bedeckt München 14°

Windkraft:So sehen die Rotoren im Hofoldinger Forst aus

Aying Windkraft

Die Windkraftanlagen wäre vom Moosweg in Aying aus am Horizont zu sehen.

(Foto: privat)

Beim Online-Bürgerdialog zu den geplanten Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst schließt Ayings Bürgermeister Wagner nicht aus, dass es später weitere geben könnte. Diskussionen gibt es um die realitätsnahen Ansichten der Rotoren in der Landschaft.

Von Angela Boschert, Aying

Bleibt es bei drei Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst? Das ist nach Äußerungen von Ayings Bürgermeister Peter Wagner (CSU) beim Bürgerdialog am Donnerstag durchaus offen. Auf die Frage, warum jede der beteiligten Gemeinden nur ein Windrad errichten wolle, sagte er: "Jetzt bauen wir erst mal eines und dann schauen wir weiter, ob mehr WKAs Sinn machen." Etwa 80 Bürger verfolgten online die Präsentation zum Projektstand und die Beantwortung der vorab oder über den Chat gestellten Fragen. Aufsehen erregten Foto-Montagen, welche die geplanten Anlagen in der Landschaft zeigen.

Wie beim Online-Bürgerdialog in Otterfing am 14. April waren die Bürgermeister der drei Arge-Gemeinden Aying, Otterfing und Sauerlach gemeinsam vor der Kamera. Zu Wort kamen Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner (Unabhängige Bürgervereinigung) und Otterfings Bürgermeister Peter Falkenhahn (SPD) aber nur bei der Frage, ob der Strom, den die jeweils auf ihrer Flur geplante Windkraftanlage erzeugt, für ihre Gemeinde reichen würde.

Als Sören Schöbel-Rutschmann von der TU München zeigte, ob und wie die Windräder von verschiedenen Standpunkten aus erkennbar sein würden, wurde es kontrovers. Ihm blies Wind entgegen. So baten Bürger, die Bilder bei Föhnwetter zu machen, wenn die Berge sichtbar seien, oder sich bewegende Rotoren zu zeigen. Auch der weiß strahlende Himmel störte. Der Spezialist für Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume betonte, die Visualisierungen seien ein Angebot, realitätsnah zu zeigen, was man von den Windrädern optisch mitbekommen würde. Die Fotos hätten im Winter aufgenommen werden müssen, sagte er. Bei Sommerfotos hätte es bestimmt geheißen, man würde Sonnenbilder nur machen, um die Ansicht zu verschönern. Wer aber bessere Fotos habe, sagte er, der möge sie ihm einsenden.

Schöbel-Rutschmann wie auch später Projektingenieur Robert Sing war anzumerken, wie sehr es an den Nerven zerrt, sich gegen aus ihrer Sicht klar übertreibende Darstellungen wehren zu müssen, etwa gegen die Behauptung, das Fundament eines Windrades werde wesentlich tiefer in die Erde gehen als vier Meter. Sing verbürgte sich dafür, dass vier Meter bei einem verwendeten Ringfundament bei einer Nabenhöhe von etwa 165 Metern und einer Gesamthöhe von 250 Metern reichten.

Sieben Millionen Euro kostet ein Windrad

Im Chat wurde Kritik laut, dass ablehnende Stimmen bei der Veranstaltung kaum zum Zuge kämen. Moderatorin Lisa Huber von der Energieagentur Ebersberg-München verlas kritische Anmerkungen, ein Zuschauer kommentierte trotzdem: "Viel unsachlicher als in anderen Gemeinden." Aber die überwiegende Zahl der Fragen war tatsächlich sachlich und auf Aufklärung abzielend. Viele sorgten sich etwa um die Bürgerbeteiligung. Man werde umfangreich informieren, dann entscheide der Gemeinderat, führte Wagner aus. Wie sich die Bürger finanziell beteiligen könnten, stehe fest, wenn über die Gesellschaftsform für die Betreiber der Anlagen entschieden sei. Auf die Frage, welcher Investor absahnen werde, antwortet Wagner wie aus der Pistole geschossen: "Die Bürger und Bürgerinnen. Es war immer Ziel der Arge, dass die Wertschöpfung vor Ort geschieht." Eine Anlage koste etwa sieben Millionen Euro, die 2,5 Millionen Eigenkapital sollten durch Gemeinde und Bürgerbeteiligung aufgebracht werden.

Wagner versicherte, in die Wirtschaftlichkeitsrechnung, die positiv sei und die Sing zusammen mit den Naturschutzgutachten vorstellte, seien Kosten für den Rückbau eingepreist. Nach 20 Jahren Laufzeit müsse man entscheiden, ob das Windrad länger laufen könne. Die Frage, ob Bienen vom Infraschall oder Rehe vom Lärm der Rotoren gestört würden, verneinte Karl Einwanger vom Forstrevier Brunnthal ebenso wie Jäger Sing. Einwanger hatte eingangs emotional dargestellt, wie der Wald umgebaut werde, um dem Klimawandel zu widerstehen und seine Funktionen zu erfüllen, also Wasser-, Klima- und Lärmschutz sowie Erholung und Verdienst zu bieten, die Luft zu reinigen und zu kühlen sowie Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu sein.

Nach der Bürgerinformation am 27. April für Sauerlach werden die drei Arge-Gemeinden jede für sich im Gemeinderat entscheiden, ob sie das Projekt fortführen. Dann stünde eine Änderung der Landschaftsschutzgebiets-Verordnung an, Zweitgutachten würden ausgewertet und eine Gesellschaftsform für die Bürgerbeteiligung würde gewählt. Eine Genehmigung, im Hofoldinger Forst Windkraftanlagen zu errichten, hält Projektplaner Sing im Jahr 2022 für möglich.

© SZ vom 24.04.2021/belo
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema