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Entwurf für Neubau:Büros auf der neuen Großmarkthalle?

Spektakuläres Bauprojekt mitten in München: Die neue Großmarkthalle soll überdeckelt werden, das gilt auch für die Lkw-Parkplätze. Modell: Henn Architekten

  • Die Stadtgestaltungskommission befasst sich mit einem spektakulären Vorhaben. So soll die neue Großmarkthalle in einem überdeckelten Sockelbauwerk untergebracht werden.
  • Darauf könnten öffentlich Freiflächen sowie zahlreiche Büros entstehen.

Von Sebastian Krass

Bis zu knapp 70 Meter hohe Bürogebäude mit Platz für 2000 bis 3000 Beschäftigte und große zusätzliche Freiflächen für die Öffentlichkeit - und das alles auf dem Dach der neuen Großmarkthalle. Es ist ein spektakuläres Bauvorhaben mitten in München, mit dem sich am kommenden Dienstag die Stadtgestaltungskommission befassen wird. Das geht aus der Einladung zur nächsten Sitzung des Gremiums hervor, das den Stadtrat zu architektonischen Projekten von besonderer Bedeutung berät. Darin sind die vom Büro Henn Architekten im Auftrag privater Investoren entworfenen Pläne für das Areal an der Schäftlarnstraße in Sendling, gleich hinter dem Heizkraftwerk Süd, skizziert.

Demnach soll der Großmarkthallenbetrieb sich künftig in einem "Sockelbauwerk" abspielen, das sich "über mehrere Unter- und Obergeschosse erstreckt" - was Lärmemissionen weitgehend verhindern soll. Auch die Lkw-Parkplätze sollen überbaut werden. "Durch die bauliche Überdeckelung" entstehe "eine zweite Ebene", heißt es in der Beschreibung. Auf ihr sollten öffentliche Freiflächen und Büros "in einer Größenordnung von zirka 55 000 Quadratmetern Geschossfläche" entstehen. Das entspricht in etwa der Geschossfläche von Münchens höchstem Gebäude, dem 146 Meter hohen "Uptown", auch bekannt als "O2-Tower", am Georg-Brauchle-Ring. Dort gibt es 2400 Arbeitsplätze. Der Komplex in Sendling soll den Entwürfen zufolge bis zu 68 Meter hoch werden.

Das Projekt wird im März noch den bisherigen Stadtrat beschäftigen. Er soll einen Grundsatz- und Eckdatenbeschluss für die Zukunft des Großmarkthallenareals verabschieden, der auch die durch den Neubau frei werdenden Flächen umfasst. Das sei nur folgerichtig, erklärt eine Sprecherin des Kommunalreferats, das das städtische Grundeigentum verwaltet. Schließlich habe sich der Stadtrat in den vergangenen Jahren intensiv mit der Zukunft der Großmarkthalle beschäftigt und auch die aktuelle Entwicklung vorbereitet.

Dass die bisherigen Hallen baufällig und nicht mehr zweckmäßig sind, ist seit Jahren bekannt und ein Konfliktthema zwischen den Händlern und ihrem Vermieter, dem Kommunalreferat. Die Händler haben damit gedroht, aus der Stadt wegzuziehen, wenn sich nichts tut. Im Sommer 2017 stellte das Kommunalreferat eigene Baupläne für 160 Millionen Euro vor. Der Stadtrat beschloss aber stattdessen, einen Teil des Gesamtareals in Erbpacht an die Firma Umschlagzentrum Großmarkt München (UGM) zu übergeben, die schon jetzt großer Mieter im Süden des Areals ist und nun dort in Eigenregie eine neue Großmarkthalle bauen soll.

Das hätte auch den Vorteil, dass die Händler bis zur Fertigstellung in den bisherigen Hallen weitermachen könnten. Das UGM hatte im Jahr 2018 bereits ein Konzept vorgelegt, und davon ausgehend im vergangenen Jahr mit dem Architekturbüro Henn, das auch den Gasteig sanieren soll, eine neue "vertiefte Machbarkeitsstudie" erarbeitet, wie es Oliver Rob nennt. Der Projektentwickler berät seit Jahren das UGM bei den Großmarktplanungen. Zum Investitionsvolumen macht das UGM keine Angaben.

Obstgroßhändler in der Münchner Großmarkthalle, 2016

In der denkmalgeschützten Halle 1 gehen Obst- und Gemüsepalette aus verschiedensten Ländern über den Ladentisch. Sind die Bauarbeiten einmal fertiggestellt, soll auf mehreren Unter- und Obergeschossen gehandelt werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das nun vorliegende Modell sei aber "kein Hirngespinst, das könnten wir so bauen", erklärt Rob. Es sei auch mit den Nutzern der Großmarkthalle abgestimmt. Die Einnahmen aus der Bürovermietung sollten auch dazu dienen, "dass die Mieten für die Händler bezahlbar bleiben", betont Rob. Ob es die nun genannte Geschossfläche werde "oder 60 000 oder 40 000 Quadratmeter, das wird sich weisen", sagt Rob. Die Frage wird ein wesentlicher Gegenstand des Bebauungsplanverfahrens werden, über das der nach der Kommunalwahl am 15. März neu konstituierte Stadtrat entscheiden wird. Dabei wird es auch um die Verkehrserschließung in gehen. Denn der Großmarktverkehr soll künftig zwar ausschließlich über die Schäftlarnstraße verlaufen, die Tausenden von Büromitarbeitern müssen ja aber auch zu ihren Arbeitsplätzen kommen.

Kernpunkt des UGM-Konzepts ist es, das bisher für die Bürger kaum zugängliche Areal zu öffnen. Es soll Gastronomie und Geschäfte geben. Noch offen ist auch die Frage, wie die öffentlichen Flächen genutzt werden. Der im Modell skizzierte Fußballplatz sei nur eine Idee, sagt Rob, "es könnte auch Urban Gardening, Beach-Volleyball oder einfach Grünflächen geben". Fertig werden soll das Projekt nach den Worten von Kommunalreferentin Kristina Frank bis Mitte des Jahrzehnts.

© SZ vom 15.01.2020/vewo

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