Event an der Isar Stadtviertelpolitiker verweigern Geld für das Isar-Schwimmevent

Mit dem "Isarschwimmen" soll für ein öffentliches Flussbad geworben werden.

(Foto: Robert Haas)
  • Der Verein Isarlust will am 9. Juli zum Europäischen Flussbadetag eine Schwimmstrecke zwischen der Braunauer Eisenbahnbrücke und der Reichenbachbrücke einrichten.
  • Geschwommen wurde dort auch schon im vergangenen Jahr, mit finanzieller Unterstützung des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt.
  • In diesem Jahr allerdings wollen die Politiker kein Geld mehr für das Event geben - denn der Fluss soll nach ihrer Auffassung nicht kommerzialisiert werden.
Von Birgit Lotze

In Zürich, Kopenhagen und Paris kann man bereits in Flussbädern schwimmen, auch in München gibt es Freunde eines solchen innerstädtischen Projektes. So setzt sich der Verein Isarlust seit Jahren für ein Flussbad in der Isarvorstadt ein - um die Idee bekannt zu machen, veranstaltete der Verein bereits im Sommer des vergangenen Jahres ein "Isarschwimmen".

Nun soll aus Anlass des Europäischen Flussbadetages am Sonntag, 9. Juli, diese Aktion wiederholt werden. Angekündigt ist ein "temporäres Isarflussbad"; das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) arbeitet bereits an einer Sondergenehmigung. Doch einer der maßgeblichen finanziellen Unterstützer des Isarschwimmens, der Bezirksausschuss (BA) Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, will das Schwimmereignis nicht mehr fördern.

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Der BA verweigerte dem Verein Isarlust die für die Schwimm-Aktion beantragten 1000 Euro Zuschuss und ließ durchblicken, dass er auch ein dauerhaftes Flussbad-Projekt, das damit beworben werden soll, im Ernstfall sehr kritisch unter die Lupe nehmen wird. "Wir wollen keine dauerhafte und keine kommerzielle Nutzung der Isar", begründet der BA-Vorsitzende Alexander Miklosy (Rosa Liste) die Ablehnung der Tagesaktion. Im vergangenen Jahr habe man das Isarschwimmen noch als eine einmalige Sache gesehen, weshalb die Zuschüsse geflossen seien.

Der Isarlust-Vorsitzende Benjamin David wurde von der Nachricht, dass es seitens des BA diesmal keine Unterstützung mehr geben wird, im Urlaub überrascht. Er kenne die Hintergründe nicht und will sich nach seiner Rückkehr mit dem Bezirksausschuss zusammensetzen: "Ich bin neugierig, was da los ist."

Das Schwimmereignis wird aber vermutlich auch ohne diese finanzielle Spritze stattfinden können. Im RGU spricht man von "eher optimistischen Aussichten", die Prüfung sei noch nicht abgeschlossen, erklärt Sprecher Alois Maderspacher. Sollten die Auflagen erfüllt sein, wonach es aussieht, werde die Sondergenehmigung erteilt. Freizeitaktivitäten gelten in einem Wildfluss wie der Isar wegen des Treibgutes, der Schleusen und Wehre als gefährlich. Deshalb ist Schwimmen, Bootfahren und Surfen im Bereich der innerstädtischen Isar zwischen Cornelius- und Max-Joseph-Brücke verboten, nördlich und südlich davon in Abschnitten.

Das Flussbad soll an anderer Stelle kommen

Der Verein Isarlust will am 9. Juli wie im vergangenen Jahr die Schwimmstrecke zwischen der Braunauer Eisenbahnbrücke und der Reichenbachbrücke einrichten. Die Einstiegsstelle ist 50 Meter nördlich der Eisenbahnbrücke geplant, die Ausstiegsstelle rund hundert Meter südlich der Reichenbachbrücke. Sollten Wasserstand oder Wetter die Aktion verhindern, soll sie an einem der folgenden Sonntage nachgeholt werden.

Die Gedankenspielereien der Isarlust-Mitglieder über einen Platz für ein dauerhaftes Flussbad konzentrieren sich derzeit auf den Abschnitt zwischen Ludwigs- und Corneliusbrücke - auf den Bereich zwischen den Patentämtern und dem Deutschen Museum. Dort seien die Ufer derzeit nicht allgemein zugänglich, sagt Benjamin David, Anwohner könnten dort nicht gestört werden. Und der Bund Naturschutz könnte, wenn überhaupt, ein Flussbad nur in diesem Abschnitt unterstützen, da die ökologische Korridorfunktion durch den Wehrsteg und das Praterkraftwerk etwas flussabwärts bereits unterbrochen sei.

Eigene Gestaltungsentwürfe hat die Isarlust noch nicht vorgelegt. Große Umbauten, wie teils bei den Entwürfen der Architektur-Studenten, die im vergangenen Jahr öffentlich präsentiert wurden, habe der Verein Isarlust nicht im Sinn, sagt David: "Wir denken über ganz simple Lösungen nach, über Flöße, über Treppen, die ins Wasser führen."

Architekurstudenten haben Bäder entworfen

Der Stadtrat hat mit großer Mehrheit im Juli vergangenen Jahres eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die klären soll, ob ein Flussbad überhaupt möglich ist, wie es gestaltet werden könnte und wer es betreiben soll. Im RGU heißt es, dass mit Ergebnissen in diesem Jahr vermutlich nicht mehr gerechnet werden kann. Als Befürworter gilt der Zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU).

Doch auch andere beschäftigen sich bereits mit dem Thema. So wurden die TU-Architekturstudenten im vergangenen Jahr von den Professoren Silke Langenberg und Andreas Meck an die Isar geschickt. Und Rudolf Wienands, ausgewiesener Experte für Bäder-Architektur und emeritierter Architekturprofessor der TU München, hatte im vergangenen Sommer vorgeschlagen, das Flussbad zwischen Cornelius- und Reichenbachbrücke zu bauen. Dort, wo sich ein Überlauf zwischen Großer und Kleiner Isar befindet, könnte seiner Ansicht nach auf der Kiesinsel ein Bad in Form von zwei Längshälften entstehen: ein auf der Überlaufwehrmauer fester Teil mit Sitz- und Liegeterrassen und ein verankertes Schwimmfloß.

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