Was wurde aus ...:Corona bremst Tierhilfe

Was wurde aus ...: Sophia Schlederer und Patrick Langhorst in Ostanatolien in der Türkei. Sie sind gerade auf dem Weg in Richtung Mittelmeer.

Sophia Schlederer und Patrick Langhorst in Ostanatolien in der Türkei. Sie sind gerade auf dem Weg in Richtung Mittelmeer.

(Foto: Home for Koalas)

Sophia Schlederer und Patrick Langhorst wollten bis nach Singapur radeln, um Koalas zu retten. Aber nach 7000 Kilometern war Schluss.

Von Lea Mohr, München

15 000 Kilometer wollten sie radeln. 15 000 Bäume wollten sie pflanzen bis Ende des Jahres. Doch jetzt müssen Sophia Schlederer und ihr Freund Patrick Langhorst umdrehen. Nach einer Reise, die sie durch zehn Länder geführt hatte. Nach 7000 Kilometern, die sie zurückgelegt hatten. Nach einer Corona-Erkrankung, wegen der sie zwei Wochen in Istanbul bleiben mussten - in Quarantäne, zeitweise sogar im Krankenhaus.

Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden jungen Münchner von Corona ausgebremst wurden. Anfang Mai 2021 sollte es losgehen. Von München nach Singapur - mit dem Fahrrad. Bis zum 31. Dezember wollten Schlederer und Langhorst unterwegs sein, um Spenden zu sammeln. Pro geradelten Kilometer wollten sie einen Baum in Australien pflanzen. Die dortigen Buschbrände der vergangenen Jahre und die dabei gestorbenen Wildtiere motivierten die beiden zu diesem Projekt. Sie wollen dazu beitragen, für die Tiere vor Ort einen neuen Lebensraum zu schaffen.

Singapur werden sie vermutlich nicht erreichen, ebenso wie die bis zum 31. Dezember vorgenommenen Kilometer. "Realistisch gesehen werden wir mehr Zeit brauchen, vor allem auch für die Spenden", sagt Sophia Schlederer.

Noch in München erkrankte Langhorst an Corona, die Abfahrt verzögerte sich daher um einen Monat. Im August erwischte es Schlederer mitten in der Türkei. "Das war ein echter Tiefpunkt", sagt Sophia Schlederer. Sie waren stolz, die Strecke bis dahin geschafft zu haben. Sie wollten weiterkommen, "aber wir mussten zwei Wochen in dieser lauten Stadt verbringen", sagt sie. Zweimal musste die 27-Jährige in Istanbul ins Krankenhaus: "Mir ging es noch nie so schlecht in meinem Leben", sagt sie. "Das war eine mentale und körperliche Herausforderung für mich. Und für Paddy auch, weil er ein zweites Mal in Quarantäne musste. Ich wusste zu dieser Zeit auch gar nicht, ob ich überhaupt noch weiterfahren kann."

Im Anschluss erreichten sie noch Tiflis, die Hauptstadt Georgiens. Von dort aus wollten sie weiter nach Aserbaidschan, Baku, und danach Iran ansteuern. Aber wieder hielt sie Corona zurück, die Grenzen waren zu. "Das war für uns ein krasser Tiefpunkt", kommentiert Patrick den Entschluss. "Umzudrehen war wirklich nicht leicht, weil wir beide unbedingt in den Iran wollten." Ganz ausgeschlossen ist das noch nicht, auch wenn sie aktuell in Richtung Mittelmeer radeln.

Dass sie das ursprünglich geplante Ziel vermutlich nicht erreichen werden, empfinden sie dennoch nicht als Misserfolg. Mit dem Ziel, die Welt ein bisschen grüner zu machen, sind sie losgefahren. Und daran halten sie fest. Auch wenn sich ihre Pläne geändert haben, glauben sie weiter daran, dass sie ihr Ziel noch erreichen können. "Wir freuen uns auf das, was kommt. Das wird viel Gutes sein."

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