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Trauerfeier für Bernd Eichinger:"Adieu, mein Freund"

Abschied von einem "wilden Hund": Mit einer bewegenden Trauerfeier erweist die Filmwelt Bernd Eichinger in München die letzte Ehre und würdigt sein Schaffen.

Tobias Dorfer und Christian Mayer

Er hat die linke Hand an seinem Herzen. Er lächelt, übergroß, in Schwarzweiß. Neben dem Altar ist eine Fotografie aufgebaut. Sie zeigt Bernd Eichinger im Smoking. Daneben Blumenkränze. In Weiß. In Gelb. Direkt vor dem Altar steht seine violette Urne, auf der eine goldene Rose angebracht ist.

A portrait of late German film producer Bernd Eichinger is pictured in St. Michael church before his funeral in Munich

Trauerfeier für  Bernd Eichinger: Mehr als 800 Trauergäste kommen in die Münchner Jesuitenkriche St. Michael, um von Bernd Eichinger Abschied zu nehmen. Vorne am Altar steht ein großes Porträt des Produzenten.

(Foto: REUTERS)

Vor zwei Wochen ist der Filmemacher in Los Angeles an einem Herzinfarkt gestorben. Im Alter von 61 Jahren. Zwei Wochen später sind mehr als 800 Trauergäste nach München gekommen, um ihrem Freund und Kollegen die letzte Ehre zu erweisen. Seite an Seite sitzen die bekanntesten Film- und Fernsehgesichter der Republik in den mit weißen Blumen verzierten Kirchenbänken: Iris Berben, Thomas Gottschalk, Hannelore Elsner, Sönke Wortmann, Joachim Fuchsberger, Katja Flint und viele mehr. Ihre Gesichter wirken versteinert, viele Blicke scheinen ins Leere zu gehen.

Sogar die Publizistin Alice Schwarzer ist erschienen, die - wie sie vor dem Gottesdienst erzählt - einen "lockeren freundschaftlichen Kontakt" zu Eichinger hatte. Ein Geheimnis, das beide bislang gut gehütet hatten.

Die Kirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt, ganz hinten im Kirchenschiff stehen noch Menschen und wer keinen Platz mehr in dem Gotteshaus bekommt, der kann sich die Messe im Fernsehen anschauen. Der Privatsender Sat.1 überträgt live. Vor der Kirche ist eine große Leinwand aufgebaut. Immer mehr Menschen bleiben stehen, folgen dem Gottesdienst im Inneren.

Viele Trauergäste verbergen ihr Gesicht hinter dunklen Sonnenbrillen. Noch immer sind viele geschockt von dem plötzlichen Tod des Produzenten. "Wir vermissen dich", sagt auch Jesuitenpater und Kirchenrektor Karl Kern in seiner Ansprache. In seiner Trauerrede benutzt Kern das Bild vom Samenkorn. Auch wenn dieses kaputtgeht, lebt es, weil es aufbricht. "Bernd hatte etwas von dieser Energie", sagt Kern. Eichingers Leben, eine "Weizenkornexistenz".

Vorne in der ersten Reihe sitzen Eichingers Witwe Katja und seine Tochter Nina, die mit den Tränen kämpft, als Münchens Oberbürgermeister Christian Ude erzählt, wie stolz Eichinger auf sie war. Ude erinnert an die Verdienste des Produzenten für den Filmstandort München, die Liebe zum Stadtteil Schwabing, wo seine Firma Constantin Film noch heute beheimatet ist - aber auch an einen "Entertainer großer Tischrunden" und dessen "Vitalität, Tatendrang, Lebensfreude".

Fünf Trauerreden sind vorgesehen, es sind sehr persönliche Ansprachen. "Musste das sein?", fragt der Filmproduzent Günter Rohrbach. "Das ist nicht fair. Ich bin 20 Jahre älter als du, das hättest du respektieren müssen", sagt er und erzählt, wie er noch kürzlich mit seinem Produzentenkollegen zusammensaß und von Plänen redete. Eichinger plante einen Film über das Leben der als Kind entführten Natascha Kampusch. Und ein "Opus Magnum", ein geheimes Projekt. "Adieu, mein Freund", sagt Rohrbach am Schluss.

Ein Kuss zum Abschied

Auch den Regisseur Uli Edel verbindet eine Menge mit dem Produzenten Eichinger. Vor 41 Jahren hätten sie sich an der Filmhochschule kennengelernt, erzählt Edel. Der "extrovertierte bayerische Kraftkerl" Eichinger und er, der introvertierte Edel. Damals habe er "Bernie" nicht gemocht, doch sie fanden zueinander. Erst drehten sie "alle Studentenfilme" zusammen. Später die Erfolge Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo und Baader Meinhof Komplex. "Du wolltest immer Filme zum Ereignis machen und bis dabei selbst zum Ereignis geworden", sagt Edel.

Immer wieder unterbricht Musik die Ansprachen. Die berühmte Arie "Casta Diva" aus der Oper Norma von Vincenco Bellini etwa. Eichinger, ein Freund klassischer Musik, besuchte nicht nur regelmäßig die Salzburger Festspiele. Vor knapp sechs Jahren inszenierte er als Regisseur an der Berliner Staatsbühne Unter den Linden auch Richard Wagners Parsifal. Bewegend auch die Altarie "Erbarme dich mein Gott" aus Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion, eine Totenklage, umrahmt von einer einzelnen Violine. Die Leidenschaft Eichingers für die Berge wird mit Hubert von Goiserns fröhlichem Lied "Da Juchizer" gewürdigt, vorgetragen von der Sängerin Sabine Kapfinger.

Besonders schwer fällt es Tom Tykwer, seine Trauer in Worte zu fassen. Der Regisseur, der für Eichinger Patrick Süskinds Bucherfolg Das Parfum in Szene setzte, kämpft mit der Stimme. Wie ein falscher Schnitt im Film sei der Tod des Produzenten gewesen, verursacht durch einen tückischen Filmvorführer, der die beiden letzten Filmrollen weglässt und gleich den Abspann zeigt, sagt Tykwer. Er spricht vom "wilden Hund", der Bernd Eichinger gewesen sei. Von einem Mann, der "jedem Moment ein Maximum an Genuss und Sinnlichkeit abgerungen" hätte. Tykwer erinnert aber auch an die vielen Freundschaften, die der Produzent gepflegt hat. "Freundschaft war ein einzigartiges Geschenk, das er vielen gemacht hat", sagt Tykwer. Am Schluss spricht noch die Schauspielerin Martina Gedeck.

Ein Musikstück an diesem Vormittag wird nicht live vorgetragen: das Schlusslied "Let it be" kommt vom Band. Während Paul Mc Cartneys Stimme durch die Michaelskirche dringt, nehmen Katja und Nina Eichinger die Urne in die Hand. Sie wirken gefasst. Nach einem kurzen Moment des Innehaltens verlassen sie das Gotteshaus.

Bernd Eichingers Mutter Ingeborg verabschiedet sich auf ihre Weise von ihrem Sohn. Nach dem Gottesdienst geht sie zu der großen Fotografie ihres Sohnes. Sie küsst ihn aufs Gesicht.

© sueddeutsche.de/bica/bön
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