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Coronavirus in München:Die Kultur ist tot. Lang lebe die Kultur!

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Live-Bühnen bleiben leer, zumindest vor Publikum. Künstlern bleibt oft nur die Webcam, um auch im Lockdown gesehen zu werden.

(Foto: imago/blickwinkel)

Die neuen Beschränkungen legen Bühnen, Museen und Kinos lahm. Wieder hilft vorerst nur eines: die Flucht ins Netz. Ein Überblick über lohnende Online-Angebote aus allen Sparten.

Von SZ-Autoren

Klassik & Oper

Da fängt er nun also wieder an, der Kulturgenuss aus der Konserve. Wenn es um klassische Musik geht, ist das nichts so Außergewöhnliches, denn jede CD-Aufnahme bietet genau das. Es fehlt halt bloß die Live-Alternative derzeit. Das Live-Moment suggerieren Streams. Es bleibt Suggestion. Trotzdem bringt es Abwechslung, wenn man statt dem heimischen CD-Regal etwa montags die Seite der Bayerischen Staatsoper konsultiert. Dort gibt es nun wöchentlich die sogenannten Montagsstücke, etwa einen "Ballo Barocco" am 9. November, 20.15 Uhr. Live singen Mitglieder des Ensembles und des Opernstudios unter anderem Szenen aus "The Fairy Queen" von Purcell oder Monteverdis "Il Ballo delle Ingrate".

Dazu bietet das Haus mit "Die Vögel" die aktuelle Premiere als Video-on-demand (abrufbar unter www.staatsoper.tv). Auf die Konservierung und Ausstrahlung von Live-Musik spezialisiert ist per se der Bayerische Rundfunk. So kann man sich etwa gerade das letzte gespielte Konzert des Symphonieorchesters des BR mit Igor Levit unter der Leitung von Klaus Mäkelä ansehen (www.br-so.de). Das Rundfunkorchester bietet seine jüngsten Konzerte als Audio-Mitschnitte an (www.rundfunkorchester.de), und der BR-Chor (www.br-chor.de) präsentiert eine virtuelle Uraufführung. Unter br.de/kultur gibt es gesammelte Mitschnitte. Rita Argauer

Pop

Die internationalen Popstars haben längst umgeschaltet vom Touren aufs Streamen. Der Zweck freilich ist der selbe: Das Bekanntmachen der neuen Platte. So feiert Kylie Minogue ihr Album "Disco" einen Tag nach dessen Erscheinen in einem "Worldwide Performance Spectacular" am 7. November. In ersten Kostproben glitzert und blinkt die Australierin wie ein ganzer Schmuckladen, und tatsächlich geht es ja auch um Wertschöpfung: Wer via Internet dabei sein will, muss Tickets für 17,50 Euro kaufen. Die Münchner Pop- und Club-Szene muss sich nach dem Schock des erneuten Lockdowns erst einmal sortieren. Der Shoegaze- und Wave-Veteran Marc Zimmermann ("Lunastrom") hat bis auf eine kleine Pause nie aufgehört, seine DJ-Sets zu streamen, und so wird er auch am 7. November eine Auferstehung der Club-Kultur feiern mit "The Resurrection" (twitch.tv/lunastrom).

Auch das "Sound of Munich Now"-Festival ist gut vorbereitet auf die zweite Kulturflaute. Schon vorher stand fest, die Münchner Szeneschau nicht wie üblich im Feierwerk über die Bühne gehen zu lassen. Stattdessen drehte man dort Videos mit 20 Bands und Solokünstlern wie Antilope, Panic Girl, Pirx oder Umme Block, von denen nun noch bis Ende November montags bis freitags eines vorgestellt wird (soundofmunichnow.de). Michael Zirnstein

