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Corona:Im Virus steckt der Mann schon drin

Aufgedunsen und behaart - keine Frage: das Virus ist männlich.

(Foto: AFP)

Heißt es der oder das Virus? Schon die Römer wussten Bescheid: Daraus ein sächliches Wort zu machen, ist nur ein Ablenkungsmanöver aus der Ecke der alten weißen Männer.

Glosse von Wolfgang Görl

Neulich, bei der Künstlerdemo auf dem Königsplatz, hat sich der große Philosoph Gerhard Polt in einer Videobotschaft dafür entschuldigt, dass er noch immer der Virus sagt und nicht das Virus. Wer Polt, diesen tiefgründigen Denker, dessen Name in einem Atemzug mit Aristoteles, Kant und Seehofer genannt wird, ein wenig kennt, der ahnt, dass die Entschuldigung nur ein Trick war, um die Wahrheit auf nicht ganz so bestürzende Weise ans Licht zu bringen. Nie und nimmer nämlich ist Virus sachlich, da mögen die Virologen noch so sehr auf ihr Latein pochen.

Die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache: Der aufgedunsene, wie von zügellosem Bierkonsum zur Kugel geformte Körper, die ungepflegte Behaarung, dazu der Ehrgeiz, in aller Welt Unheil zu stiften und sich in Politik, Kultur, Wirtschaft, ja in sämtliche Lebensbereiche möglichst destruktiv einzumischen, überhaupt die ganze Niedertracht und Bösartigkeit, all diese physiognomischen und charakterlichen Mängel beweisen, dass es sich beim Virus um einen Mann handelt. Ja, Polt hat recht: Der Virus ist männlich, so wie seine Frau, die Bazille, weiblich ist.

Apropos Latein: Hier in Bayern, wo jedes Kind schon in der Kita das Große Latinum erwirbt, muss man selbstverständlich niemandem sagen, welches Wort die alten Römer für "Mann" verwendeten; aber den Menschen aus bildungsfernen Regionen wie Berlin oder Nordrhein-Westfalen sei hiermit verraten, dass "Mann" auf Lateinisch "vir" heißt. Na, dämmert's? Im Virus steckt der Mann schon drin. Daraus ein sächliches Wort zu machen, ist nur ein Ablenkungsmanöver aus der Ecke der alten weißen Männer.

Vor diesem Hintergrund sollten Wissenschaftler die Verbreitungswege von Covid-19 noch mal überprüfen. Männlich, wie der Virus nun mal ist, müsste er in Wirtshäusern eher zu finden sein als beispielsweise im Theater, wohin Männer zumeist nur gehen, weil sie von ihren Frauen gezwungen werden. Gänzlich virenfrei dürften Modeschauen, Eiskunstlaufen oder Konzerte von Justin Bieber sein. Gerade München hätte da noch einige Spielräume, die die Politiker bislang übersehen haben.

Aber auch im privaten Bereich eröffnen sich neue Möglichkeiten, dem Virus die Stirn zu bieten. Angesichts der toxischen Männlichkeit, die seine fiese Natur prägt, tun die Menschen gut daran, öfter mal den Staubsauger oder das Bügeleisen in Betrieb zu nehmen. Das vertreibt jeden Mann.

© SZ vom 03.11.2020/lfr
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