Verkehrswende:Nur wer das Auto teilt, darf hier parken

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Verkehrswende: Gekennzeichneter Parkplatz für Carsharing-Fahrzeuge im Münchner Domagkpark.

Gekennzeichneter Parkplatz für Carsharing-Fahrzeuge im Münchner Domagkpark.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bis 2026 will die Stadt 600 Stellplätze für Carsharing-Anbieter reservieren. Doch nicht nur Autos sollen in Zukunft vermehrt gemeinsam genutzt werden.

Von Andreas Schubert

Teilen statt besitzen: Um die Zahl der privaten Autos in der Stadt zu verringern, will die Stadt verstärkt das Teilen von Fahrzeugen fördern. "Shared Mobility" heißt das im Jargon der Verkehrsplaner. Dafür sollen nach und nach speziell für Carsharing-Autos reservierte Stellflächen geschaffen werden. Einen Teil davon will die Stadt an verschiedenen sogenannten Mobilitätspunkten einrichten. Dort können es sich die Münchner dann künftig aussuchen, ob sie sich ein Auto leihen wollen oder lieber ein Fahrrad oder einen E-Scooter. Für das Jahr 2023 ist die Einrichtung von 64 Mobilitätspunkten geplant. Diese sollen laut Mobilitätsreferat die Alternativen zum motorisierten Individualverkehr bündeln. Voraussetzung ist dabei die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Um den Verzicht aufs eigene Auto schmackhaft zu machen, hat die Stadt bereits im Jahr 2022 Carsharing-Stellplätze in Giesing und Neuhausen eingerichtet. Heuer werden Stellplätze im Innenstadtbereich (Altstadt, Westend) sowie in anderen Bezirken wie Trudering-Riem eingerichtet. Das Angebot soll sich dabei nicht auf das Stadtgebiet beschränken: Im Rahmen des Förderprojektes "MoveRegioM" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung soll ein beispielhafter Mobilitätspunkt im Landkreis München errichtet werden. Ziel sei es, Shared-Mobility-Angebote auch verstärkt in der Region verfügbar zu machen, teilt das Mobilitätsreferat mit.

Bis 2026 sind insgesamt 600 Carsharing-Stellplätze im gesamten Stadtgebiet geplant. Diese sollen nun öffentlich ausgeschrieben werden, was in Deutschland in diesem Umfang ein Novum sei, teilt das Mobilitätsreferat mit. Damit das Vergabeverfahren eine juristisch stabile Grundlage bekommt, hat der Mobilitätsausschuss am Mittwoch zunächst eine Ausschreibung für eine Rechtsberatung beschlossen. Wenn die Stellplätze irgendwann dann vergeben sind, dürfen dort nur die Firmen stehen, die die entsprechenden Zuschläge erhalten haben. Das heißt: Jeder Anbieter bekommt seine eigenen Stellplätze.

Die Stadt betrachtet Carsharing als wichtigen Baustein zur Verkehrswende. Wer nur ab und zu ein Auto braucht, soll sich jederzeit eines ausleihen können. Zwei Modelle haben sich in München durchgesetzt: Das sogenannte Free-Floating-Modell und das stationsgebundene Carsharing. Free-Floating-Autos können auf allen legalen Parkplätzen im definierten Geschäftsgebiet abgestellt werden. Die stationären haben, wie der Name schon sagt, feste Stellflächen, zu denen die Autos zurückgebracht werden müssen.

Die 600 neu geplanten Stellplätze werden für das stationäre Carsharing reserviert sein. Denn vor allem dieses ist für den Klimaschutz relevant, weil dessen Nutzer eher ihr eigenes Autos abschaffen und häufiger ÖPNV und Fahrrad nutzen. Ein stationäres Sharing-Auto soll laut Mobilitätsreferat zwölf bis 16 private Autos ersetzen, ein frei verfügbares nur etwa drei bis fünf.

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