Immobiliengeschäft:Hachinger Millionen-Transfer

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Stadion am Sportpark in Unterhaching, 2020

Kostspieliger Sanierungsfall: das Stadion im Unterhachinger Sportpark ist in die Jahre gekommen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Gemeinde verkauft das Fußballstadion an die Spielvereinigung. Während die Mehrheit im Rathaus und der Verein in der "historischen Entscheidung" Vorteile für beide Seiten sehen, üben die Grünen Kritik.

Von Stefan Galler und Iris Hilberth, Unterhaching

Nach langen Verhandlungen ist der Stadionverkauf in Unterhaching jetzt in trockenen Tüchern. Der Gemeinderat hat am Mittwochabend mehrheitlich ohne die Stimmen der Grünen für eine Veräußerung der Immobilie für etwa 3,3 Millionen Euro an den Fußball-Drittligisten Spielvereinigung (SpVgg) Unterhaching gestimmt. "Das ist der Endpunkt eines relativ langen Prozesses und überwiegend vorteilhaft für die Gemeinde", sagte Rathaussprecher Simon Hötzl in der Sitzung. Der Präsident der Spielvereinigung, Manfred Schwabl, äußerte sich ebenfalls zufrieden mit dem Geschäft: "Im Verein gibt es eine breite Unterstützung für den Stadionkauf. 99,7 Prozent der Mitglieder haben sich dafür ausgesprochen. Ich bleibe dabei: Das ist für beide Seiten ein angemessener und fairer Deal."

Das Stadion war für die Gemeinde schon immer ein finanzieller Klotz am Bein. "Wir machen das seit Jahrzehnten durch und mussten immer wieder den Geldbeutel öffnen", erinnerte Christa Helming (Freie Wähler), die frühere Dritte Bürgermeisterin, an Phasen "in denen wir froh gewesen wären, das Stadion für einen Euro loszuwerden". Nun sind es ein paar Millionen mehr geworden, die für die Sportstätte in die Gemeindekasse zurückfließen. Dennoch herrschte Skepsis, ob 3,3 Millionen nicht zu wenig sein könnten.

Zuletzt hatten daher Anwälte der Gemeinde und die Rechtsaufsicht des Landratsamts ein Gutachten der Liegenschaft dahingehend überprüft, ob das Stadion mit dieser Kaufsumme nicht unter Wert den Besitzer wechseln würde. Diese Bedenken räumte Hötzl in der Sitzung im Kubiz aus. Der Preis sei "gerechtfertigt und marktgerecht", sagte er. Die Gemeinde könne sich auf die Expertise des Gutachters verlassen. "Ein Stadion geht nicht jeden Tag über den Ladentisch", so Hötzl.

So habe man sich an einem ähnlichen Deal in Heidenheim orientiert und an Unterhachinger Verhältnisse angepasst. Der Referent von Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) erinnerte daran, dass der Untergrund, auf dem die Liegenschaft am Sportpark gebaut ist, wegen des früheren Kiesabbaus an dieser Stelle problematisch sei. "Die Risiken, die im Boden stecken, sind nicht zu vernachlässigen", sagte er. Die Osttribüne hatte sich eben aus diesem Grund bereits gesenkt und war zum Sanierungsfall geworden. "Es gibt ein Sachwertgutachten, wenn da ein falscher Wert angegeben worden wäre, würde das doch dem Sachverständigen irgendwann um die Ohren fliegen", ergänzte Präsident Schwabl.

Immobiliengeschäft: "Ein fairer Deal": Vereinspräsident Manfred Schwabl (rechts) und Bürgermeister Wolfgang Panzer.

"Ein fairer Deal": Vereinspräsident Manfred Schwabl (rechts) und Bürgermeister Wolfgang Panzer.

(Foto: Claus Schunk)

Nicht betroffen von dem Deal sind die Nebenplätze im Sportpark. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) stellte klar: "Diese Grundstücke verkaufen wir nicht." Sie blieben im Besitz der Gemeinde und würden weiterhin von der Spielvereinigung, der Schule und von Fortuna für den Jugend- und Breitensport genutzt. Dritter Bürgermeister Richard Raiser (CSU) sprach von einer "historischen Entscheidung". Es sei wichtig, dass diese Plätze für die Jugend im Besitz der Gemeinde blieben. "Aber ein Stadion braucht die Gemeinde nicht."

Das sei bei der Spielvereinigung in guten Händen, die könne sich jetzt um die Sanierung kümmern. "Und egal, in welcher Liga sie spielt, die Gemeinde ist außen vor. Damit spare man im Haushalt viel Geld ein. "Wir können froh sein, dass die Spielvereinigung diese Aufgaben übernimmt", sagte auch die Fraktionssprecherin der Freien Wähler, Julia Mittermeier.

Peter Wöstenbrink von der SPD erinnerte daran, dass es sich um eine freiwillige Leistung handele, das Stadion einer Kapitalgesellschaft zu unterhalten. "Wir haben etliche neue Pflicht-Liegenschaften", sagte er. Die Gemeinde müsse mit ihren Finanzmitteln haushalten und sich um diese Liegenschaften kümmern. "Es gibt Dinge, die muss eine Gemeinde nicht selbst machen", findet auch Peter Hupfauer von der FDP, der von einem "positiven Tag" für Unterhaching sprach.

Anders sehen das die Grünen. Sie waren von Anfang an gegen den Verkauf und hatten auch durchgesetzt, dass das Thema in öffentlicher Sitzung behandelt wurde. "Wir sind der Meinung, dieses Asset im Sinne der Flächenbevorratung zu halten und zu erhalten", sagte Claudia Köhler. Die Grünen seien auch immer für die Pflege und den Unterhalt des Stadions eingetreten. Damit hätte der jetzige Sanierungsstau vermieden werden können. "Man sollte die Nutzungsmöglichkeit dieser Liegenschaft nicht aus der Hand geben", mahnte Köhler. Die Grünen sind der Ansicht, dass eine Verlängerung des bestehenden Pachtvertrags möglich gewesen wäre. Der hätte grundsätzlich die Möglichkeit geboten, beiderseitige Bedingungen, Eventualitäten und Verpflichtungen festzuhalten.

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