Kritik:Faszinierende Weiten

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Beim Festival "MPHIL 360°" widmen sich die Münchner Philharmoniker unter Krzysztof Urbanski in einem Konzert Werken, die Stanley Kubricks Film "2001 - Odyssee im Weltraum" zitierte - von György Ligeti, Thomas Adès und Richard Strauss.

Von Klaus Kalchschmid, München

Derzeit geben sich die Dirigenten der jüngeren Generation als potenzielle neue Chefdirigenten bei den Münchner Philharmonikern die Klinke in die Hand. Klaus Mäkelä war gerade mit einer sensationellen Ersten Mahler zu erleben; doch der ist bekanntlich vergeben. Aber nun überzeugte einmal mehr der 39-jährige Krzysztof Urbanski. In kaum einer Woche ist Santtu-Matias Rouvali, 36, mit einem Leonard-Bernstein-Programm zu Gast.

"MPHIL 360°" war diesmal den fernen Weiten des Universums gewidmet, insbesondere der Reise zum Jupiter. So gab es dreimal im Konzert die in Stanley Kubricks legendärem Film "2001 - Odyssee im Weltraum" prominent zitierten Werke in voller Länge. Zunächst György Ligetis immer wieder faszinierende "Atmosphères" von 1961: Während der geräuschhafte Beginn bei Kubrick zu Schwarzfilm ertönt und dort das Chaos symbolisiert, faltet sich das komplexe, dreimal so lange musikalische Geschehen hier als untergründiges Requiem auf. Im Konzert auch zu sehen, was man hört, ist großartig, zumal die Philharmoniker jede Nuance traumwandlerisch sicher treffen.

Eine mustergültige Aufführung

Anders "Also sprach Zarathustra", die vielleicht beste und schönste Tondichtung von Richard Strauss. Während im Film nur der effektvoll plakative Beginn zitiert wird, ist der harmonisch-melodische Reichtum an Gestalten und Verläufen, der sich locker an Nietzsche anlehnt, in der folgenden halben Stunde schier fantastisch, die Antizipation des erst 15 Jahre später komponierten "Rosenkavalier" eingeschlossen. Auch hier gelingt Urbanski eine auch in den klanglichen Staffelungen mustergültige, im Detail wie im großen Ganzen überaus gelungene Aufführung.

Perfektes Bindeglied sind die 20 Minuten des Violinkonzerts "Concentric Paths" von Thomas Adès aus dem Jahr 2005. Augustin Hadelich hat es 2013 herausragend eingespielt und klingt live noch aufregender; ob in minimalistisch angehauchter hochvirtuoser Motorik, in manchen Stratosphären-Tönen oder in berückend langsamen Passagen wie im Mittelteil "Paths", der beginnt wie eine Bach'sche Chaconne und zwischendurch eine fulminante "Kadenz" enthält.

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