Null Acht Neun:München ist Crash-Hauptstadt: Mia ham Vorfahrt!

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Null Acht Neun: Die Münchner Autofahrer verursachen besonders viele Unfälle.

Die Münchner Autofahrer verursachen besonders viele Unfälle.

(Foto: Sina Schuldt/dpa)

Der Münchner ist der beste Autofahrer der Welt. Woran liegt es, dass der einst unbestrittene Herrscher der Straße so häufig Unfälle baut?

Glosse von Wolfgang Görl

Dass die Welt, die Menschheit und vielleicht sogar Bogenhausen dem Untergang geweiht sind, weiß mittlerweile jeder; aber nicht jeder hat das Zeug, die bevorstehende Apokalypse gelassen hinzunehmen. Manche sind wegen des Weltuntergangs so verzagt, dass sie das Positive gar nicht mehr zur Kenntnis nehmen. Dabei gibt es noch gute Nachrichten, und eine kam jüngst vom Verband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Dessen Experten ermitteln alljährlich, wo die Autofahrer besonders häufig in Unfälle verwickelt sind. Regionen, in denen es selten kracht, kommen in eine günstige Haftpflicht-Regionalklasse, wo aber die Schadensbilanz hohe Zahlen aufweist, müssen die Versicherten mehr berappen. Und was soll man sagen? Münchens Autofahrer stehen zusammen mit den Augsburgern an der Spitze der bayerischen Crash-Kultur. Die Münchner verursachen besonders viele und besonders teure Unfälle. Nur die Berliner und seltsamerweise die Offenbacher sind in dieser Disziplin noch besser.

Dass sie zumindest in Bayern auf der Poleposition stehen, darf Münchens Bruchpiloten schon mal mit Stolz erfüllen. Es ist ja nicht so, dass der Münchner (hier sind wirklich nur die Männer gemeint) nicht Auto fahren kann. In diesem Punkt ist er völlig anders als der Berliner, der Offenbacher und der Augsburger, die tatsächlich hoffnungslose Stümper am Steuer sind - ganz zu schweigen von Fahrern mit dem Kennzeichen FFB, die noch auf dem einsamsten Feldweg Unheil anrichten.

Nein, der Münchner ist der beste Autofahrer der Welt. Noch vor wenigen Jahren war er der unbestrittene Herrscher der Stadt, vor dem alle auf die Seite sprangen, wenn er mit seinem Flitzer angebraust kam. Junge Herren, denen der Papa ein Cabrio verehrt hatte, fuhren oft die halbe Nacht auf der Leo auf und ab, wo ihnen Beifall und bewundernde Blicke folgten. Legendär war ihr Kavaliersstart an der Ampel, der jeden Formel-1-Piloten alt aussehen ließ - leider ein seltenes Schauspiel, denn so ein 400-PS-Performer hielt nur ausnahmsweise vor der roten Ampel. Wie fast alle Münchner Kraftfahrer war er überzeugt, dass Verkehrszeichen nur für andere, niemals aber für ihn gelten. Übrigens gab es Auto-Hersteller, die ernsthaft überlegten, extra für ihre Münchner Kunden Modelle zu entwickeln, die anstelle der Bremse ein zweites Gaspedal haben. Unverständlich, warum nichts daraus wurde.

Wo aber edle Menschen auf der Überholspur sind, treten bald Neider auf, die sie ausbremsen wollen. So auch in München: Fußgänger, Radler, Veganer, ja selbst Stadträte jeglichen Geschlechts vereinten sich zu einer Allianz des Schreckens, die mit Tempolimits, Fahrradwegen, Fußgängerzonen und anderen Folterinstrumenten dem Münchner Autofahrer das Leben zur Hölle macht. Nicht wenige hat das derart verunsichert, dass sie jetzt herumschlingern wie im Autoscooter. Wenn es dann kracht, gibt's immerhin Punkte für die Münchner Schadensbilanz. Die Besten aber fahren unbeirrt weiter nach der Devise: Mia san mia, und mia ham Vorfahrt. Man erkennt sie am "M" auf dem Nummernschild - aber dann ist es oft schon zu spät.

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