Landtag Bürgermeister nimmt Abschied vom Münchner Rathaus

Joseph Schmid will bald in ein neues Büro umziehen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Als OB-Kandidat ist Josef Schmid gescheitert, doch die CSU in München hat er zur modernen Großstadtpartei geformt - nun will er im Landtag Politik machen.

Von Heiner Effern

Wenn für Josef Schmid alles nach Plan läuft, wird er sich umstellen müssen. Wenn Schmid bisher aufzählte, als was er die Münchner CSU vertritt, dann kamen zuerst der Bürgermeister, der Wirtschaftsreferent, ganz schnell aber sein Lieblingssatz: "Ich bin die kommunalpolitische Spitze der CSU." Nach diesem Wahlsonntag könnte er aber in eine andere politische Welt eintauchen: Josef Schmid, 49, Abgeordneter des bayerischen Landtags, so könnte er sich bald vorstellen, wenn er sich im Stimmkreis Pasing, der traditionell viele CSU-Wähler aufweist, durchsetzt.

Vor ziemlich genau einem Jahr hat Schmid sich für die Landtagskandidatur entschieden. "Mit 48 kannst du auch woanders noch mal durchstarten", das habe er sich damals gedacht, sagt er. Offiziell nannte er als Gründe den Ruf seiner Parteifreunde, die schwierige Lage der CSU nach der Bundestagswahl. Aber nach mehr als 16 Jahren im Stadtrat, zwei vergeblichen OB-Kandidaturen und dem Umbau eines zerstrittenen und intriganten Haufens namens Münchner CSU zu einer ernst zu nehmenden Großstadtpartei hatte Schmid in der Stadt alles erreicht, was drin war. Eine dritte OB-Kandidatur, noch dazu gegen den regierenden Dieter Reiter (SPD), hätte kaum Chancen auf Erfolg gehabt. Dann lieber der Neustart, auch wenn er nicht davon ausgehen kann, sofort zur landespolitischen Spitze seiner Partei zu gehören. Der Blick zurück ist trotz mancher bitterer Momente ein selbstbewusster: "Ich habe mein Haus bestens bestellt."

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Dabei startete der Diplom-Kaufmann und Rechtsanwalt Josef Schmid seine Karriere im Stadtrat 2002 in schwierigen Zeiten. Rot-Grün als Regierungsbündnis erwies sich seit Jahren als Erfolgsmodell, die eigene Partei beschäftigen Affären. "2004 hatten wir das tiefste Tal erreicht", sagt Schmid. Dann übernahm Otmar Bernhard das Amt des Münchner CSU-Chefs, später Ludwig Spaenle. Und im Rathaus ackerte Schmid. Er stellte sich der Herausforderung, im Jahr 2008 gegen OB Christian Ude anzutreten. Dass er nicht gewinnen würde, wusste Schmid. Dass er so niedergebügelt wurde, das war "niederschlagend", wie er heute sagt. Keine 25 Prozent holte er gegen Ude. Er habe sich damals gefragt, ob er weitermachen wolle, sagt Schmid. Er blieb.

2007 übernahm er das Amt des Fraktionschefs. Liberaler, moderner sollte seine Partei werden. "Großstadtpolitik ist für mich pragmatische Politik. Es gibt Probleme, die muss man lösen." Als Beispiel für das neue Denken nennt er die Öffnung seiner Partei für eine umfangreiche Kinderbetreuung, um Müttern eine berufliche Karriere zu ermöglichen. Die liberale Haltung in der Moscheefrage ebenso. Und natürlich die Teilnahme am Christopher Street Day, sinnbildlich für den neuen Umgang mit anderen als den gewohnten Lebensentwürfen. Diese modernere Ausrichtung der Politik erkennt auch der Gegner an. "Gleichwertige Nachfolger für Seppi Schmid mit ähnlich liberal-konservativem Profil sind nicht in Sicht", sagte die frühere Grünen-Fraktionschefin Gülseren Demirel, als Schmid seinen Wechsel ankündigte.

"Ich bin ein Gewinner"

Davor war er 2014 zum zweiten Mal als OB-Kandidat ins Rennen gegangen. Der ewige, unschlagbare Ude durfte aus Altersgründen nicht mehr antreten, Schmid rechnete sich gegen den neuen SPD-Kandidaten Reiter Chancen aus. Er gewann nicht, holte aber in der Stichwahl respektable 43,3 Prozent. Eingebrannt in sein Gedächtnis hat sich aber eine andere Zahl: 32,5. Die holte seine CSU bei der Stadtratswahl und schlug damit die SPD.

Die beiden großen Parteien schlossen ein Bündnis, Schmid wurde Bürgermeister. Vier Jahre als zweiter Mann unter Reiter reichen ihm nun, er will im Landtag Akzente setzen. Er wäre dort ein Neuling, der sich hinten anstellen muss. Bei dem schlechten Ergebnis für seine Partei könnte seine Fraktion ein sehr selbstbewusstes, neues Mitglied wie Schmid gut gebrauchen. Er sei nicht nur ein harter Arbeiter, sagt Schmid von sich, er habe die CSU zur stärksten Fraktion im Rathaus gemacht. "Ich bin ein Gewinner." Ob das auch an diesem Abend zutrifft, wird sich zeigen.

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