Jazz

Der "Lockdown light" trifft die Jazzszene fast härter als der erste im Frühjahr. So wurde der "Junge Münchner Jazzpreis" in der Unterfahrt soeben selbst noch in der Stream-Version abgesagt, weil es für drei Bands mit dreizehn Musikern vor einer fünfköpfigen Jury keine belastbare Grundlage gibt. An den im März gestarteten, inzwischen hochprofessionell mit vier Kameras gedrehten Streams mit kleinen Besetzungen hält die Unterfahrt jedoch fest: Schon am Donnerstag, 5. November, ist so das Trio der Berliner Pianistin und Sängerin Clara Haberkamp mit Oliver Potratz am Bass und Tilo Weber am Schlagzeug zu sehen, am Mittwoch, 11. November, dann das Trio des Wiener Star-Gitarristen Wolfgang Muthspiel, zu dem neben dem Bassisten Danny Ziemann der famose Chick-Corea-, Pat-Metheny- und Joshua-Redman-Drummer Jeff Ballard gehört (jeweils 20 Uhr, auf der Facebook-Seite und im Youtube-Kanal der Unterfahrt).

Neu zur Stream-Fraktion dazugestoßen ist der Bayerische Hof, der eine Kooperation mit dem Londoner Streaming-Portal und Musikkatalog "Jazzed" eingegangen ist. Die Zusammenarbeit startet ebenfalls am 5. November mit dem Auftritt des Trompeters Nils Wülker, der mit seiner Band sein aktuelles, zehntes Studioalbum "Go" präsentiert, auf dem er die lyrische und groovende Seite seines Trompetenspiels noch um eine elektronische ergänzt (www.jazzed.com). Oliver Hochkeppel

Theater

Noch haben sich die Theater nicht recht mit sich selbst geeinigt, ob und in welcher Form sie wieder Angebote im Netz machen wollen. Das Residenztheater legt vor und kündigt für den November einen Stream von "Dantons Tod" an, das groß besetzte Stück, das Ende Oktober erst Premiere vor 50 Zuschauern hatte (Termin noch nicht bekannt). Außerdem lesen Schauspielerinnen und Schauspieler aus "Annette, ein Heldinnenepos" von Anne Weber, das gerade den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Das Projekt startet am Donnerstag, 5. November, und wird täglich um 18.30 Uhr gestreamt. Eine vom Frühjahr bewährte kleine Serie wird weitergeführt, das "Tagebuch eines geschlossenen Theaters", in dem Ensemblemitglieder täglich in kurzen Miniaturen vor die Kamera treten, einen Gedanken, einen Text vortragend. Die Schauburg plant für den November ein Streaming der eigentlich mobilen Schul-Produktion "Haram" (schauburg.net). Auch das Staatstheater Augsburg bietet wieder digitales Programm an. Man kann zum Beispiel eine Virtual-Reality-Brille vom Theater leihen und von zuhause aus eine eigens dafür konzipierte Inszenierung erleben, etwa das Stück "Judas" oder das Ballett "Bolero" (Infos auf staatstheater-augsburg.de/digitale_angebote). Außerdem führt das Theater den Podcast "Tacheles Total" von Schauspielerin Natalie Hünig weiter, in dem sie Augsburger Persönlichkeiten interviewt. Christiane Lutz

Kunst

Viele Künstler sind coronabedingt derzeit zum Nichtstun verurteilt. Doch gibt es das Nichts überhaupt? Darüber diskutiert etwa der Künstler Paul Valentin am Mittwoch, 11. November, um 19 Uhr in dem Live-Stream "A sip of nothing / Ein Schluck vom Nichts" mit dem Astronomen, Mathematiker, Physiker und Sachbuchautor Josef Martin Gaßner, dem Philosophen Christof Rapp, dem Literatur- und Filmwissenschaftler Nepomuk Zettl und der Medienwissenschaftlerin und Kuratorin Franziska Stöhr anlässlich seiner Ausstellung "Lamb Shift" im Maximiliansforum (diese ist permanent von außen einsehbar). Zwei Streaming-Angebote zum Werk von Franz Erhard Walther offeriert das Haus der Kunst jeweils über seinen Kanal HDK Live (online über die Webseite Haus der Kunst sowie über Facebook). Am Donnerstag, 12. November, um 19 Uhr führen die Kuratorin Jana Baumann und der Bildende Künstler Christian Jankowski durch die aktuelle Ausstellung "Shifting Perspectives". Am Samstag, 28. November, gibt es von 10 Uhr an ein ganztägiges Streaming-Festival zum Werk von Franz Erhard Walther. In Live-Aktivierungen von historischen Exponaten, einem Künstlergespräch, Interviews sowie Podiumsdiskussionen soll der historischen wie gegenwärtigen Relevanz des Werks nachgegangen werden. Evelyn Vogel

