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Fröttmaning:Razzia in der Fußball-Arena

Das Fußballstadion bei Nacht - nach einem Spiel des FC Bayern rückte diese Woche der Zoll an.

(Foto: Robert Haas)
  • Bei einer groß angelegten Aktion im Stadion des FC Bayern kontrollieren Stadt und Zoll mehr als 250 private Sicherheitskräfte.
  • 142 von ihnen standen nicht, wie vorgeschrieben, im bundesweiten Bewacherregister. In 100 Fällen notierten die Beamten einen Verstoß gegen die Sozialversicherungsgesetze.
  • An die 100 Ordner fliehen offenbar vor den Kontrolleuren.

Eindruck machte der Aufmarsch der Kontrolleure offenkundig - zumindest bei jenen, denen die Aktion galt. Die Fußballfans in der Fröttmaninger Arena bemerkten ihn weniger: Kaum war am Dienstagabend das Spiel des FC Bayern München gegen Fenerbahçe Istanbul abgepfiffen, verteilten sich 30 Zollbeamte, elf Mitarbeiter der städtischen Gewerbeüberwachung sowie etliche Polizisten rund ums Spielfeld und knüpften sich die dort postierten Ordnerinnen und Ordner vor. Zumindest die, die sie erwischten. Denn einige nahmen schnell Reißaus, wie die Beamten sahen, oder zogen sich eilig die charakteristischen orange-grauen T-Shirts ihres Arbeitgebers aus, um nicht als Sicherheitskräfte erkannt zu werden. "An die 100" Personen, schätzt der Zoll, hätten sich auf diese Weise der Schwarzarbeitskontrolle entzogen. Aber auch so blieb ein bemerkenswertes Ergebnis: 253 Ordner wurden laut Zoll überprüft, bei 194 wurden Gesetzesverstöße oder andere Unregelmäßigkeiten notiert. Eine Quote von fast 80 Prozent.

Es war die erste gemeinsame Kontrollaktion von Zoll und Stadt im Stadion des FC Bayern. Sie diente zum einen dem Kampf gegen Schwarzarbeit - das ist die Zuständigkeit des Zolls. So waren 100 der überprüften Ordner offenbar schwarz beschäftigt, also nicht bei der Sozialversicherung angemeldet, oder sie trugen ihren Personalausweis nicht, wie vorgeschrieben, bei sich. Diese Fälle würden nun noch weiter geprüft, teilte der Zoll am Freitag mit.

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Zum anderen ging es um die Vorgaben, die speziell für private Sicherheitsdienste gelten - das zu kontrollieren, ist Sache der städtischen Gewerbeüberwachung. Sie wurde laut Kreisverwaltungsreferat (KVR) am Dienstag in 142 Fällen fündig: So viele Ordner waren nicht im nationalen Bewacherregister angemeldet und somit auch nicht auf ihre Zuverlässigkeit hin überprüft worden. Dies ist für alle Sicherheitsdienste - neben einer speziellen Schulung - vorgeschrieben. Dabei werden die Beschäftigten vor ihrem ersten Einsatz überprüft, ob sie zum Beispiel Mitglied verbotener Organisationen waren oder Vorstrafen haben. Bei einigen der im Stadion überprüften Sicherheitsleute sei letzteres der Fall gewesen, lässt das KVR wissen. Die entsprechenden Personen hätten nicht beschäftigt werden dürfen. In einzelnen Fällen hatten die Überprüften laut Zoll auch keine Arbeitserlaubnis oder Aufenthaltsgenehmigung.

Die privaten Sicherheitskräfte bei Fußballspielen werden laut Stadion GmbH nicht von ihr oder dem FC Bayern gestellt, sondern von der Münchner Firma Veranstaltungsdienst Paul Mayr, die dafür wiederum auch Subunternehmer beauftragt. Sie teilte am Freitag auf Anfrage mit, die Kontrollergebnisse nicht im Detail zu kennen, den gesetzlichen Vorgaben aber "jederzeit" nachzukommen. "Wir können daher nur vermuten, dass es wohl bei Nachunternehmern zu Ungereimtheiten gekommen ist." Ein Sprecher des KVR wiederum sagte, man stehe "bereits in engem Kontakt mit dem FC Bayern, um an Lösungen zu arbeiten".

Für ihre Kontrollen hatten sich die Behörden den Dienstagabend ausgesucht, als im Stadion in Fröttmaning der Audi-Cup lief - ein zweitägiges Vorbereitungsturnier, an dem auch der FC Bayern teilnahm. Für solche Spielen werden üblicherweise deutlich mehr als 250 Ordner gebraucht. Ist der Zoll auf einer Baustelle im Einsatz, riegelt er diese oft mithilfe der Polizei komplett ab, um alle dort Beschäftigten kontrollieren zu können. Das gehe bei einem Spiel in der Arena natürlich nicht, sagte ein Sprecher des Hauptzollamts Rosenheim, das die Aktion federführend organisierte. "Man kann ja nur versuchen, die nach und nach zu erwischen."

Ordner stehen zum Beispiel an den Stadionzugängen, aber auch an jedem der Eingänge zu den Zuschauerblöcken. Vor allem dort konnten offenbar viele von ihnen vor den Kontrolleuren fliehen. Sicherheitskräfte sind auch im Innenraum rund um das Spielfeld postiert. Diesen abzuriegeln, gelang den Beamten zumindest einigermaßen: Am Dienstagabend war zu beobachten, wie sie auch eine halbe Stunde nach Spielende die Ordner nicht aus dem Innenraum ließen, so lange die Überprüfung noch lief.

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