Coronavirus in München:Internationale Handwerksmesse wegen Coronavirus abgesagt

  • Die Internationale Handwerksmesse wird wegen der Ausbreitung des Coronavirus abgesagt. Das teilten die Veranstalter am Montagabend mit.
  • Ein Mitarbeiter des Forschungs- und Entwicklungszentrums (FIZ) von BMW in München wurde positiv auf das Coronavirus getestet.
  • Nach Angaben eines Unternehmenssprechers befinden sich nun rund 150 seiner Kollegen für zwei Wochen zu Hause in Quarantäne.
  • Auch bei Pro Sieben Sat 1 sollen Mitarbeiter vorerst im Homeoffice arbeiten.

Von Jakob Wetzel

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus ist die Internationale Handwerksmesse (IHM), die in der kommenden Woche hätte stattfinden sollen, am Montagabend abgesagt worden.

In München sind drei weitere Fälle des Coronavirus aufgetreten. Das gab das bayerische Gesundheitsministerium bekannt. Darüber hinaus meldete das Ministerium zehn weitere Fälle in Bayern, darunter sechs im Landkreis Freising. In München hatte das Ministerium zuletzt erst am Sonntag einen neuen Corona-Fall bekanntgegeben.

Insgesamt sind damit fünf Menschen in München infiziert; sie alle sind in stationärer Behandlung.

Betroffen ist in München unter anderem ein Mitarbeiter von BMW, wie das Unternehmen bestätigte. Der Mann, der im Forschungs- und Entwicklungszentrum (FIZ) an der Knorrstraße gearbeitet habe, sei am Sonntag zum Arzt gegangen und jetzt im Krankenhaus. "Ihm geht es den Umständen entsprechend gut", teilte das Unternehmen mit. Auf Reisen sei er nicht gewesen. Zum Schutz der Kolleginnen und Kollegen seien nun jedoch etwa 150 Mitarbeiter, die mit ihm in Kontakt standen, für zwei Wochen zu Hause in Quarantäne. Die Büros seien gesperrt und desinfiziert worden. Zu den anderen beiden neuen Infektionen in München machten die Behörden zunächst keine weiteren Angaben. Sie ermittelten nun mögliche Kontaktpersonen und Verbindungen zu anderen Fällen, erklärte das Gesundheitsministerium.

Nach Hause geschickt wurden am Montag indes auch 200 Mitarbeiter des Senders Pro Sieben Sat 1 sowie sieben Mitarbeiter der Firma Vodafone in Unterföhring bei München; sie sollen vorerst im Homeoffice arbeiten. Einen Corona-Fall gibt es hier nicht: Pro Sieben Sat 1 teilte mit, der Schritt sei vorsorglich geschehen. Bei einem Mitarbeiter in Düsseldorf sei das Virus festgestellt worden; ihm gehe es gut. Etwa die Hälfte der betroffenen Kollegen in Unterföhring seien nicht infiziert. Die Testergebnisse der übrigen würden bis Mittwoch erwartet. Auch von den Vodafone-Mitarbeitern ist keiner positiv auf das Virus getestet worden. Einer der Betroffenen hatte jedoch bei einer Dienstreise in Großbritannien Kontakt zu einem infizierten Kollegen und danach drei Tage in Unterföhring gearbeitet. Allen Betroffenen gehe es gut.

Das sogenannte Coronavirus "Sars-CoV-2" kann die Erkrankung Covid-19 verursachen; die Inkubationszeit liegt bei bis zu 14 Tagen. Eine Erkrankung verläuft meist glimpflich; die Infizierten zeigen Anzeichen einer leichten Erkältung, zuweilen auch gar keine Symptome. Vor allem für ältere oder schon erkrankte Menschen kann eine Infektion aber gefährlich werden.

Die Internationale Handwerksmesse (IHM) hätte unter verstärkten Hygienemaßnahmen vom 11. bis 15. März stattfinden sollen. Das Gesundheitsministerium stellte jedoch am Abend mit Verweis auf den bayerischen Krisenstab klar, dass eine Absage großer internationaler Messen empfohlen wird. Daraufhin wurde die Messe, zu der 100 000 Besucher erwartet wurden, abgesagt. Für die Münchner Hotellerie und Gastronomie bedeutet die Absage entgangene Einnahmen in Millionenhöhe. Zuvor hatte auch der Sozialverband VdK Bayern seine für Samstag, 28. März, geplante Großdemonstration "Soziales Klima retten!" abgesagt. Unter den Teilnehmern seien "viele Ältere sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen", sagte die Landesvorsitzende Ulrike Mascher.

Die Demonstration soll nachgeholt werden. Schon am Wochenende hat die Stadt München ihre Beschäftigten aufgefordert, von zu Hause aus zu arbeiten, wenn sie in den vergangenen beiden Wochen eine vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet ausgewiesene Region besucht haben, zum Beispiel die Lombardei in Norditalien. Bei der Stadt beschäftigte Lehrer waren davon zunächst ausgenommen; am Montag jedoch entschied der "Stab für außergewöhnliche Ereignisse" der Stadt, dass diese Regel nun auch für Lehrer gelten soll. Der Stab will sich fortan täglich treffen.

Stadt und Freistaat hatten sich am Sonntag zum Ende der Faschingsferien an Urlaubsrückkehrer aus den Risikogebieten gewandt: Diese Kinder sollten nicht in die Schule oder in eine Kindertagesstätte gehen - unabhängig davon, ob sie Symptome einer Erkältung zeigen oder nicht.

Betroffen sind davon aber offenbar nur wenige. Gesamtzahlen nennen die Behörden nicht. Doch zum Beispiel am Gisela-Gymnasium in Schwabing mit seinen 960 Schülerinnen und Schülern hätten am Montag nur zwei gefehlt, weil sie in einem Risikogebiet gewesen waren, sagt der Schulleiter Christoph Pfaffendorf. Kein Schüler habe Kontakt zu einer an Covid-19 erkrankten Person gehabt. Die Schulfamilie sei besonnen; die Schule bemühe sich um Aufklärung, etwa mit Elternbriefen, aber auch mit Schildchen auf den Toiletten, wie man sich richtig die Hände wäscht. Auch Robert Grahl, Leiter des Rupprecht-Gymnasiums in Neuhausen-Nymphenburg, spricht von Einzelfällen. Aus dem Erasmus-Grasser-Gymnasium in Sendling-Westpark heißt es, der Unterricht laufe normal. Er wisse von nur einer Schülerin, die in der Lombardei gewesen und daher daheim geblieben sei, sagt Schulleiter Alexander Schröder. Die Schule zählt 1057 Schülerinnen und Schüler.

Die Stadt München hat jetzt eine eigene Telefon-Hotline zum Coronavirus eingerichtet. Sie ist wochentags von 8 bis 18 Uhr und am Wochenende von 10 bis 16 Uhr unter 089/233-44740 zu erreichen, wie das Gesundheitsreferat mitteilt. Bisher bietet unter anderem das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eine Hotline an: die 09131/6808-5101.

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