Energieversorgung:Kälte, die aus Sendling kommt

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Energieversorgung: Die Kältezentrale der Stadtwerke am Odeonsplatz.

Die Kältezentrale der Stadtwerke am Odeonsplatz.

(Foto: SWM)

Die Münchner Stadtwerke wollen die größte Fernkältezentrale in Europa bauen. Künftig könnten so vor allem Hotels und Bürohäuser in der Innenstadt umweltschonend klimatisiert werden.

Von Berthold Neff

Was bei der Wärme funktioniert, klappt auch bei der Kälte: Sie aus der Ferne dorthin zu bringen, wo sie benötigt wird - und dabei auch noch die Umwelt zu schonen. Die Stadtwerke München (SWM) verfügen bereits jetzt über ein 22 Kilometer langes Fernkältenetz, mit dem große Gebäude umweltschonend klimatisiert werden. Nun setzen sie noch einen drauf: Am Energiestandort Süd in Sendling, wo bereits der Probebetrieb für die Geothermie läuft, wird nun auch die Kapazität für Fernkälte massiv ausgebaut. Ende nächsten Jahres soll von dort aus Kälte durch die Isarvorstadt und Ludwigsvorstadt bis in die Innenstadt strömen. Dort gibt es besonders viele Hotels, Bürotürme und Kaufhäuser, die so in heißen Sommern klimaschonend temperiert werden können.

Fernkälte funktioniert in etwa so wie Fernwärme. Statt heißem Wasser wird dabei aber kaltes Wasser durch die Rohre bis in die Gebäude gepumpt. Über Wärmetauscher nimmt das kalte Wasser mit einer Temperatur zwischen sechs und zehn Grad Celsius die Energie aus der Klimaanlage des Gebäudes auf. Das erwärmte Wasser fließt dann wieder an den Energiestandort Süd zurück, wo es - auch vom Wasser des Isarwerkkanals - wieder abgekühlt wird, um dann erneut den Weg in die Innenstadt anzutreten. Dieses Verfahren ist umweltschonend. Im Vergleich zur Kühlung über konventionelle Hausklimaanlagen spart Fernkälte bis zu 70 Prozent des Stromverbrauchs.

Wichtig ist insbesondere, dass Fernkälte die niedrigen Temperaturen von Grundwasser oder von Flüssen nutzt. Und auch das Stadtbild profitiert davon, wenn das Wasser im Untergrund hin und her fließt. Die unschönen Kühlaggregate auf den Dächern der Innenstadt werden überflüssig, wenn die Fernkälte die Temperierung übernimmt. Auch die Abwärme dieser Anlagen auf dem Dach entfällt, sodass sich die Stadt weniger aufheizt und das innerstädtische Mikroklima verbessert wird.

Für die Stadtwerke sei Fernkälte ein wichtiger Faktor auf dem Weg zur CO₂-neutralen Energieversorgung, sagt Geschäftsführer Helge-Uve Braun. Die SWM setzen als Partner bei diesem Projekt auf die Expertise des Industriedienstleisters Bilfinger aus Österreich. Deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren bereits beim Bau der neuen Geothermieanlage, der bislang größten Deutschlands, aktiv und nicht nur für den Rohrleitungsbau, sondern auch für die Installation der Wärmetauscher verantwortlich.

Nach diesem Muster erfolgt die Zusammenarbeit auch bei der Fernkälte. Es gilt, etwa acht Kilometer Rohrleitungen zu montieren und zu verschweißen sowie Pumpen, Armaturen und Wärmetauscher zu installieren. Sobald alles fertig ist, kann eine Kühlenergie von 36 Megawatt erzeugt werden, was für das Klimatisieren von hundert großen Bürogebäuden reicht. Durch den Ausbau des Münchner Fernkältenetzes wird die Fernkältezentrale in Sendling zur größten in Europa.

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