Leben in der Stadt Geduldsprobe im Berufsverkehr

Pfingstreisewelle in Bayern

In keiner deutschen Großstadt stehen die Autofahrer so lang im Stau wie in München.

(Foto: dpa)

München ist die Hauptstadt des Stillstands im Auto. In keiner deutschen Großstadt stehen die Menschen so lange im Stau. Der US-amerikanische Verkehrsdatenanbieter Inrix berichtet, ein durchschnittlicher Münchner Autofahrer verbringe 49 Stunden im Jahr mit Warten, dass es weitergeht. Und wenn Stau ist, dann auch richtig: Nirgendwo kriechen die Autos langsamer als in München. Dazu passt, dass die Dichte an Autos in München sehr hoch ist: 491 Autos kommen auf 1000 Einwohner. Nur in Düsseldorf sind es noch mehr, nämlich 492. Zum Stichtag 31. Dezember 2016 waren in München 709 555 Pkw zugelassen, fast 50 000 mehr als vor fünf Jahren. Die Zahl entspricht ungefähr dem Bevölkerungswachstum.

Wenn Wohnen ein Vermögen kostet

30 Quadratmeter, Einbauküche, nahe an der Uni: 634 Euro Warmmiete. Diesen Wert hat das Institut der Deutschen Wirtschaft im Frühjahr publiziert. Der Preis für eine solche typische Studentenbude ist in den vergangenen sechs Jahren um 30 Prozent gestiegen. Damit verteidigt München wieder einmal einen Spitzenplatz als die teuerste deutsche Stadt zum Wohnen. Man könnte auch die Durchschnittsmiete nach dem aktuellen Mietspiegel anführen: 11,23 Euro pro Quadratmeter (kalt), das sind 4,7 Prozent mehr als 2015. Oder den vom Maklerverband IVD ermittelten Kaufpreis für ein bestehendes Einfamilienhaus mit mittlerem Wohnwert: 840 000 Euro. Auf Platz zwei liegt Stuttgart mit 595 000 Euro.

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Im Netz wird gerade ein Artikel gefeiert, in dem ein Münchner wütend über seine öde Stadt klagt. Die sei zu teuer, zu spießig, zu leblos. Damit hat er Recht. Und irrt sich trotzdem. Eine Widerrede.

Wie man es dreht und wendet: München muss man sich leisten können. Wie der Zuzug zeigt, können das viele. Aber viele können es eben auch nicht mehr, vor allem nicht in einer halbwegs zentralen Lage. Die Kosten fürs Wohnen sind nicht nur ein Dauerthema in Kantinen, Bars und am Esstisch zu Hause. Sie befördern auch die soziale Segregation und machen die Stadt damit langweiliger.

Zu viele Schadstoffe in der Luft

Die Luft in München ist schlecht. In einem "Städteranking zur nachhaltigen Mobilität", das Greenpeace veröffentlicht hat, schneidet München mit dem zweithöchsten Wert bei der Belastung mit Stickstoffdioxid (NO₂) ab, noch schlechter ist nur Stuttgart. Der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel wird in München regelmäßig weit überschritten, zuletzt wurden 46 Mikrogramm registriert. Den Spitzenwert in München hat das Umweltbundesamt im Jahr 2015 an der Landshuter Allee mit einem Jahresmittel von 84 Mikrogramm gemessen, der zweithöchste Wert von 500 Messstationen im Bundesgebiet. Am Stachus waren es 64 Mikrogramm.

NO₂ ist der giftigste Stoff in Autoabgasen. Er ist schädlich für die Atemwege und kann Herz-und Kreislaufprobleme verursachen. Für unbedenklich hält die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Wert von 20 Mikrogramm. Weil die Luft in München so belastet ist, müssten Stadt und Freistaat noch in diesem Jahr ein Konzept für Diesel-Fahrverbote ausarbeiten. Doch ob solche Fahrverbote überhaupt rechtens sind, entscheidet sich in einem Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht.