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Demos für mehr Klimaschutz:Jeder muss bei sich selber anfangen

Demo Fridays for Future in München

Teilnehmer bei einer Fridays-for-Future-Demo am Wittelsbacher Platz

(Foto: Tobias Hase/dpa)

An diesem Freitag gibt es auch in München wieder Demonstrationen für mehr Klimaschutz. Bei dem Thema lässt sich die Verantwortung aber gerade auf lokaler Ebene nur bedingt delegieren.

Kommentar von Jakob Wetzel

Der Frust ist verständlich. Weltweit wollen Klimaschützerinnen und Klimaschützer an diesem Freitag protestieren. "Keine leeren Versprechungen mehr" fordern sie. Und davon sollten sich alle angesprochen fühlen, auch in München. Denn unter dem Strich ist hier zu wenig passiert. Es wurde zwar einiges beschlossen, es wurden trotz Corona teure Förderprogramme aufgelegt, und sowieso herrscht seit 2019 offiziell der Klimanotstand. Trotzdem aber gibt es nicht genügend Solarzellen, es brummen weiterhin mehr Autos mit Verbrennungsmotoren durch die Stadt als geplant, und es werden viel zu wenige Gebäude energetisch saniert - und wenn sie doch saniert werden, müssen sich die Bewohner häufig immer noch davor fürchten, dass ihre Mieten deshalb steigen.

Keine Frage: Es ist politisch viel zu tun. Doch wenn sich alle angesprochen fühlen sollten, sind damit nicht nur Politik und Wirtschaft gemeint, sondern wirklich alle. Es gibt eine große Lücke zwischen Theorie und Praxis, zwischen Klimabewusstsein und Gewohnheit. Wie groß diese Lücke ist, zeigt sich augenfällig im Straßenverkehr. In München, wo sich 2020 bei der Kommunalwahl 33,1 Prozent der Wähler für die Grünen oder die ÖDP entschieden haben, sind laut Stadt aktuell (Stand: 2. März) 564 151 Autos zugelassen, und von diesen fahren lediglich 8770 rein elektrisch - das entspricht einer Quote von knapp 1,6 Prozent. Der Anteil steigt, aber nur langsam.

Zugegeben: Der Vergleich hinkt in mehrfacher Hinsicht, nicht zuletzt, weil es das Klimafreundlichste wäre, gar nicht Auto zu fahren. Und am besten ist es sowieso, wenn jeder bei sich selber anfängt, auch der Autor dieses Kommentars. Der mag Fleisch, hat ein Auto mit Benzinmotor und nach langen Monaten des Shutdowns mittlerweile auch Sehnsucht nach dem Meer. Wenn nur das Virus nicht wäre.

Man müsse "die Menschen mitnehmen", heißt es oft. Doch umgekehrt müssen die Menschen auch mitgehen. Es wird nicht reichen, darauf zu warten, dass andere ihre Hausaufgaben machen.

© SZ vom 19.03.2021
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