Literatur

Wie gut Stream-Lesungen funktionieren können, hat das Literaturhaus in den vergangenen Monaten gezeigt - für den November jedoch hat die Stiftung alle Lesungen abgesagt. So bleiben in den ersten Novembertagen zunächst nur wenige Live-Streams aus München für Literaturfans übrig, zum Beispiel am Donnerstag, 5. November, 19 Uhr: Das "Atelier Monaco" der Monacensia mit den Münchner Autorinnen Sibylla Hirschhäuser und Barbra Breeze Anderson ist dann rein digital zu erleben, auf dem Youtube-Kanal der Münchner Stadtbibliothek. Ansonsten gibt es jede Menge Literaturgebote im Netz, ob nun in der ARD-Audiothek, der BR-Kulturbühne oder auf den Webseiten einzelner Verlage zu finden. Ungeduldige können sich auch bereits jetzt auf der Webseite www.muenchner-buecherschau.de kostenfrei für den Einlass zur 61. Münchner Bücherschau registrieren, die am 12. November beginnt und bis 29. November dauert. Die zunächst hybrid geplante Bücherschau darf zwar jetzt nicht als physische Messe mit Besuchern im Gasteig öffnen, doch möglichst alle geplanten Veranstaltungen sollen rein virtuell stattfinden, die Ausstellungen im Netz sichtbar sein - sogar die Messestände der einzelnen Verlage soll man digital ansteuern können. Und das alles zu Ehren des analogen Mediums schlechthin: des Buchs. Antje Weber

Kinder & Familie

Auch wenn viele Stätten und Angebote für Kinder pandemiebedingt geschlossen werden mussten, hat die Siebdruckwerkstatt in der Kinder- und Jugendkulturwerkstatt Seidlvilla die Herbstferien über geöffnet. Bis Freitag, 6. November, können zwischen 13 und 18 Uhr am Seidlvilla-Tor, Eingang Maria-Josepha-Straße, Entwurfpakete für zuhause abgeholt werden. Sie enthalten neben Werkzeugen und Materialien auch Anschauungsbeispiele, so dass man daheim alleine, mit den Geschwistern oder den Eltern Druckmotive entwickeln kann. Beim Abholen der Pakete wird auch gleich ein Zeitfenster in der Siebdruckwerkstatt zum Drucken verabredet. Bei diesem Termin werden dann zusammen mit einem Künstler oder einer Künstlerin die Siebe mit den mitgebrachten Entwürfen belichtet. In der kostenlos nutzbaren Werkstatt kann alles bedruckt werden, was flach ist - Textilien, Papiere, Pappe oder Holz. Viel Zeit also für tolle Druckexperimente, übrigens auch an den Samstagen nach den Ferien. Infos unter www.kulturundspielraum.de oder Telefon 341676. Auch die Sammlung Goetz bietet Kids Inspirationen für Kreativität zuhause: Im digitalen Vermittlungsprogramm für Kinder wird jeweils ein Werk aus der Sammlung vorgestellt, das daheim ganz einfach mit Alltagsgegenständen und Verpackungsmaterialien nachgebastelt werden kann. Die kostenlosen Video-Tutorials sind für Kinder ab 8 Jahren geeignet und unter dem Link www.sammlung-goetz.de/entdecken/sammlung-goetz-kids-teens/sammlung-goetz-kids/inspirationen-zum-nachbasteln/ zu finden. Barbara Hordych

© SZ vom 04.11.2020/lfr
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