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Ortsumfahrung Feldkirchen:Gemeinde gräbt Pläne wieder aus

Sommer

Noch nicht aller Tage Abend: Feldkirchen mit seiner Lage zwischen Autobahn A94 und Bundesstraße B471 denkt wieder über eine Ortsumfahrung nach.

(Foto: Florian Peljak)

Mit einem Antrag an den Landkreis bringt die Gemeinde neuen Schwung in die Verkehrsdebatte.

Von Martin Mühlfenzl, Feldkirchen/Grünwald

Eigentlich war eine Ortsumfahrung der Gemeinde Feldkirchen längst vom Tisch. Im Jahr 2013 hatten sich die Feldkirchner in einem Bürgerentscheid gegen den Bau eines Ikea-Möbelhauses im Süden der Gemeinde ausgesprochen, was zur Folge hatte, dass eine Umgehung nicht mehr benötigt wurde. Doch der Verkehrsdruck innerhalb des Ortes ist nicht zuletzt aufgrund der Nähe zur Messe Riem weiterhin enorm hoch und hat in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. Deshalb wird der Landkreis nun doch eine Machbarkeitsstudie für eine Ortsumfahrung auf dem südlichen Gemeindegebiet erstellen lassen. Dafür hat sich der Ausschuss für Bauen und Schulen des Kreistags am Dienstagnachmittag bei seiner Sitzung in Grünwald ausgesprochen.

Der Feldkirchner Gemeinderat hatte beantragt, die sogenannte Sonderbaulast auf den Landkreis zu übertragen. Soll heißen, der Landkreis hätte die Straße bauen und finanzieren sollen. Dies hätte gewissermaßen die Umkehr einer Sonderbaulastvereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Landkreis aus dem Jahr 2011 dargestellt, der zufolge die Gemeinde die Südumfahrung hätte bauen und finanzieren und im Anschluss dem Landkreis übertragen sollen; dafür hätte dann die innerörtliche Kreisstraße M 18 in den Besitz der Gemeinde übergehen sollen. Mit Zurückhaltung verwies Landrat Christoph Göbel (CSU) nun auf den neuen Vorschlag des Gemeinderats. Dies gehe "ein bisschen schnell", sagte er. Eine Prüfung aber solle auf jeden Fall erfolgen.

Allerdings, stellte der Landrat klar, ergebe eine "separate" Betrachtung einer Ortsumfahrung keinen Sinn und werde auch nicht erfolgen. Vielmehr müsse die Prüfung einer solchen Trasse in einen viel größeren Kontext gestellt werden: Wie künftig die B 471 als derzeit wichtige Entlastungstrasse zur Ostumfahrung der A 99 ausgestaltet werden kann, um vor allem den überörtlichen und Durchgangsverkehr aus den Kommunen im östlichen Landkreis herauszuhalten. Hierzu wird der Landkreis gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden eine groß angelegte Machbarkeitsstudie erstellen lassen. "Mit den Ergebnissen der Prüfung einer Umfahrung Feldkirchens müssen wir anschließend sagen: Wie betrachten wir das aus Sicht des Landkreises?", sagte der Landrat. "Und wir müssen es in die Gesamtansicht der B 471 legen." Es sei an der Zeit, die "Tausenden Studien", wie der Verkehr im östlichen Landkreis neu gedacht werden könne, "endlich in einen Topf zu werfen", sagte Göbel.

Unterstützung erhielt er von CSU-Kreisrat Helmut Horst, der sagte, es sei "super", sich endlich das gesamte Straßenkonzept anzuschauen. "Der Landkreis wächst immer weiter, da ist es auch klar, dass neue Straßen gebaut werden müssen", sagte Horst - und um damit vor allem ein Ziel zu erreichen: "Die Ortskerne zu beruhigen." Gudrun Hackl-Stoll von den Grünen entgegnete, wer immer neue Straßen säe, der ernte Verkehr. Dennoch ergebe eine groß angelegte Machbarkeitsstudie für den östlichen Landkreis mit dem Blick auf die B 471 Sinn, sagte sie. Ihre Fraktionskollegin Helga Keller-Zenth plädierte dafür, gerade mit Blick auf die Gemeinde Feldkirchen auch sogenannte integrierte Verkehrskonzepte in den Blick zu nehmen und etwa an den Einsatz von Bussen zur besseren Erreichbarkeit der Messe zu bedenken. Die Grünen stimmten schließlich der Aufnahme der Prüfung einer Ortsumfahrung in die Machbarkeitsstudie zu.

Wie auch Ismanings Bürgermeister und SPD-Kreisrat Alexander Greulich, der allerdings auf die angespannte Verkehrssituation speziell auf der B 471 im Norden verwies. Schließlich gebe es im Bundesverkehrswegeplan Überlegungen, die Trasse im nördlichen Landkreis zu ertüchtigen. "Und dann lässt man sie an einem Flaschenhals enden", sagte Greulich, dies sei auch im südlichen Landkreis der Fall. "Die Skepsis der Gemeinden ist eine große", sagte er mit Verweis auf weitreichende Ausbaupläne.

Göbel sagte, sowohl die A 99 als auch die B 471 seien "voll". Um die Belastung für die Menschen im Landkreis zu senken, müsse der Lkw-Verkehr auf die Autobahn, "da gehört er auch hin". Um dieses Ziel zu erreichen, müsse umfassend geprüft werden, welche Funktion welcher Straßenweg haben soll. Dies gelte auch im Norden für das Nadelöhr der A 9 sowie den Föhringer Ring. Und bald auch für eine Feldkirchner Umfahrung.

© SZ vom 02.12.2020/lb
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