Energiewende:Münchner bauen so viele neue Solaranlagen wie noch nie

Energiewende: Auf immer mehr Dächern in der Stadt gibt es Photovoltaikanlagen.

Auf immer mehr Dächern in der Stadt gibt es Photovoltaikanlagen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Photovoltaik erlebt in der Stadt einen Boom. 2023 wurden dreimal so viele Anlagen errichtet wie im Vorjahr. Und es sollen noch mehr werden. "Wer klug ist, handelt jetzt", rät die Klimareferentin.

Von Bernd Kastner

Der Ausbau der Solarenergie in München hat enorm zugelegt. Im vergangenen Jahr wurden in der Stadt so viele Photovoltaik-Anlagen errichtet wie noch nie. Die neu installierte Leistung von Photovoltaik (PV) auf Hausdächern hat sich laut Zahlen des städtischen Klimareferats im Vergleich zu 2022 fast verdreifacht. Damit hat das grün-rote Rathausbündnis erstmals die eigenen Ziele nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen. Von den insgesamt gut 13 000 bestehenden PV-Anlagen in München wurde allein im vergangenen Jahr mehr als ein Drittel installiert.

Mit der Gesamtleistung der Anlagen lasse sich der jährliche Strombedarf von rund 50 000 Zwei-Personen-Haushalten decken, haben sie im Rathaus ausgerechnet. Gut 140 Megawatt peak (MWp) betrage die Sonnen-Leistung insgesamt. In dieser Maßeinheit wird die Maximalleistung der Anlagen bei optimaler Nutzung angegeben.

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(Foto: SZ-Grafik/Stadt München)

"Das ist ein Riesen-Erfolg", kommentiert Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) den aktuellen Boom. So groß der Fortschritt auch ist, ausruhen kann sich die Stadt darauf nicht. Die 2023 neu hinzugekommene Leistung beträgt 36 MWp, für dieses Jahr hat sich das Rathaus einen Zubau von 40 MWp vorgenommen, in zwei Jahren sollen es schon 60 MWp sein. Der Rückblick auf die vergangenen gut zwei Jahrzehnte zeigt, dass beim Ausbau der Solarenergie lange Zeit kaum etwas voranging. Bis 2019 lag der jährliche Zubau immer deutlich unter zehn MWp, erst 2020 zog er ein wenig an. Vor gut einem Jahr war sich der Stadtrat weitgehend einig, dass dies viel zu wenig sei. Daraufhin nahm man sich einen ehrgeizigen Wachstumspfad vor.

Zu verdanken ist der große Sprung nach oben vor allem privaten Hauseigentümern. Das freue ihn besonders, erklärt Krause. "Die Münchnerinnen und Münchner sind die großen Treiber der Energiewende." Offenbar haben viele die städtischen Zuschüsse aus dem Förderprogramm Klimaneutrale Gebäude (FKG) genutzt. Hinzu komme derzeit eine günstige Situation auf dem Solarmarkt, sagt Klimareferentin Christine Kugler: "Der PV-Ausbau ist derzeit günstig wie nie, da die Solarmodulpreise stark gefallen sind und die Wartezeiten bei den Solarfachbetrieben deutlich zurückgegangen sind."

Viele Privatpersonen wollen angesichts dieser günstigen Umstände mit selbst produziertem Strom die Energiekosten dämpfen, die nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine stark gestiegenen waren. Von den gut 13 000 PV-Anlagen auf Münchner Dächern gehören laut Stadt 95 Prozent Privatpersonen, sie liefern 80 Prozent des gesamten Solarstroms. Laut Klimareferat lässt sich anhand der durchschnittlichen Leistung dieser Anlagen erkennen, dass sie vorwiegend auf kleineren Privathäusern installiert seien. Inzwischen lege aber auch der Zubau auf gewerblichen Gebäuden zu. Auf Schulen existieren bislang knapp 200 Anlagen. Gut 1000 Anlagen verteilen sich auf die Dächer von Unternehmen.

Klimareferentin Kugler versucht, die Solar-Motivation der Münchnerinnen und Münchner hochzuhalten. Sie rät Hausbesitzern, jetzt loszulegen, denn im Winter hätten die Solarfachbetriebe "Zeit, gute Angebote zu machen. Wer klug ist, handelt jetzt, denn der nächste Preisanstieg auf PV ist absehbar." Auch die städtische Förderung sinke von Jahr zu Jahr, immer zur Jahresmitte um sechs Prozent. So will die Stadt die Menschen motivieren, möglichst rasch PV-Anlagen zu errichten.

Künftig will die Stadt Geld aus dem FKG-Programm verstärkt der städtischen Gesellschaft Münchner Wohnen (vormals Gewofag und GWG) zukommen lassen. So soll der Solarboom auch städtische Häuser erfassen und den Mieterinnen und Mietern dort zugutekommen.

Boom bei Balkonkraftwerken

Den stärksten Boom verzeichnet die Stadt bei Steckersolargeräten, besser bekannt als Balkonkraftwerke. Sie werden recht unkompliziert über eine gewöhnliche Steckdose mit dem Stromnetz verbunden. Bereits 2022 wurden gut 1500 dieser Anlagen angeschlossen, im vergangenen Jahr sei die Zahl so hoch geblieben. Das ist knapp ein Drittel aller neuen PV-Anlagen im Jahr 2023. Der große Vorteil ist, dass auch Mieter sie anbringen können. Je nach Art der Installation benötigen sie die Zustimmung des Vermieters. Die Stadt bezuschusst ein Balkonkraftwerk, das in der Regel mehrere Hundert Euro kostet, seit Januar mit bis zu 320 Euro.

Der Verein "Solar 2030" hat sich zur Aufgabe gemacht, Münchner bei der Installation von PV-Anlagen zu unterstützen. Vorstandsmitglied Bernd Bötel erzählt, dass Infoveranstaltungen enormen Zulauf hätten, insbesondere zu Balkonkraftwerken. Je nach Größe kosteten diese 400 bis 800 Euro, der Preis sei zuletzt stark gesunken. Dank des städtischen Zuschusses amortisiere sich die Investition nach etwa drei Jahren. Fortan sparten die Betreiber jedes Jahr Geld, er rechne mit einer Lebensdauer der Anlagen von 20 bis 40 Jahren. Wer Hilfe bei der Installation eines privaten Mini-Kraftwerks brauche, den versuche der Verein zu unterstützen, zum Beispiel über ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe.

Während die Installation am Balkon oder auf dem eigenen Hausdach meist einfach sei, sei dies bei Mehrfamilienhäusern oft recht kompliziert. Eine eigene Arbeitsgruppe des Vereins berate deshalb speziell dazu. Infos gibt es dazu unter www.solar2030.de.

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