Taufkirchen:Schnell zum Impf-Drive-in

Taufkirchen: Fenster runter, Spritze in den Arm: Kristina Borisowa impft in Taufkirchen vorbeikommende Autofahrer.

Fenster runter, Spritze in den Arm: Kristina Borisowa impft in Taufkirchen vorbeikommende Autofahrer.

(Foto: Claus Schunk)

Direkt neben der Autobahn 8 eröffnet in Taufkirchen der erste Impf-Drive-in - Besucher schätzen den schnellen und unkomplizierten Ablauf. Sogar das Vakzin ist frei wählbar.

Von Tatjana Tiefenthal

Die Einfahrt zum Impf-Drive-in an der Ludwig-Bölkow-Allee in Taufkirchen ist leicht zu verpassen. Noch fehlen die Schilder, nur die Corona-Teststation ist ausgewiesen und an dem abgezäunten Weg zur Einfahrt kann man schnell vorbei fahren. Aber es ist ja auch der erste Tag, an dem die Johanniter-Unfallhilfe auf dem Gelände der Jochen-Schweizer-Arena mit ihrer neuen Impf-Offerte beginnt.

Ist der erste Boxenstopp an diesem Montagvormittag erreicht, ist der Ablauf jedoch sehr unkompliziert: Im Check-in werden die Daten aufgenommen, das Aufklärungsblatt ausgefüllt und die Impfstoffauswahl getroffen. Zur Auswahl stehen die Vakzine von Johnson & Johnson, Biontech oder eine Kreuzimpfung mit Astra Zeneca und Biontech. Im Anschluss geht es weiter zur Impfstation, dort werden in zwei Spuren die Vakzine verabreicht.

Ganz im Vorbeifahren ist die Impfung allerdings nicht möglich. Auf einem Parkplatz müssen die Geimpften 15 Minuten warten - zur Beobachtung, falls die Impfung nicht vertragen wird. Auf dem Platz neben der Jochen-Schweizer-Arena glüht am Mittag die Sonne, Schatten gibt es keinen. "Bei der Hitze kontrolliert unser Team sehr regelmäßig, ob bei den Geimpften alles in Ordnung ist", erzählt Franz Josef Strohmeier, Chef vom Dienst der Johanniter. "Damit es nicht zu Schwindel kommt, sollte man vor der Impfung ausreichend trinken." Ist die Viertelstunde vorüber, geht es weiter zum Ausgang. Wer will, kann hier direkt seinen Zweittermin ausmachen - wenn denn einer nötig ist.

In der Mittagszeit ist weniger los als am Morgen und zur Feierabendzeit. "Die Stoßzeiten sind morgens von acht bis zehn Uhr und nach 16 Uhr", erläutert Strohmeier. Dennoch erreichen kontinuierlich Autos das Impf-Drive-in. "Es geht hier sehr problemlos vonstatten", berichtet Peter Ott, der auf seinem Motorrad gerade die erste Impfung erhalten hat. Zuvor habe er sich einfach nicht mit der Anmeldung für eine Impfung beschäftigt. Hier benötigt er keine. "In einem Wartezimmer warten und warten wäre nichts für mich. Das hier ist optimal", meint Ott. Allerdings sei der Schotterplatz schwierig befahrbar für Motorradfahrer.

Auch Christine Hilmeier schätzt die terminlose, unkomplizierte Impfmöglichkeit: "Mein Sohn war in der Früh hier und hat nur Positives berichtet. Daraufhin dachte ich, jetzt lasse ich mich auch impfen." Bereits vor drei Monaten wollte Hilmeier sich bei ihrem Hausarzt für einen Impftermin anmelden, doch es standen bereits 300 Personen auf der Warteliste. Außerdem wollte sie mit dem Vakzin von Johnson & Johnson geimpft werden und bei den Johannitern in Taufkirchen ist der Impfstoff frei wählbar. "Man kann es nur weiterempfehlen", meint sie.

Dass man sich spontan und unkompliziert impfen lassen kann, ist bei fast allen Befragten der Grund, warum sie ins Drive-in kommen. "Meine Oma hat von der Impfmöglichkeit in der Zeitung gelesen und gemeint, dass ich dahin könnte", erzählt Daniel Schulte. "Mein Hausarzt impft nicht und bei anderen Ärzten hätte ich mich anmelden und vorstellen müssen. Hier ist der organisatorische Aufwand geringer."

"Ich bin zunächst vorbeigefahren", erzählt Martin Hörger. "Wenn man von der Brunnthaler Straße kommt, ist die Einfahrt direkt hinter der Kurve." Danach sei jedoch alles viel einfacher abgelaufen als gedacht. "So was sollte öfter angeboten werden. Dann würden sich bestimmt ein paar Leute doch noch zur Impfung entscheiden", ist Hörger überzeugt.

40 Impfungen wurden am Montag bis zum Mittag bereits verabreicht. Strohmeier schätzt, dass die Zahl bis zur Schließung um 18.30 Uhr auf 70 bis 80 Impfdosen steigt. Der erste Impf-Drive-in im Landkreis München wäre damit nach Ansicht der Organisatoren ein Erfolg - und wird somit fortgesetzt. "Wir werden auch die nächsten Montage hier sein", erzählt Strohmeier. Dann wird auch ein Plakat an der Jochen-Schweizer-Arena auf die Impfaktion aufmerksam machen und Schilder werden den Weg zum Eingang weisen.

Unterdessen organisiert der Landkreis für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren am Donnerstag und Freitag, 29. und 30. Juli, Immunisierungen in den vier Impfzentren ohne Termin und Anmeldung. Auf diese Weise sollen noch in der letzten Schulwoche so viele junge Leute wie möglich die Gelegenheit erhalten, mit der ersten Impfung in die Sommerferien zu starten.

© SZ vom 27.07.2021/sab/vewo
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