Protest gegen BMW:"Mit Vollgas gegen Mensch und Natur"

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Protest gegen BMW: BMW ignoriere die Klimakatastrophe und baue immer größere, schwerere Wagen, kritisieren Umweltschützer am Mittwoch vor der Konzernzentrale.

BMW ignoriere die Klimakatastrophe und baue immer größere, schwerere Wagen, kritisieren Umweltschützer am Mittwoch vor der Konzernzentrale.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Umweltaktivisten demonstrieren in München gegen den Autobauer BMW. Ort und Zeitpunkt ihrer Aktion sind bewusst gewählt.

Von Thomas Anlauf

Manchmal brauchen selbst Umweltschützer ein Auto. Gleich um die Ecke am Petuelring hat Felix Hälbich, Sprecher beim Bund Naturschutz in Bayern, bei einer Mietwagenfirma einen schwarzen BMW geliehen, damit Aktivisten des BN gemeinsam mit dem Dachverband Kritische Aktionäre vor der Konzernzentrale des Autobauers fotogen gegen die Umweltpolitik von BMW protestieren können. Eine junge Frau sitzt an diesem Mittwochmorgen im Schneidersitz auf dem gemieteten Auto und wirft ein Bündel Geldblüten in den warmen Frühlingswind. Zwei Demonstrantinnen halten ein Plakat in die Höhe: "BMW: Mit Vollgas gegen Mensch und Natur", steht darauf.

Ort und Zeitpunkt des Protests sind bewusst gewählt. Am Mittwoch fand in der Konzernzentrale die Jahreshauptversammlung statt. Nach einem Rekordgewinn von mehr als zwölf Milliarden Euro wollte BMW seinen Aktionären davon 3,8 Milliarden an Ausschüttungen auszahlen.

"Mit Blick auf die Klimakatastrophe ist es schwer zu ertragen, dass BMW immer mehr und immer größere, schwere stählerne CO₂-Schleudern in die Welt setzt", sagte der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner. Der 61-Jährige kritisiert, dass mit dem forcierten Bau von tonnenschweren Autos "die Klimakatastrophe ignoriert" werde. Das "muss sich ändern", so Mergner. "Noch immer sind 90 Prozent Verbrenner und der Anteil großer Limousinen und SUV steigt stetig."

Auch Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionäre, ärgert sich über die Politik bei BMW. Es sei nicht akzeptabel, dass der BMW-Vorstand die Gewinne direkt an die Familie Quandt und Klatten sowie die anderen Aktionäre durchreiche. "Stattdessen müsste der Konzern das Geld in die Abmilderung und die Anpassung an die existenzielle Herausforderung der von BMW mit verursachten Klimakatastrophe und den Umbau des Konzerns investieren." Die Kritischen Aktionäre forderten deshalb in einem Antrag, dass statt der Ausschüttung einer Dividende von 5,80 Euro je berechtigter Stückaktie nur zehn Cent pro Aktie ausgeschüttet werden.

BMW macht Druck für den Bau eines eigenen Autobahnanschlusses

Der Protest des Bundes Naturschutz richtet sich allerdings nicht nur gegen den seiner Meinung nach langsamen Transformationsprozess von BMW, von dessen Konzernspitze der Landesvorsitzende Mergner verlangt, sein Geschäftsfeld deutlich stärker auf Dienstleistung zu verlagern statt auf den Bau immer größerer Autos für den Weltmarkt. "Gegen Mensch und Natur handelt BMW auch direkt vor der eigenen Haustür", so Pressesprecher Felix Hälbich. "Der Konzern macht massiv Druck für den Bau eines eigenen Autobahnanschlusses, der durch Ausbau und Verlängerung der Schleißheimer Straße quer durchs Hasenbergl, ein marginalisiertes Viertel im Münchner Norden, zur A 99 geschlagen werden soll."

Sollte der Autobahnanschluss trotz aller Widerstände kommen, "werden Grünstreifen, Parks, Sport- und Spielplätze zerstört und mehr Abgase, Lärm und eine riesige Tunnelbaustelle entstehen", sagt Mergner. Mit dieser Unternehmenspolitik handele der bayerische Großkonzern direkt gegen die Interessen von Menschen, Natur und Klima.

Seit Wochen protestieren Umweltschützer unter anderem von Extinction Rebellion gegen den Bau der Trasse, die nach Ansicht der Münchner Stadtspitze nötig ist, um den Verkehr im Münchner Norden besser zu kanalisieren. Schließlich plant BMW dort ein neues Forschungszentrum mit Tausenden Mitarbeitern. In einem AZ-Interview hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter kürzlich betont, er halte einen Tunnel zur Verkehrserschließung an die Autobahn "verkehrlich für notwendig". Der SPD-Politiker befürchtete sogar, dass BMW ansonsten aus München abwandern könnte.

"Diese Drohungen sind absurd", kontert BN-Chef Mergner. Solche Aussagen "diskreditieren auch BMW direkt". In den kommenden Wochen will Oberbürgermeister Reiter im Stadtrat über die Frage abstimmen lassen, kündigte er an.

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