München:Es geht aufwärts am Flughafen

Geschäftsführer Flughafen München Jost Lammers / Lufthansa nimmt ihren Flugverkehr von München nach USA wieder auf und

Offenbar fühlt sich Flughafenchef Jost Lammers recht wohl auf dem Rollfeld. Vor allem, wenn dort auch was los ist.

(Foto: Imago)

Nach dramatischen Rückgängen im Corona-Winter hat sich die Nachfrage deutlich erholt. 1,8 Millionen Passagiere waren es im August. "Es ist wieder Leben da", freut sich der Airport-Chef - und äußert sich überraschend zu einem möglichen Verbot von Kurzstreckenflügen.

Von Linus Freymark

Einen für ihn sehr traurigen Moment hat Jost Lammers im Winter erlebt. Das Land erstarrte im Lockdown, und der Flughafenchef lief an den zahlreichen Bildschirmen im Terminal 2 vorbei, an denen sonst die Destinationen angeschrieben stehen: New York, Los Angeles, Singapur und all die anderen Metropolen dieser Welt liest man dort normalerweise. Und jetzt, an diesem Wintertag? Alle schwarz. Lediglich der erste Bildschirm war gefüllt, und der nicht mal gänzlich.

Corona hat den Flughafen München wie die gesamte Luftfahrtbranche hart getroffen. Im ersten Quartal 2021 zählte die Betreibergesellschaft nur 570 000 Passagiere. Zum Vergleich: im Sommer 2019 waren es allein im August um die vier Millionen. Im Winter wird generell weniger geflogen, aber in diesem Winter war es dramatisch.

Umso fröhlicher verkündet Lammers nun neue Zahlen. Denn die Bilanz des Corona-Sommers 2021 zeigt eine Trendwende. 1,8 Millionen Passagiere nutzten im vergangenen August für ihre Reisen den Flughafen München. 170 Destinationen werden nun wieder von München aus angesteuert, im Vergleich zu den Zeiten vor Corona sind das immerhin 80 Prozent. Die Passagierzahlen sind zwar noch weit von jenen der vorpandemischen Zeitrechnung entfernt, doch angesichts der Situation im Winter sind sie für Lammers dennoch Grund zur Freude. "Es ist wieder Leben da", sagt der Manager über seinen Airport.

Neben den vielen Touristen sieht Lammers auch wieder mehr Menschen in Anzügen und mit Rollkoffern über die Gänge hasten. "Die Geschäftsreisenden kehren zurück", beobachtet er. Für den Münchner Airport spielt diese Gruppe eine besonders wichtige Rolle, schließlich ist das in Kooperation mit der Lufthansa kreierte "Premiumhub"-Programm vor allem auf Businesskunden zugeschnitten. Vor allem im Kurz- und Mittelstreckensegment zeigt sich laut Lammers - auch aufgrund der vielen Geschäftsreisenden - "eine dauerhaft stabile Nachfrage".

Ein anderer Grund für den Aufwärtstrend sind die vielen Zubringerflüge, die Fluggäste von kleineren Airports nach München bringen, von wo aus die Passagiere dann ihren Interkontinentalflug antreten. Doch genau diese Flüge über kurze Distanzen sollte es nach Ansicht aller Klimaschützer und einiger Politiker bald nicht mehr geben. Auch Lammers hat den ökologischen Aspekt bei seiner Zukunftsprognose im Kopf - und plädiert dafür, den Flughafen noch besser an das Bahnnetz anzuschließen. Salzburg oder Nürnberg etwa lägen in einer Entfernung, für die kein fliegender Zubringer nötig wäre. Jedoch müsse der Ausbau des Bahnnetzes vor einem etwaigen Verbot von Kurzstreckenflügen erfolgen. Sonst würden die Passagiere nicht mehr in München, sondern am Bosporus oder in der Golfregion umsteigen. "Man muss etwas ändern", sagt Lammers, "aber man muss schauen, dass man die Wettbewerbsfähigkeit erhält."

Um seine Stellung im internationalen Flugverkehr zu behaupten und sich für die Zukunft zu wappnen, treibt der Flughafen München derzeit drei große Bauprojekte voran. Neben einem neuen Flugsteig am Terminal 1 sowie einem Innovationszentrum und einer Airport Academy, in der die Beschäftigten aus- und weitergebildet werden sollen, wird auch der Bau eines Bahntunnels unterhalb der Rollfelder forciert. So soll eine Bahnstrecke von Freising nach Erding entstehen. Durch den "Erdinger Ringschluss" soll der Airport dann auch aus dem südostbayerischen Raum sowie der Region Salzburg besser zu erreichen sein.

Langfristig hofft Lammers auch auf eine Anbindung des Flughafens an den Fernverkehr der Deutschen Bahn, wie es etwa in Frankfurt oder Amsterdam der Fall ist. Zunächst aber blickt der Flughafenchef dem kommenden Winter und damit wieder "schwierigeren Zeiten" entgegen - auch wenn die Corona-Folgen nicht mehr ganz so drastisch und die Tafeln am Terminal 2 damit nicht mehr ganz so leer sein dürften wie in diesem Jahr.

© SZ vom 24.09.2021/infu
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