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Tiermedizin:Wie die LMU Platz für 1500 Studenten und 1200 Schweine schafft

Patienten der Schweineklinik in Oberschleißheim.

(Foto: Catherina Hess)
  • Fast die komplette tiermedizinische Fakultät der LMU soll auf einem 15 Hektar großen Areal in Oberschleißheim angesiedelt werden - inklusive Lehr- und Versuchsgut.
  • Mit rund 1500 Studenten, 300 Doktoranden und 450 Mitarbeitern ist es die größte Ausbildungsstätte für Veterinäre.
  • Oberschleißheims Bürgermeister sieht den Umzug als große Chance für den Ort, denn es kommen nicht nur Studenten und Professoren, sondern auch Biotech-Firmen.

Von Gudrun Passarge, Oberschleißheim

Das Schwein grunzt. Mit seiner rosigen Hautfarbe und den lustigen Rundungen erinnert es an Miss Piggy von der Muppet Show, wenn auch die Perlenkette fehlt. Es läuft über den Gang, die Ohren wippen im Takt. "Immer jammern", kommentiert ein vorbeilaufender Mann, der offensichtlich die querulatorische Persönlichkeit dieses Schweins schon kennt.

Die Szene spielt sich in der Klinik für Schweine der Ludwig-Maximilians-Universität in Oberschleißheim ab. Der alte und der neue Dekan der Fakultät für Tiermedizin, Joachim Braun und Reinhard Straubinger, haben sich Zeit genommen, um über den Campus zu führen. In einigen Jahren werden die Schweine viel Gesellschaft haben, denn geplant ist, nahezu die komplette Fakultät auf dem 15 Hektar großen Areal anzusiedeln.

Ein Aufbruch in eine neue Zeit, dringend nötig, wie Alt-Dekan Braun sagt: "Es ist ganz entscheidend für unsere Zukunft, denn am Standort an der Veterinärstraße in München könnten wir mittelfristig schon nicht überleben. Er ist zu klein und zu alt." Doch wenn es auch Platzgründe sind, die den Ausschlag für den neuen Campus in Oberschleißheim gaben, sieht Brauns Nachfolger Straubinger am neuen Standort noch andere, besondere Vorteile: "Es wird einzigartig in Europa. Es ist zum ersten Mal seit Jahrzehnten, dass alles an einem Campus an Ausbildung geboten werden kann."

Die größte tiermedizinische Fakultät in Deutschland mit circa 1500 Studenten, 300 Doktoranden und 450 Mitarbeitern bekomme ja nicht nur den neuen Campus. "Da kommt noch das Lehr- und Versuchsgut dazu", sagt Straubinger. In diesem zur Tiermedizin gehörenden Gut, das hinter dem neuen Campus liegt, werden circa 1000 Schweine und 120 Kühe gehalten. Dort können Studenten lernen, wie Herdenbetreuung funktioniert und wie ein gesunder Bestand ausschaut. "Das ist ein schönes Ensemble hier", sagt Straubinger, der am 1. April Brauns Posten übernommen hat.

Hinzu komme noch das ebenfalls am Rand des Oberschleißheimer Campus ansässige Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. "Wir machen gemeinsam wissenschaftliche Projekte, das wird sicherlich noch intensiver." Immerhin sind es Tierärzte, die im Bereich Lebensmittelhygiene eingesetzt werden.

Endlich kommt alles an einen Ort

Gute Voraussetzungen also für die Pläne, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen. Dabei gingen die Überlegungen anfangs noch in eine andere Richtung, wie Braun erzählt. Erste Pläne aus dem Jahr 1985 sahen lediglich vor, die Kliniken nach Oberschleißheim zu verlegen. So entstanden hier an der Sonnenstraße nach und nach die Vogelklinik, die Klinik für Schweine und die Klinik für Wiederkäuer, letztere wurden 2003 eröffnet.

Außerdem siedelten sich zwei Lehrstühle für Lebensmittelwissenschaften und ein Lehrstuhl für Tierernährung in einem ehemaligen Industriegebäude auf der anderen Seite der Sonnenstraße an, wo sie auch bleiben sollen. Das ständige Hin und Her, Vorlesungen in der Stadt, praktische Übungen in Oberschleißheim: "Das war schon eine Belastung", sagt Braun im Rückblick auf die vergangenen Jahre.

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