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Mobbing in der Schule:Eltern sollten sich mit Social-Media-Kanälen beschäftigen

Können Eltern überhaupt etwas tun, um ihr Kind vor Mobbing zu schützen?

Eher nicht. Runtergebrochen könnte man sagen: Wenn wir allgemein für ein wertschätzendes Klima in den Familien und später in den Kindergärten und Schulen sorgen, dann haben wir das Problem nicht. Wenn die Situation aber da ist, dürfen Eltern eines gemobbten Kindes nicht in die Falle laufen, zu fragen: Was ist mit meinem Kind falsch? Stattdessen sollten sie dem Kind kommunizieren: Okay, das ist eine blöde Situation, wie kommen wir da raus? Und sie können ihrem Kind aufzeigen, was es tun kann. Dass es sich andere Freunde suchen kann, wenn es allein ist, oder dass es den Kontakt zur Lehrkraft sucht. Mobbing findet meistens im unsichtbaren Bereich statt. Kinder brauchen deshalb eine Erlaubnis, sich mitteilen zu dürfen, ohne als Petze dazustehen.

Wie bemerken Eltern, dass ihr Kind betroffen ist?

Wenn das Kind immer unlustiger in die Schule geht, öfter krank wird oder wenn es nach Hause kommt, total niedergeschlagen ist und nicht darüber reden will. Manche Kinder wollen hartnäckig in die Schule gebracht werden, weil da vielleicht auf dem Schulweg etwas wartet. Es können auch Sachen verschwinden oder kaputt gehen, und statt einer Erklärung druckst das Kind nur herum. Die Scham bei den Opfern ist unglaublich groß, weil viele Kinder denken: "Mit mir stimmt was nicht, sonst würde mir das nicht passieren."

Wie soll dann der nächste Schritt der Eltern aussehen, der Schule oder anderen Eltern gegenüber?

Der erste Impuls, nämlich die anderen betroffenen Eltern anzurufen, ist nicht immer der beste. Stattdessen sollte die Schule mit ihren Schulsozialarbeitern oder Streitschlichtern aktiv werden, die die betroffenen Kinder zu einem Gespräch einladen können - erst ohne das Opfer, dann mit ihm. Erst dann sollten Schulen die Eltern dazu holen. Sonst endet es nämlich schnell wie in Roman Polanskis Film "Der Gott des Gemetzels": Eigentlich treffen sich alle im Guten, am Ende gibt es ein Desaster. Das geht dann sowohl in der Schule als auch zwischen den Eltern weiter.

Wie wirkt sich Mobbing langfristig auf Kinder und Familien aus, die sich damit auseinandersetzen müssen?

Wenn das Mobbing nicht aufhört, wirkt sich das dramatisch auf das Selbstbild und das Selbstwertgefühl eines Menschen aus. Daher ist es wichtig, dass man so etwas schnell merkt und schnell beendet. Im Zweifel mit drastischen Maßnahmen. Oft bleibt traurigerweise nur, dass das Opfer die Klasse oder gar die Schule verlässt, weil das Kind zum Beispiel einen bestimmten Ruf nicht mehr los wird.

Was ist, wenn das Mobbing auf dem Handy weitergeht?

Cyber-Mobbing gibt dem Ganzen eine neue Qualität. Es macht es Kindern viel einfacher, sich dem "Mob" gegen einen Mitschüler anzuschließen, auch wenn es das in der analogen Welt nie täte. Als Eltern müssen wir wissen, wo sich unsere Kinder digital rumtreiben und wir müssen auch mit Online-Angeboten und Social-Media-Kanälen eine gewisse Geläufigkeit bekommen. Nicht hinzuschauen, weil ich Angst davor habe, ist keine Lösung.

Lesen Sie mit SZ Plus eine Reportage über Mobbing an Münchner Schulen:
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Mobbing gibt es an jeder Art von Schule. Die Betroffenen trauen sich meist nicht, davon zu erzählen. Wie Kinder lernen, mit Spott und Pöbeleien - im Internet und im echten Leben - umzugehen.   Von Lisa Böttinger