Corona-Impfschutz:Doppelt geimpft und selten erkrankt

Coronavirus - Delta-Variante breitet sich in Bayern aus

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer schützt beispielsweise zu etwa 95 Prozent vor leichten Corona-Symptomen, bei der Delta-Variante seien es etwa 88 Prozent.

(Foto: Moritz Frankenberg/dpa)

In München haben sich bislang 342 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt, obwohl sie zweifach geimpft waren - statistisch gesehen sind das sehr wenige.

Von Ekaterina Kel

Doppelt geimpft und trotzdem an Covid-19 erkrankt? In seltenen Fällen ist das möglich. Wie Zahlen des Gesundheitsreferats belegen, haben sich seit Beginn der Impfkampagne Ende Dezember bis diesen Dienstag insgesamt 342 Münchnerinnen und Münchner mit Sars-CoV-2 infiziert, obwohl sie einen vollständigen Impfschutz hatten. 1133 Personen erwischte das Virus demnach nach einer Erstimpfung. Eine Aufschlüsselung nach Impfstoffen liege noch nicht vor, so eine Sprecherin des Referats. Zur Einordnung: Bis zum selben Zeitpunkt waren 694 545 Münchner doppelt geimpft. Das heißt, nur 0,05 Prozent davon infizierten sich, obwohl sie zweifach immunisiert waren.

Ist eine Impfung gegen das Coronavirus also sinnvoll? Ja, sagt Clemens Wendtner, Chefarzt der Schwabinger München Klinik. Der Infektiologe und Onkologe betont, dass Durchbruchinfektionen im Laufe der Pandemie normal seien. "Das ist kein Argument gegen die Impfung", so Wendtner. Zumal auf eine Millionenmetropole wie München 342 Infizierte trotz Schutzimpfung sehr wenige seien. Außerdem stelle sich die Frage, wie viele davon schwer erkranken. Er selbst habe in der Klinik seit Beginn der Impfkampagne bloß ein paar Patienten gesehen, die trotz Impfung eine schwere Symptomatik entwickelten, sagt Wendtner. Niemand hätte auf die Intensivstation gemusst.

An anderen Krankenhäusern hat es gar keinen Fall mit Impfung gegeben, etwa am Krankenhaus Barmherzige Brüder, wie eine Sprecherin bestätigt. Das Klinikum rechts der Isar berichtet von "einigen wenigen Einzelfällen mit nur einer Impfung". Und am LMU Klinikum weiß man von sechs Patienten, die trotz Impfung auf die Intensivstation mussten. Dabei sei bei dreien das Immunsystem etwa durch eine Transplantation geschwächt gewesen, bei den anderen sei die erste Impfung weniger als zwei Wochen her.

Dass sich manche Menschen trotz Impfung anstecken, liege auf der Hand, so der Infektiologe Wendtner. Schließlich schütze beispielsweise der Impfstoff von Biontech und Pfizer zu etwa 95 Prozent vor leichten Corona-Symptomen, bei der Delta-Variante seien es etwa 88 Prozent. Und vor schweren Verläufen seien es "nahezu 100 Prozent". Die wenigen Prozentpunkte, die da noch fehlten, träfen dann in der Regel ganz bestimmte Bevölkerungsgruppen. Vor allem jene, deren Immunsystem nicht gut funktioniert. In seiner Klinik etwa seien alle Betroffenen über 80 Jahre alt gewesen, deren Immunsystem aufgrund von bestimmten Erkrankungen geschwächt war. Zum Beispiel Rheumapatienten, die täglich Cortison nehmen müssen, Tumorpatienten nach einer Chemotherapie, Dialysepatienten oder Menschen nach einer Organtransplantation.

"Das sind die Gruppen, um die wir uns besonders kümmern müssen", sagt Wendtner. Als Onkologe betreut er viele dieser Risikopatienten und testet ihr Blut trotz zweifacher Impfung auf Antikörper gegen das Coronavirus. Wenn sich herausstellt, dass sie nur wenige Antikörper haben oder dass diese nicht wirken, bekommen diese Patienten bei ihm eine dritte Impfung.

Eine dritte Impfung für alle über 80 Jahren möchte der Mediziner aber nicht generell empfehlen. Das schüre nur unnötig Ängste, gesunde Menschen müssten sich keine Sorgen machen. Bei wem die zweite Impfung mehr als sechs Monate her ist, der könne ja seine Antikörper checken lassen. In den allermeisten Fällen dürfte die Immunität gegeben sein. Und für die große Mehrheit sei die Impfung nach wie vor der beste Schutz gegen das Virus. "Die durchschnittliche Bevölkerung muss sich keine Sorgen machen."

© SZ vom 29.07.2021/syn
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