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Bahnhofsviertel:Zwei neue Hotels statt Wohnungen: Kritik an Plänen von Motel One

Ab sofort Wireless LAN in allen Motel One Zimmern

Die Pläne für zwei neue Häuser der Hotelgruppe Motel One am Hauptbahnhof stoßen auf breite Ablehnung in der Politik.

(Foto: obs)

Es habe den Versuch gegeben, "rüde zu entmieten". SPD, CSU und Grüne lehnen das Vorhaben der internationalen Kette ab - können es aber nicht verhindern.

Die Pläne für zwei neue Häuser der Hotelgruppe Motel One am Hauptbahnhof stoßen auf breite Ablehnung in der Politik. "Wir sehen das Projekt kritisch", sagt Hans Theiss, stellvertretender Vorsitzender der CSU-Fraktion im Stadtrat. Man freue sich, dass München eine attraktive Stadt für Touristen sei. Aber die zunehmende Konzentration von Hotelbetten im südlichen Bahnhofsviertel sei "schwierig, das kann die Struktur im Viertel zum Kippen bringen", sagt Theiss. Er sorgt sich insbesondere um kleinere, inhabergeführte Hotels mit teils langer Tradition, die gegen internationale Ketten wie Motel One nur schwer ankämen. "Es ist unser Ziel, die Vielschichtigkeit dort zu bewahren."

Auch Christian Müller, Vize-Fraktionschef der SPD, hält die Pläne von Motel One an dieser Stelle für unpassend, sagt aber auch, dass sie rechtlich zulässig und somit nicht zu verhindern seien. Er macht allerdings auf den Verlust von Wohnraum aufmerksam, wenn wie geplant die Gebäude Schillerstraße 3 und 3a abgerissen und durch einen Hotelneubau ersetzt werden.

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Auch wenn es sich um ein Stadtgebiet handele, in dem hauptsächlich Gewerbe vorgesehen ist, "müssen wir den Wohnraum dort schützen und sogar stärken, weil unsere Stadt nur lebt, wenn die Menschen auch dort wohnen können und nicht immer weiter nach außen verdrängt werden". Müller, der auch wohnungspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, fordert deshalb "gleichwertigen Ersatzwohnraum". Es geht in diesem Fall um gut 30 Wohnungen, in denen vor allem Beschäftigte der umliegenden Betriebe lebten. Es habe den Versuch gegeben, "rüde zu entmieten", klagt Müller.

Eigentümer der Immobilie ist das Unternehmen Concrete Capital. Dessen Geschäftsführer Peter Fritsche lässt über einen Sprecher erklären, er bestreite den Vorwurf der rüden Entmietung. Mehr sagt Fritsche nicht. Bereits im Herbst hatte er erklärt, Einigungen mit den verbliebenen Mietern seien "mehr als fair gelaufen", die zur Verfügung gestellten Ersatzwohnungen seien in der Regel "deutlich besser" als die bisherigen an der Schillerstraße. Im Sozialreferat, zu dem auch das Wohnungsamt gehört, war die Schillerstraße am Dienstag Thema in einer Besprechung mit Referentin Dorothee Schiwy. Details daraus waren aber nicht zu erfahren. Concrete Capital kündigt überdies an, am Freitag in einer Pressekonferenz über das Vorhaben zu informieren.

Die Hotelgruppe Motel One hat inzwischen bestätigt, dass sie in der Schillerstraße nicht nur ein Hotel plant, sondern gleich zwei. Dies hatte die SZ zuvor berichtet. Außer dem 281-Zimmer-Haus in der Schillerstraße 3 und 3a, das die Firma Concrete Capital bauen will, soll auf der anderen Straßenseite ein weiteres Hotel mit 177 Zimmern entstehen - in einem Neubau an der Ecke Schiller-/Bayerstraße, errichtet vom Projektentwickler DC Values. Das erklärte am späten Montagabend Ursula Schelle-Müller, die Ehefrau des Firmengründers Dieter Müller und in der Geschäftsführung für das Marketing zuständig. Als Münchner Unternehmen beurteile man den Hauptbahnhof als "Hotelstandort mit großem Potenzial", sagt Schelle-Müller. Deshalb plane man gemeinsam mit DC Values ein weiteres Hotel an der Bayerstraße.

Es kursiert die Überlegung, dass es sich de facto um ein Haupthaus mit Nebengebäude auf der anderen Straßenseite handele. Schelle-Müller widerspricht dem jedoch: "Es ist kein Satellit der Schillerstraße, sondern wird als eigenständiges Hotel entwickelt. Die Planungen sind jedoch noch in einem frühen Stadium." Für Motel One sei es nicht ungewöhnlich, "an besonders guten Mikrostandorten auch ein zweites Hotel in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem bereits bestehenden" zu betreiben. Das praktiziere man bereits in Berlin an der Kantstraße, in Leipzig an der Nikolaikirche oder in Nürnberg am Hauptbahnhof. Insgesamt werden die beiden neuen Münchner Hotels 912 Betten haben.

Die Grünen im Stadtrat wollen nun zumindest die Entstehung zusätzlicher Hotelzimmer im südlichen Bahnhofsviertel verhindern, wo sich auf 0,2 Prozent der Stadtfläche schon jetzt 60 Prozent der Hotelbetten konzentrieren. Stadtrat Paul Bickelbacher schlägt in einem Stadtratsantrag vor, "im Bebauungsplan keine weiteren Hotels mehr vorzusehen und bei Bauvorhaben 20 bis 30 Prozent der Nutzung verpflichtend als Wohnbebauung festzuschreiben - sofern dies lärmtechnisch und im Hinblick auf die Freiflächen vertretbar ist".

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