Krieg in der Ukraine:Messe München verkauft russische "Bauma"

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Das Unternehmen beendet wegen des Angriffs auf die Ukraine sein Russland-Geschäft. Die Baumaschinen-Schau in Moskau läuft zwar weiter, allerdings unter anderem Namen und anderer Regie.

Von Bernd Kastner

Auch in diesem Jahr wird in Moskau wieder eine Baumaschinenmesse stattfinden, allerdings nicht mehr unter Regie der Messe München und dem Titel "Bauma". Die Messe München zieht sich wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine aus ihrem Russland-Geschäft zurück. Deshalb werde die bisherige russische Bauma nicht mehr von der russischen Tochter der Messe München veranstaltet, sagte eine Messe-Sprecherin. Zugleich stelle die russische Tochterfirma, an der die Messe München 95 Prozent der Anteile hält, ihre Geschäftstätigkeit ein.

Die Aktivität der Messe in Russland rückte im März nach dem Video-Statement des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko im Stadtrat in den Fokus. Klitschko rief Deutschland auf, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland zu beenden. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) stellte München als vorbildlich dar: "Wir haben in München keinerlei wirtschaftliche Beziehungen mit Russland." Daraufhin warf ÖDP-Stadträtin Nicola Holtmann dem OB vor, nicht die Wahrheit zu sagen - was Reiter verärgert zurückwies.

Über die Stadtwerke (SWM) und die Messe, die der Stadt zu knapp 50 Prozent gehört, hatte und hat München wirtschaftliche Beziehungen nach Russland. Kohle und Gas beziehen die SWM über Zwischenhändler vorerst weiterhin aus Russland. "Wie ehrlich ist Oberbürgermeister Reiter?", lautet der Titel einer Stadtratsanfrage der ÖDP. Reiter stellt in seiner Antwort klar, wie sein kategorisch formulierter Satz zu verstehen sei: Die Stadt selbst habe keine Wirtschaftsbeziehungen nach Russland. Zudem setze er sich dafür ein, dass städtische Unternehmen ihre Kontakte möglichst sofort einstellen. In seiner Replik auf Klitschko habe er "versucht, dies sinngemäß so darzustellen", schreibt Reiter.

Die Münchner Tochter hatte in Moskau die Bauma für Ende Mai geplant. Da soll die Ausstellung auch tatsächlich stattfinden, so Messe-Sprecherin Carola Hesse, allerdings unter dem Namen CTT Expo. Die Messe München habe die Bauma an eine russische Firma verkauft, die der bisherige russische Geschäftsführer der Münchner Tochter gegründet habe. Ganz beendet sei die Tätigkeit der Münchner Firma noch nicht, so Hesse, aber der Prozess des Herunterfahrens sei am Laufen. Die Gesellschafter der Messe haben laut OB Reiter den Ausstieg aus dem Russlandgeschäft Mitte März beschlossen.

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