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Kommunalwahl in Unterschleißheim:CSU-Stadtrat wirbt für SPD-Bürgermeister

Grüne entscheiden über Kandidatur zur Oberbürgermeisterwahl

In Unterschleißheim ist eine deutliche Empfehlungen für die Bürgermeisterwahl gegeben worden.

(Foto: dpa)

"Gradlinig und zuverlässig": Per Zeitungsannonce empfiehlt der frühere Unterschleißheimer CSU-Ortsvorsitzende Theo Pregler die Wahl des Sozialdemokraten Christoph Böck. Über eine Attacke, die beispiellos sein dürfte.

"Geradlinig und zuverlässig" sei er, ein "anerkannter Verhandlungsführer", der zu seinem Wort stehe. So wirbt der Unterschleißheimer CSU-Stadtrat Theo Pregler in einer Anzeige für seinen Favoriten bei der Bürgermeisterwahl. Gemeint ist aber nicht etwa CSU-Kandidat Stefan Krimmer, sondern SPD-Amtsinhaber Christoph Böck. Die Wahlwerbung, diese Woche veröffentlicht im Lohhofer Anzeigenblatt, sorgt für Diskussionen in der Stadt.

Die Anzeige konterkariert das Bild, das Spitzenkandidat Krimmer und die CSU am Dienstagabend bemüht waren zu liefern: Beim Heimatabend im Bürgersaal demonstrierten der CSU-Ortsvorsitzende und Bürgermeisterkandidat und sein Ortsverband nach außen Geschlossenheit und tiefe Verbundenheit mit den örtlichen Vereinen. Zu der Großveranstaltung war sogar Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder gekommen, um dem Unterschleißheimer Bürgermeisterkandidaten in seinem Wahlkampf unter die Arme zu greifen.

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Dass die Anzeige des CSU-Stadtrats pro SPD und Böck termingenau in dem Anzeigenblatt erschien und noch dazu genau unter einem Foto, das CSU-Kandidat Krimmer beim Händeschütteln mit Söder zeigt, dürfte die Partei als zusätzlich perfide empfinden. Pregler sitzt seit 25 Jahren für die CSU im Stadtrat und war viele Jahre Ortsvorsitzender der Partei, davor der Jungen Union. Zur Wahl am 15. März kandidiert er nicht mehr. Zu seinem Abschied als Stadtrat hatte der 56-Jährige bereits kurz vor Weihnachten pointierte Einlassungen und Spitzen gegen die Politik von CSU-Kandidat Krimmer losgelassen.

Mit der jetzigen Anzeige, die ein gezielter massiver Affront ist, kündigt er die Geschlossenheit innerhalb des CSU-Ortsverbands vollends auf. Es sei "sicher unüblich", kommentiert Pregler die beispiellose Attacke, aber er habe "das öffentliche Ausdrücken" seiner eigenen Überzeugung angemessen gefunden. Anfangs habe er den Ortsvorsitzenden noch absolut mitgetragen, sagt Pregler. Erst in den vergangenen zwei, drei Jahren habe sich das geändert. "Er hat sich verändert in der Zeit", findet Pregler und verweist auf die Nominierung Krimmers als Bürgermeisterkandidat, die bei einer Gegenstimme erfolgte.

Unterschleißheim - CSU Theo Pregler unterstützt SPD-Bürgermeisterkandidat Christoph Böck Foto: oh

Zu seiner fraktionsinternen Opposition motiviert hätten ihn "paar Situationen, in denen die Sachargumentation in den Hintergrund trat und die Entscheidung eher danach ausgerichtet wurde, was mehr Wählerstimmen bringen könnte". Bei Krimmer habe sich "die inhaltliche Positionierung deutlich mehr an populistischem Verhalten orientiert", kritisiert Pregler. "So macht man keine Politik." Man könne "nicht immer dem Recht geben, mit dem man als letztes geredet hat". Auch das "einseitige Vorpreschen" von Krimmers CSU in Sachen BMW-Pläne, mit denen die anderen Parteien im Stadtrat ebenso wie Nachbar Oberschleißheim düpiert worden seien, habe er als untragbar empfunden. "So behandelt man seine Partner nicht."

Obwohl sein Verhalten den Anfangsverdacht für ein Parteiausschlussverfahren erfüllen könnte, ist die Unterschleißheimer CSU beflissen bemüht, den Dissens nicht hochkochen zu lassen. Der düpierte Ortsvorsitzende und Bürgermeisterkandidat Krimmer will sich zu dem Thema nicht äußern - was angesichts seiner sonstigen öffentlichen Präsenz und Gesprächsbereitschaft ziemlich einmalig ist. CSU-Fraktionssprecher Friedrich Kiener wiederum lässt sich nur mit dem Hinweis zitieren, dass jedem eine eigene Meinung zustehe.

Aber auch die SPD verkneift sich allzu offensichtliches Triumphgeschrei. "Herr Pregler ist ein immer von allen sehr geschätzter Stadtratskollege, gerade für sein logisches Bewertungsvermögen und seine stets fundierten Beiträge", sagt Bürgermeister Böck auf Anfrage. "Er hat wie jeder andere selbstverständlich das Recht, eine Empfehlung für die Bürgermeisterwahl zu geben."

© SZ vom 08.02.2020
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