Schutz vor Infektionen:Luftfilter zuerst für Grundschüler

Forschungsprojekt Luftfilter Klassenzimmer Grundschule Parksiedlung, Oberschleißheim. Klasse 4c mit Lehrerin Lena Negele.

So könnte es in den weiterführenden Schulen aussehen, allerdings erst, wenn der Landkreis entsprechende Luftreinigungsgeräte auch bestellt hat. Eine Entscheidung dazu wurde vertagt.

(Foto: Florian Peljak)

Die Stadt will Klassenzimmer nach und nach ausstatten, von Klasse 1 bis Klasse 6 in weiterführenden Schulen. Anlagen in Kitas sind nicht geplant.

Von René Hofmann

Erst die Erstklässler, danach aufsteigend bis zur sechsten Klasse an weiterführenden Schulen: In dieser Reihenfolge sollen die Münchner Schulen mit mobilen Luftfilteranlagen ausgerüstet werden. Zumindest fordern dies die Stadtratsfraktionen von Grünen/Rosa Liste, SPD/Volt, CSU sowie FDP und Bayernpartei in einem gemeinsamen Antrag. Nachmittagsbetreuungen wie Horte und Tagesheime in den Grundschulen sollen ebenfalls zügig solche Geräten bekommen. Zudem soll das Referat für Bildung und Sport ermitteln, wie auch Einrichtungen von frei geförderten Trägern der Nachmittagsbetreuung ausgestattet werden können. Nicht vorgesehen ist im ersten Schritt, dass auch Kitas bedacht werden. Verena Dietl (SPD), als Dritte Bürgermeisterin unter anderem zuständig für den Bildungs- und den Gesundheitsausschuss, spricht von einem "Stufenplan", der über den Sommer entwickelt werden soll.

Ob zum Start ins neue Schuljahr Mitte September tatsächlich schon viele Luftfilter lossurren, lässt sich aktuell noch nicht absehen. Die Anschaffung soll ausgeschrieben werden, wobei das Referat für Bildung und Sport betont, dass dabei auch "die Wartungs-, Strom- und sonstigen Folgekosten" in die Betrachtung einzubeziehen seien. Einfach beim Großhändler eine Bestellung aufgeben - ganz so leicht ist es also nicht. Dynamik in die Diskussion gebracht hatte Ende Juni Ministerpräsident Markus Söder (CSU) - mit der Ankündigung, dass das Land Bayern bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten übernehmen werde.

Seit dem 6. Juli ist eine Homepage des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus online, die im Detail vorgibt, welche Geräte vom Freistaat gefördert werden (beispielsweise dürfen diese nicht lauter als 40 Dezibel sein) und den maximalen Zuschussbetrag pro Raum festlegt: 1750 Euro. Den Münchner Stadtpolitikern ist das nicht genug. "Der Freistaat muss mehr fördern", fordert Verena Dietl, "sich hier mit Förderung statt kompletter Finanzierung aus der Verantwortung zu stehlen, ist unverantwortlich. Wer ankündigt, soll auch zahlen." In dem fraktionsübergreifenden Antrag wird Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) aufgefordert, "sich beim Freistaat für eine möglichst hundertprozentige Förderung" einzusetzen. Möglicherweise könnte aber auch der Bund für Entlastung sorgen. Laut Bundeswirtschaftsministerium gibt es Gespräche über eine Ausweitung des Bundesprogramms, mit dem bisher nur der Einbau fester Anlagen gefördert wird.

Allein für die erste Stufe des Plans, der in München nun geschmiedet wird, dürfte ein zweistelliger Millionenbetrag anfallen. Wie teuer eine Komplettausstattung aller Schulen und Kitas kommt, lässt sich aktuell lediglich überschlagen. Zur Überwachung der Raumluft in Unterrichtsräumen und in Kindertagesstätten hat das Referat für Bildung und Sport rund 13 500 CO₂-Ampeln angeschafft. Würden diese großflächig mit je einem Luftfilter ergänzt, deren Preise Experten zwischen 2000 und 4000 Euro beziffern, ergibt sich eine Investitionssumme von rund 30 Millionen Euro.

Wie wirkungsvoll die mobilen Luftreiniger sind? Nachdem das Umweltbundesamt sich lange zurückhaltend äußerte, stufte es am vergangenen Freitag ihren Einsatz in Räumen mit eingeschränkten Lüftungsmöglichkeiten als "sinnvoll" ein: "Fachgerecht positioniert und betrieben ist ihr Einsatz wirkungsvoll, um während der Dauer der Pandemie die Wahrscheinlichkeit indirekter Infektionen zu minimieren."

Entsprechend verlangte der Bundeselternrat an diesem Montag Luftfilter an allen Schulen, nicht nur an denen für Kinder, die noch keine zwölf Jahre alt sind und für die es deshalb noch kein Impfangebot gibt.

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