Nachruf auf Christian Öhlschläger:Trauer um den zweiten Hotpants-Zwilling

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Nachruf auf Christian Öhlschläger: Die Brüder Öhlschläger 2010 in ihrem ikonischen Outfit, rechts Christian.

Die Brüder Öhlschläger 2010 in ihrem ikonischen Outfit, rechts Christian.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bei jedem Wetter sah man Christian Öhlschläger mit seinem Bruder Stefan leicht bekleidet und bisweilen grantelnd durch die Straßen Münchens streifen. Nun ist er im Alter von 72 Jahren gestorben, sieben Monate nach seinem Bruder.

Von Korbinian Eisenberger

Sie waren Blickfang in den Straßen dieser Stadt, mit ihren schrillen Klamotten und kurzen Hosen, auch mitten im Winter. Viele Münchnerinnen und Münchner kannten das Duo. Nun sind beide nicht mehr am Leben. Sieben Monate nach Stefan Öhlschläger ist jetzt auch sein Zwillingsbruder Christian Öhlschläger im Alter von 72 Jahren gestorben.

In jeder Wetterlage sah man die beiden leicht bekleidet durch München laufen: die Locken blondiert, die langen gebräunten Beine nackt, oft auch der Bauch unter einem Oberteil im Tigerprint, in Pink oder Neongelb. Man kannte sie als die Öhlschläger-Zwillinge, die Hotpants-Boys oder die Schrillinge. Zwei Brüder, die dieser Stadt so gut taten, wo sich die meisten Einwohner von November bis März in schwarze Steppstoffe hüllen.

Laut offiziellen Dokumenten kamen sie am 6. Januar 1950 als Stefan Gustav und Christian Walther Öhlschläger zur Welt. Ihr Vater, so erzählten sie es selbst, war der Schauspieler Heinz Gustav Hans Öhlschläger (1922-1999), der unter dem Pseudonym Heinz Ohlsen in Berlin und Hannover spielte. In diesen Städten wuchsen die Söhne wohl auf. In den 1970er-Jahren zogen sie schließlich aus Hannover in die bayerische Landeshauptstadt.

Jahrzehnte prägten Christian und Stefan Öhlschläger das Münchner Stadtbild. "Seit der Geburt waren wir nie auseinander", hatte Christian Öhlschläger einmal gesagt. Das war 2019, da sah man sie noch zu zweit durch die Straßen streifen, nicht selten grantelnd, auch das gehörte zu ihnen. Meist waren sie zu hören, noch bevor man sie sehen konnte. Nicht selten fauchten sie einander an, wenn sie an irgendeiner Haltestelle standen und auf Bus oder Tram warteten. Es gab auch Leute, die das weniger gut fanden. Doch gerade in München, wo der Grant zu Hause ist, hat das schon irgendwie gepasst. Ihre provozierenden Auftritte als schrilles Doppelpack gehörten einfach dazu.

Der Tod seines Bruders am 9. Januar war für Christian Öhlschläger ein Schock, ein Leben ohne ihn schien schwer vorstellbar. Seither waren die beiden auseinander gerissen. Vielleicht sind sie nun wieder vereint.

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