Heilpädagogische Tagesstätte in Allach:"Am besten wäre es, die Stadt würde das Anwesen erwerben"

Heilpädagogische Tagesstätte in Allach: Sind in Sorge: Cornelia Drexler, Eva Kraft-Smuda und Selecta Heinrich (von links) vor der Tagesstätte.

Sind in Sorge: Cornelia Drexler, Eva Kraft-Smuda und Selecta Heinrich (von links) vor der Tagesstätte.

(Foto: Florian Peljak)

Der private Eigentümer will das Grundstück mit dem großen Garten im ensemblegeschützten Dorfkern Allachs verkaufen. Die Behörden signalisieren Unterstützung - doch konkrete Zusagen lassen auf sich warten.

Von Ellen Draxel

Die Heilpädagogische Tagesstätte an der Eversbuschstraße 156 in Allach bangt um ihre Zukunft. Seit mehr als 40 Jahren toben Kinder und Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf durch den verwinkelten Komplex mit dem großzügigen Garten, sie genießen die Weite des rund 3200 Quadratmeter großen Areals. Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn der private Eigentümer will das Grundstück im ensemblegeschützten Dorfkern Allachs verkaufen, er hat ein Maklerbüro damit beauftragt, das Geschäft abzuwickeln.

"Unsere große Sorge ist jetzt, dass das Haus an einen Investor im Sinne der Gewinnmaximierung veräußert wird", sagt Eva Kraft-Smuda vom Verein für heilpädagogische Aufgaben. Der Träger der Allacher Tagesstätte, der auch in Laim und Milbertshofen Einrichtungen betreibt, hat das Anwesen lediglich gemietet.

Was also tun? "Am besten wäre es, die Stadt würde das Anwesen erwerben", so Kraft-Smuda. "Auf diese Weise könnte das Gebäude an uns weitervermietet werden, und das Areal wäre langfristig gesichert." Die Kommune, argumentiert sie, müsse ja bereits heute einen Großteil der Miete zahlen, da 48 der insgesamt 64 Mädchen und Jungen Grund- und Mittelschulkinder sind, für die das Stadtjugendamt zuständig ist. Die Betreuung der 16 jüngeren Kinder bezuschusst der Bezirk Oberbayern.

Die Behörden signalisieren Unterstützung. "Wir befinden uns in Gesprächen mit allen relevanten Akteuren", sagt der Sprecher des Sozialreferats, Frank Boos. Auch dem Bezirk ist daran gelegen, die weitere Versorgung und Förderung der Kinder der Einrichtung langfristig sicherzustellen. Man prüfe "gerade alle in Frage kommenden Möglichkeiten des Erhalts des Standortes", erklärt Sprecherin Susanne Büllesbach. Sollte es tatsächlich zu einem Verlust des Grundstücks kommen, werde der Bezirk Oberbayern "die betroffenen Familien nach Kräften unterstützen, ein alternatives Betreuungs- und Förderangebot zu finden".

Zuspruch kommt außerdem aus der Lokalpolitik und aus dem Rathaus. Die Stadtratsfraktionen Grüne/Rosa Liste, SPD/Volt und Linke/Die Partei haben Anträge an die Kommune gestellt - mit der Bitte, alles zu tun, um diese Heimat für die Kinder zu erhalten. Denn in Allach gibt es nur diese eine heilpädagogische Einrichtung.

Heilpädagogische Tagesstätte in Allach: Die Kinder können sich im großen Garten austoben.

Die Kinder können sich im großen Garten austoben.

(Foto: Florian Peljak)
Heilpädagogische Tagesstätte in Allach: Auch in der Turnhalle ist viel Platz.

Auch in der Turnhalle ist viel Platz.

(Foto: Florian Peljak)
Heilpädagogische Tagesstätte in Allach: Alles ist für den Bedarf der 80 Kinder eingerichtet.

Alles ist für den Bedarf der 80 Kinder eingerichtet.

(Foto: Florian Peljak)

Ein Schnäppchen allerdings dürfte der Kauf von Haus und Grundstück in keinem Fall werden. Der Verein hat den Verkehrswert von einem Gutachter ermitteln lassen. Demnach liegt er bei 6,8 Millionen Euro. Alexander Sieg, der Geschäftsführer des Maklerbüros Siemax Immobilien, nennt dagegen einen Angebotspreis von 9,5 Millionen Euro. Auf dem Immobilienportal Immoscout werden sogar 12,5 Millionen Euro aufgerufen.

"Was machbar ist, werden wir sehen", sagt Makler Sieg, der bereits auf verschiedene Interessenten verweist. Für den Verein dagegen ist schon der von ihrem eigenen Gutachter ermittelte Wert kaum machbar. "9,5 Millionen könnten wir nie und nimmermehr aufbringen", betont Kraft-Smuda. Selbst ein Entgegenkommen beim Kaufpreis wäre für den Verein "ein kaum zu stemmender finanzieller Kraftakt" - der zudem wieder nur mithilfe öffentlicher Gelder zu leisten wäre. Eine Million Euro hat der Verein ohnehin bereits in das Anwesen investiert, für Brandschutztüren und ähnliches.

Wird abgerissen und neu Gebaut, muss die Denkmalschutzbehörde eingebunden werden

Anders als von Immoscout suggeriert, hält man beim Verein das Gebäude auch nicht für sofort verwertbar. "Was will jemand anderer als wir mit dem Haus anfangen?", fragt sich Cornelia Drexler, die in der Einrichtung den Kinder- und Jugendbereich leitet. "Die Räume taugen nicht zum Wohnen." Abreißen und neu bauen geht auch nicht so einfach, liegt das Grundstück doch im Umgriff eines Bodendenkmals sowie des denkmalgeschützten Ensembles Allach. "Für einen Abriss und Neubau müsste ein Antrag auf Baugenehmigung eingereicht werden", sagt Thorsten Vogel, Sprecher im Planungsreferat. Die Zulässigkeit wäre dann im Hinblick auf die Umgebungsbebauung und den Denkmalschutz zu beurteilen. Das Gebäude in Allach hat eine Historie, es stammt aus dem Jahr 1806 und wurde bis 1959 als Gasthaus genutzt. Davor, seit dem 16. Jahrhundert, soll es dort eine Tafernwirtschaft gegeben haben.

Jetzt aber wird erst einmal verhandelt. Am 3. November haben die Vereinsvertreter einen Termin mit dem Makler, man will alle Optionen ausschöpfen - bis hin zu einem denkbaren Kauf. Sollten alle Lösungsversuche scheitern, wäre das aus Sicht des Vereins die schlechteste Variante. Denn ein Alternativdomizil in der näheren Umgebung zu finden ist nahezu unmöglich. "Wir haben bereits gesucht, auch in den Neubaugebieten Diamalt- und Kirschgelände nachgefragt", sagt die Vereinsvorsitzende Selecta Heinrich. "Keine Chance."

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