Kinderbetreuung:Reichlich Mangel

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Kinderbetreuung: Kinder spielen auf einem Klettergerüst der Grundschule am Schererplatz.

Kinder spielen auf einem Klettergerüst der Grundschule am Schererplatz.

(Foto: Florian Peljak)

Die "Kooperative Ganztagsbildung" ist eine gute Idee. Doch bei der konkreten Umsetzung gibt es noch viele Probleme: zu wenig Personal, Raumnot und fehlende Ausstattung.

Von Ellen Draxel

Im Kellergeschoss der Grundschule am Schererplatz wuselt es. Mädchen und Jungen flitzen von einem Zimmer ins andere, die "Restaurants" - so nennen sie in der Schule die Essensräume - sind gut besucht. Es ist der letzte Tag der Herbstferien, trotzdem ist das Gebäude offen - für Kinder aus dem kooperativen Ganztag.

Möglich ist das seit 2019. Die Pasinger Schule war eine der ersten, an der das Modellprojekt "Kooperative Ganztagsbildung" in München angeboten wurde. Der KoGa, entwickelt von Stadt und Kultusministerium, soll dafür sorgen, den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Grundschüler nach dem Unterricht zu gewährleisten, der von 2026 an bundesweit gilt. Das Konzept sieht flexible Zeiten bis 18 Uhr für Kinder aus Regel- und Ganztagsklassen inklusive Ferienbetreuung vor. Mittlerweile bieten 26 Grundschulen den KoGa an.

Die Idee an sich sei "hervorragend", sagt Anita Bock, Rektorin der Pasinger Grundschule. Was allerdings nicht passe, das seien die Bedingungen: der Personalmangel, die Raumnot und die Ausstattung. Am Schererplatz nutzen derzeit etwa 250 Kinder den KoGa. Um sie kümmern sich sechs Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte und eine Person, die nur stundenweise unterstützt. "Das ist viel zu wenig", sagt Bock, "schließlich sollen die Kinder ja auch Projekte machen dürfen und nicht nur aufgehoben sein."

Die Erzieherinnen und Erzieher "bemühen sich nach Kräften und gehen schon seit Langem weit über ihre Grenzen hinaus, um für ein schönes und anregendes Umfeld für die Kinder zu sorgen", berichtet Daniela Klein, Vorsitzende des KoGa-Elternbeirats. Doch es fehle "an allen Ecken und Enden". So werde "aus dem tollen Ansatz langsam aber sicher eine Aufbewahrungsanstalt". Werden Kolleginnen oder Kollegen krank, wird es besonders eng. "In den ersten Wochen dieses Schuljahres fiel die Nachmittagsbetreuung für einige Klassenstufen komplett aus."

Das soll nun besser werden. Nach massiven Klagen der Schulleitung und des Elternbeirats hat sich die Stadt inzwischen bewegt. "Für die Kooperative Ganztagsbildung wurde eine neue Leitung gefunden", erklärt der Sprecher des Bildungsreferats Andreas Haas, "und eine Stelle konnte so verändert werden, dass die Kollegin bleiben kann." Außerdem habe die Stadt "drei neue Mitarbeiterinnen eingestellt, die im Dezember beziehungsweise Anfang 2023 beginnen".

Kinderbetreuung: Schulleiterin Anita Bock (links) und Daniela Klein, die Vorsitzende des KoGa-Elternbeirats.

Schulleiterin Anita Bock (links) und Daniela Klein, die Vorsitzende des KoGa-Elternbeirats.

(Foto: Florian Peljak)

Die Situation in Pasing ist laut Daniel Gromotka kein Einzelfall. "Wir haben mehrere Rückmeldungen über schwerwiegende Personalengpässe an KoGas und würden uns einen besseren Personalschlüssel wünschen", sagt der Vorsitzende des Gemeinsamen Elternbeirats für Horte und Tagesheime in München. Auch für Verwaltungsaufgaben gebe es kaum Kapazitäten. Dabei wäre eine Entlastung des pädagogischen Personals von administrativen Aufgaben eine "Möglichkeit der Reduktion des Problems des Fachkräftemangels im Erzieherbereich".

Die Umsetzung des KoGa erschwert zudem ein weiterer Aspekt: die Raumnot. Seit Jahren platzt die Schererplatz-Schule aus allen Nähten, die Kooperative Ganztagsbildung ist bereits auf drei Standorte verteilt. Die im KoGa angemeldeten Dritt- und Viertklässler sind seit 2021 Am Klostergarten 13 untergebracht - das sei positiv, dürfe aber "nur eine Interimslösung sein". Denn mit der räumlichen Trennung habe man "im Prinzip keine Kooperative Ganztagsbildung, sondern nur einen erweiterten Hort".

Rektorin Bock wünscht sich ein nachhaltiges Konzept. Der frühere Elternbeiratsvorsitzende Leif Geuder hatte vor etwas mehr als einem Jahr auf Basis der Prognosen zu steigenden Schülerzahlen die Vision eines "Campus Pasing" entwickelt. Dieser solle einen Erweiterungsbau samt Mensa erhalten, ein Schwimmbad und neue Klassenräume für die Grundschule und das benachbarte Elsa-Brändström-Gymnasium auf dem Areal der heutigen, maroden Turnhalle. Die Stadt prüft den Vorschlag, konkrete Ergebnisse liegen bislang aber nicht vor.

Die Raumnot ist für den Elternbeirats-Vorsitzenden Gromotka ebenfalls typisch für Münchens Schulen. Die Gebäude würden "oft zu klein geplant". Beispiel Schrobenhausener Straße in Laim: Die Grundschule sei fünfzügig, der 2020 eröffnete Neubau aber für weniger Klassen konzipiert worden. Die Folge: "Der KoGa hat jetzt schon Raumprobleme, obwohl er gerade erst 75 Prozent seiner Maximalkapazität erreicht hat." Benötigt würden Innen- und Außenräume, die zum Bewegen, Spielen und Verstecken geeignet sind und über die entsprechende Ausstattung verfügen - nicht wie in Laim, wo der Entwurf zunächst keine Spielgeräte im Freien vorsah. Oder wie in Pasing, wo die Kinder Am Klostergarten seit Monaten darauf hoffen, mehr als einen asphaltierten Innenhof, von Eltern schon "Gefängnishof" genannt, vorzufinden. Immerhin: Die Spielgeräte sind inzwischen zugesagt.

Bei der Ausstattung könnten aus Sicht des gemeinsamen Elternbeirats eigene Budgets für die KoGas helfen, damit die Schulen auch mal unbürokratisch Projekte umsetzen können. Zwar genehmigt die Kommune in der Regel beantragte Wünsche, doch das kostet Zeit. Zeit, die oft fehlt.

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