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Bier-Tragerltragerl:Sehr spezieller Erfindergeist

"MVV Abschiedstrinken" in München, 2011

Eine Bierkiste inspiriert die Münchner zu allerhand Erfindungen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Neues hat in München vor allem dann eine Chance, wenn irgendwie Bier mit im Spiel ist. Das beste Beispiel dafür: das Tragerltragerl.

Kolumne von Laura Kaufmann

Nichts scheint den Münchner Erfindergeist so anzuregen wie der Blick auf einen Kasten Bier. Findige Einheimische wurden so zum "Tragerltragerl" inspiriert, einer Vorrichtung, mit der ein Kasten ähnlich einem Rucksack auf den Rücken geschnallt werden kann. Vom Tragerltragerl, über das an dieser Stelle schon ausführlich berichtet wurde, hat man seit seiner Erfindung vor drei Jahren nicht viel gehört, was nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen sein muss.

Immerhin rund ein Dutzend zufriedene Kunden haben Rezensionen bei einem großen Onlinehändler hinterlassen. Einzig eine bessere Polsterung wird gewünscht. Ein Kunde berichtet, auf dem Fahrrad behindere ihn das Tragerltragerl, weswegen er sein Tragerltragerl mit dem E-Scooter kombiniert.

Das Tragerltragerl scheint die Welt verzweifelter Bierkistentrager besser gemacht zu haben, nur Radlfahrer wirken nicht glücklich. Folgerichtig, dass es jetzt für den Radlfahrer eine eigene Bierkistentransportvorrichtung gibt, "Funcoo". Das geht internationaler von den Lippen, falls nicht nur Münchner über das Tragen ihrer Kästen verzweifeln. Die Vorrichtung wird am Gepäckträger befestigt. Wie Fahrradtaschen können dann zwei Kästen an den Seiten eingehängt werden. Ungemein praktisch, Abstand zu den Mitmenschen ist so auch geschaffen.

Streiten lässt sich nun darüber, ob die Vorrichtung vor jedem Getränkemarktbesuch neu auf dem Radl angebracht wird, was eventuell schnell lästig werden könnte, oder gleich dort belassen, womit sie schnell geklaut werden könnte. Ebenfalls ärgerlich. Eine Diebstahlsicherung wäre in dem Fall wünschenswert, und wo wir dabei sind - vielleicht könnte das Funcoo passend zu diesem Sommer noch mit integrierter Schirmvorrichtung und Blitzableiter lieferbar werden, um sich richtig nützlich zu machen? Als nächstes Patent würden sich, heißer Tipp, Kufen für den Bierkasten anbieten, damit er sich im Winter leicht über vereiste Straßen ziehen lässt.

Grundsätzlich wäre es falsch, zu denken, der Münchner mache nur Erfindungen, die ihm das Biertrinken bequem gestalten. In München ist auch das Cochlea-Implantat für Gehörlose und Schwerhörige erfunden worden, die Chipkarte und der Airbag. Und, nun ja, 1877 meldete Karl Linde das Patent für eine Kälteerzeugnismaschine an. Die ersten Abnehmer der Kühlschränke: Bierbrauereien.

© SZ vom 04.07.2020/lfr

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