodukte zu verarbeiten. Am Ende liegt dann vielleicht ein "Beef Bürger Krake" auf dem Teller des Gastes oder eine Portion Pommes frittes, abgeschmeckt mit selbstgemachtem veganem Pommes-Gewürz. Das Bekenntnis, dass sie beide leidenschaftlich gerne Gastgeber seien, nimmt man Weber und Petan jedenfalls gerne ab. Dafür sprechen auch die mit großer Sorgfalt entworfene Speise- und Getränkekarte sowie die Gestaltung des Gastraums.

Schon heute ist dieser Bereich auch für Nicht-Badegäste zugänglich. Weber und Petan hoffen nun, dass nach und nach die Ramersdorfer, Berg am Laimer und Truderinger in ihr Café-Restaurant kommen, denn: "Wir finden, dass der Münchner Osten, speziell die Gegend um den Innsbrucker Ring, Nachholbedarf an schönen Gastronomien hat - für Jung und Alt." So sei auch die Idee entstanden, die Halle für halbjährlich wechselnde Kunstausstellungen zu nutzen. Wobei Moritz Petan die Kontakte, die er als Kunst- und Kulturveranstalter knüpfte, vor allem dafür nutzen will, jungen Nachwuchskräften eine Plattform zu bieten. Aktuell sind abstrakte Bilder der Freiburger Künstlerin Aiwara zu sehen - und bei Interesse auch zu kaufen.

Für ihr gemeinsames Projekt sind Petan und Weber optimistisch, viele positive Rückmeldungen der Gäste machten ihnen Mut. Gleichwohl ist es für sie ein schwieriger Moment: Aus dem sommerlichen Kiosk-Geschäft lassen sich nicht unbedingt Rückschlüsse ziehen, ob und wie erfolgreich der Betrieb im Café-Restaurant während des Winters laufen wird. Ihr oberstes Ziel lautet deshalb: durchhalten bis Mai 2021, dann beginnt die nächste Freibad-Saison - falls das Coronavirus endlich ein Einsehen hat mit den beiden Freunden und Münchens übrigen Gastronomen.

© SZ vom 28.10.2020

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