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München:Pläne für Großmarkthalle haben Konfliktpotenzial

Mächtiger Markt: Der Entwurf des Architekturbüros zeigt, wie die neue Großmarkthalle aussehen könnte. Auf dem Dach des 68 Meter hohen Gebäudes sollen öffentliche Freiflächen entstehen; Teil des Ensembles sollen 65 000 Quadratmeter Bürofläche und eine vierstellige Zahl von Wohnungen sein.

(Foto: Simulation: Henn Architekten)
  • Die Stadtgestaltungskommission zieht ein zwiespältiges Fazit zu den Plänen für eine neue Großmarkthalle.
  • Lob gibt es für das kompakte Konzept, kritisiert werden die riesigen Ausmaße des Baukörpers.
  • Die bisher über viele Hallen verstreute Nutzung des Großmarkts soll in einem Komplex mit zwei Unter- und drei Obergeschossen versammelt werden.

Überzeugendes Konzept für die Großmarkthalle, aber mangelnde Anbindung des bis zu 68 Meter hohen Komplexes an die Stadt: Die Stadtgestaltungskommission zieht ein zwiespältiges Fazit zu den Plänen für eine neue Großmarkthalle in Kombination mit oben aufgesetzten Bürogebäuden für etwa 3000 Beschäftigte. "Ich bin beeindruckt von der Idee, die Nutzung der Markthalle kompakt über mehrere Geschosse zu planen, das ist sehr nachhaltig", sagte der Architekt Piero Bruno aus Berlin am Dienstagabend in der Sitzung der Kommission, die den Stadtrat zu wichtigen Architekturprojekten berät.

Die bisher über viele Hallen verstreute Nutzung des Großmarkts soll in einem Komplex mit zwei Unter- und drei Obergeschossen versammelt werden, worin sich auch der gesamte Verkehr abspielen soll. Daraus ergeben sich große freie Flächen auf dem derzeitigen Großmarktgelände in Sendling - mit Potenzial für eine vierstellige Zahl von neuen Wohnungen. Allerdings entstehe dadurch aus Fußgängersicht "eine lange Wand, an der nichts passiert", wandte die Architektin Birgit Rapp aus Amsterdam ein. "Es wirkt auf mich wie eine Insel, die lose in einem Gebiet treibt, ohne Anbindung." Sie fragte, ob man nicht in den Erdgeschossen eine öffentliche Nutzung schaffen könne.

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Schwierig, erwiderte Gunter Henn, der Chef des Architekturbüros, von dem der Entwurf stammt. Die Logistik mit den Lkw, die im Inneren des Erdgeschosses fahren müssten, "ermöglicht kein Atrium und keine Eingänge". Zuvor hatte Henn sein Konzept vorgestellt: "Wir sammeln den Großmarkt und die vielen Verkehrsflächen, die es derzeit noch gibt, ein. Dadurch entstehen 16 Hektar Flächen für eine neue Verwendung." Dort will die Stadt einmal Wohnraum schaffen. Auf dem Dach des Großmarkts sollen Freiflächen für die Öffentlichkeit, vor allem aber auch ein gewaltiger Bürokomplex, bestehend aus drei Gebäudeteilen, entstehen. Bisher war von 55 000 Quadratmetern Geschossfläche die Rede, was in etwa der Fläche von Münchens höchstem Gebäude, dem "Uptown" am Georg-Brauchle-Ring, entsprechen würde. Dort arbeiten derzeit 2400 Menschen. In seiner Präsentation sprach Henn sogar von knapp 65 000 Quadratmetern. In der Summe aus Sockelbauwerk und Aufbau soll der Komplex zum Süden hin bis auf 68 Meter erheben. Die Einnahmen aus der Bürovermietung sollen unter anderem dazu dienen, die Mieten für die Händler wie bisher auf einem bezahlbaren Maß zu halten.

Herbert Danner, der als Stadtrat der Grünen in der Stadtgestaltungskommission sitzt, lobte die vorgeschlagene "flächensparende Lösung, die uns wichtig ist. Aber ein Fragezeichen steht für uns hinter der Mächtigkeit des Baukörpers". Sowohl die Höhe als auch die Länge würden im nächsten Stadtrat sicher noch intensiv diskutiert. Markus Lutz (SPD), der Vorsitzende des Bezirksausschusses Sendling, der als Gast sprach, begrüßte, "dass mit dem Konzept die Großmarkthalle für die Bevölkerung geöffnet wird". Auch das Freiflächenkonzept sei attraktiv. Allerdings müsse man auch von der Südseite auf das Dach hochkommen - bisher ist ein Zugang nur von Norden vorgesehen. "Und", mahnte Lutz an, "wir werden dort einen massiven Ausbau des Nahverkehrs brauchen".

Auslöser der ganzen Planung ist, dass die Stadt sich 2017 nach jahrelanger Diskussion vom Plan verabschiedet hat, selbst eine neue Großmarkthalle zu bauen, da die bisherigen Räumlichkeiten marode sind. Stattdessen will sie nun einen Teil des Grundstücks in Erbpacht an einen privaten Investor, das bereits auf dem Großmarkt tätige Umschlagzentrum Großmarkt München (UGM), übergeben, der dann auf eigene Rechnung baut. Kommunalreferentin Kristina Frank, deren Behörde das städtische Grundeigentum verwaltet, beziffert das Investitionsvolumen auf "mehrere hundert Millionen Euro".

Frank, die derzeit auch Wahlkampf als OB-Kandidatin der CSU macht, unterstützt die Pläne der Investoren und der Architekten: "Ich begrüße das Projekt, auch in der Dimension", sagte Frank, die als Kommunalreferentin auch Chefin der Markthallen München und damit Vermieterin der Großmarkthändler ist, am Dienstag vor der Sitzung der Kommission. Die Größe des geplanten Komplexes sei eine gute Ergänzung zum markanten Heizkraftwerk Süd, gleich gegenüber auf der anderen Seite der Schäftlarnstraße. Sie führt als weiteren Pluspunkt an, "dass die Investoren es geschafft haben, dass alle Händler mit der Planung zufrieden sind, und das ist keine leichte Aufgabe". Zur Verkehrserschließung sagt Frank: "Das müssen wir im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens klären." Für den Bereich, in dem Wohnen angedacht ist, wird ein zweiter neuer Bebauungsplan nötig sein. Die Stadt will beide parallel entwickeln. Das Baurecht für die neue Großmarkthalle soll nach derzeitiger Planung der Verwaltung in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 geschaffen sein. Vorher aber sollen die Architekten des Büros Henn, das beschloss die Stadtgestaltungskommission, eine überarbeitete Version ihres Entwurfs zur Wiedervorlage bringen.

© SZ vom 22.01.2020
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