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Altstadt:Die IAA präsentiert ihr Konzept für die Innenstadt

Vom Max-Joseph-Platz und den Residenzhöfen aus sollen IAA-Besucher im September zu Probefahrten mit diversen Vehikeln starten können.

(Foto: Yoav Kedem)

Geplant sind ein Diskussionsforum auf dem Marienplatz, eine Radl-Teststrecke in der Hofgartenstraße und Probefahrten vom Max-Joseph-Platz aus. Die Kritik an mangelnder Bürgerbeteiligung ist nicht komplett verstummt.

Von Julian Raff

Er kenne "keine andere Messe, die sich so sehr auf ihre Kritiker zubewegt hat", erklärte Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner bei der jüngsten Projektpräsentation zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) im Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel. Im Verlauf der Aussprache zeigten sich schließlich auch die Stadtteilpolitiker beweglich und stellten sich im Großen und Ganzen hinter die Idee einer nachhaltigen "Mobilitätsmesse".

Mit dem Image der grüngewaschenen, PS-protzenden und an den Bürgern vorbei geplanten Autoschau kämpfte und kämpft die IAA nicht nur im Stadtzentrum, allerdings hat sich die Skepsis im dortigen BA gegenüber früheren Debatten weitgehend gelegt - wohl auch, weil der Ausblick auf eine Großveranstaltung mit belebender Wirkung für Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Handwerk im anhaltenden Lockdown an Strahlkraft gewinnt. Baumgärtner bleibt zuversichtlich, dass die Schau vom 7. bis 12. September 2021 auf dem Messegelände, in der City und der Maxvorstadt stattfinden kann und so den wohl bittersten aller unvermeidlichen Totalausfälle auch des zweiten Pandemiejahrs wenigstens teilweise kompensiert. "Dass es mit dem Oktoberfest schwierig wird, ist ja nun kein Geheimnis", drückte es der Wiesn-Chef noch schonend aus.

Entsprechendes Gehör fand er mit dem Appell, man möge sich doch bitte nicht allzu sehr "verkünsteln", etwa in der Diskussion um den CO₂-Fußabdruck der IAA. Dieser soll, wie auch Christine von Breitenbuch, IAA-Projektleiterin bei der Messe München, bekräftigte, "bilanziell" bei Null liegen. Das heißt, trotz aller Alternativ-Antriebe anfallende Emissionen werden durch Ausgleichsmaßnahmen und -zahlungen kompensiert.

Abgesehen davon, dass dies gegenüber einer wirklich treibhausgasneutralen IAA natürlich nur die zweitbeste Lösung sein kann, will Baumgärtner nicht ausschließen, dass auswärtige Besucher ihrerseits motorisiert anreisen und den Klima-Saldo ins Minus ziehen. Die Veranstaltung selbst werde aber, abgesichert durch Zertifikate, keinen Schadstoffausstoß ohne Ausgleich hinterlassen. Dies gelte auch für die zuletzt im Bezirksausschuss Maxvorstadt kritisch beäugte "Blue Lane" vom Messegelände zum Königsplatz, die "allen Unkenrufen zum Trotz, eine Umwelt- und keine Funktionärsspur" sein werde, so Baumgärtner.

Die anfängliche Kritik an mangelnder Bürgerbeteiligung ist nicht komplett verstummt. Das Konzept eines planungsbegleitenden, virtuellen "Bürgerbüros" reicht der BA-Vorsitzenden Andrea Stadler-Bachmaier (Grüne) jedenfalls nicht, "wenn wir die IAA dauerhaft hier haben wollen". Nicht jede Skepsis zerstreuen konnte auch das Versprechen öffentlicher Diskussionsforen während der Veranstaltung, zusammengefasst unter dem Begriff "Citizen Lab". Überhaupt spart das Messekonzept nicht mit trendigem Neusprech vom "Experience Ticket", das Handels- und Gastro-Rabatte im Modell "Trusted Location Partner" bündelt, über den "Mobilitätshub" (Verkehrsknotenpunkt) und die "Underground Blue Lane" (U-Bahn), bis hin zum "Food Court", gemeint sind regionale Essensstandl im Innenhof des Landwirtschaftsministeriums an der Ludwigstraße.

Die BA-Mitglieder hielten sich nicht mit Sprachfragen auf und wollten stattdessen genauer wissen, was in ihrer guten Stube geplant ist: Am Marienplatz, so die Auskunft, wird es keine Firmenpräsentationen geben, sondern besagtes "Citizen Lab" unter seitlich offenen Zeltdächern, die vor Wetterlaunen schützen sollen, ohne den Platz zu verrammeln. Überhaupt sollen alle "Open Spaces" für Fußgänger passierbar bleiben, auch während des Auf- und Abbaus. Weitere Schauplätze sind die Hofgartenstraße, wo Besucher die neuesten Fahrradtrends erproben können, eventuell bis zum Marstallplatz, wo weitere Ausstellungsflächen geplant sind. Stationen am Max-Joseph-Platz und in den Residenzhöfen sind als Startpunkte für Probefahrten mit diversen Vehikeln vorgesehen, natürlich nicht nur solchen auf vier Rädern.

Ideal fände es Markus Stadler (Grüne), wenn die IAA, wie zuvor schon andere Großevents, bleibenden Mehrwert für die Münchner hinterlassen würde. Er denke dabei an zusätzliche E-Ladesäulen im Lehel, keine energieintensiven Schnelllader, sondern Langzeit-Stationen für die Anwohner. An Bereitschaft zum Umstieg fehle es dort jedenfalls nicht. Die bestehenden Ladesäulen im Lehel seien permanent belegt, "und es sind nicht wenige", so Stadler.

© SZ vom 07.04.2021
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