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Protestkundgebung:Ayinger Wirte wegen AfD in der Kritik

Treffpunkt der Rechtspopulisten Europas.

(Foto: Claus Schunk)

Weil die Inhaber des Brauereigasthofs der Partei Räume für ein Treffen mit Rechtspopulisten aus Österreich, Ungarn, Holland und Italien vermieten, rufen alle Parteien am Ort für Montag zu einer Demonstration auf.

In Aying rühmt man sich gerne, die beste Privatbrauerei Europas im Ort zu haben. Viele Medaillen beim "European Beer Star" zeugen davon. Doch wenn die Brauer- und Wirtsfamilie Inselkammer auch sonst nicht im Verdacht steht, etwas gegen Europa zu haben, sieht sie sich jetzt einem breiten Bündnis im Ort gegenüber, das am kommenden Montag direkt vor ihrem Brauereigasthof "für ein geeintes Europa" auf die Dorfstraße gehen will.

Grund der Demonstration, zu der sämtliche Fraktionsvorsitzenden im Ayinger Gemeinderat aufrufen, ist eine Veranstaltung der AfD, die im Sixthof-Stadl der Inselkammers mit Europapolitikern der rechten ENF-Fraktion aus Österreich, Ungarn, Holland und Italien zu einer Wahlkampfveranstaltung zusammenkommt. Obwohl sogar Bürgermeister Johann Eichler (Parteiunabhängige Wählergemeinschaft Helfendorf, PWH) versucht hat, die Wirtsleute in einem Gespräch umzustimmen, bleiben diese bei ihrer Entscheidung, den Veranstaltungsraum an die AfD zu vermieten.

"Ich habe bis vorgestern noch gehofft, die Familie Inselkammer zieht zurück", sagt die Mitorganisatorin des Protests und Grünen-Politikerin Christine Squarra. Doch als Bürgermeister Eichler mit den Worten "Es ist, wie es ist" aus dem Brauereigasthof zurückkehrte, schlossen sich die Parteien zu einem Bündnis zusammen. "An diesem Punkt sind wir uns alle einig: Wir stehen zu einer geeinten, demokratischen und friedlichen EU", sagt Josef Bachmair (Freie Wählergemeinschaft Aying).

Auch für Hermann Oswald (PWH) steht fest: "Ich will kein Erstarken von Populismus und Europafeindlichkeit in unserer Gemeinde." Für die CSU äußert sich Peter Wagner: "Wir lassen uns von den Rechtspopulisten nicht kaputt machen, was wir über Generationen aufgebaut haben." Und Erich Leiter (SPD) ergänzt: "Wir müssen jetzt das wahre Bild unserer Gemeinde nach außen tragen - eines, das zeigt, wir sind heimatverbunden und gleichzeitig europafreundlich." Squarra fügt hinzu: "Dafür brauchen wir keine Parteien wie die AfD, die zurückfallen in alte Nationalismen und außerdem noch den Klimawandel leugnen." Die Grüne betont, die Demo richte sich nicht gegen die Wirte, gleichwohl sei sie "wahnsinnig enttäuscht". So wie viele im Ort. "Ich bin immer gerne in den Brauereigasthof gegangen, aber jetzt weiß ich, dass die AfD dort willkommen ist. Das stößt bei vielen auf kein Verständnis."

Seitens der Wirtsfamilie verteidigt Hoteldirektor Christian Hollweck die Entscheidung. "Wir haben uns im familiären Kreis damit auseinandergesetzt, als die Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Franz Bergmüller kam", schildert er. Man sei dabei zu dem Schluss gekommen, dass die AfD "eine demokratisch legitimierte Partei" sei und sich daher nicht von anderen Parteien unterscheide. "Wir hätten bei allen anderen Parteien genauso gehandelt", sagt der Direktor. "Schließlich leben wir in einem Land der Presse- und Meinungsfreiheit." Hollweck betont aber auch: "Wir vertreten nicht deren Meinung, obwohl wir die Partei beherbergen."

Entsetzen und tiefe Sorge

Aus dem Ort erreichen den Gasthof und die Brauerei unterdessen empörte Reaktionen. "Gerade angesichts der Tatsache, dass Ihre Brauerei und Ihre Gastronomie von einem offenen, liberalen Europa profitieren, finde ich das umso unverständlicher", schreibt ein Ayinger und kündigt an, den Gasthof künftig nicht mehr zu betreten. Ein Ehepaar merkt an: "Dass jetzt eine Partei mit dem Vokabular unserer braunen Vergangenheit, die uns 50 Millionen Tote hinterließ, in Aying und in Ihrem Sixthof auftreten wird, erfüllt uns mit Entsetzen und tiefer Sorge."

Bürgermeister Eichler sagt: "Auch ich bin gegen diese Partei. Aber noch steht sie auf demokratischen Fundamenten." Eichler wird bei der Demonstration am Montag dabei sein, weil er mit den Zielen der AfD nicht einverstanden ist. "Man kann nicht für eine Europawahl antreten und will Europa nicht haben", sagt er. "Deutschland first" sei grundverkehrt. "Im Gegenteil: Europa wird immer wichtiger." Nach eigenen Worten fassungslos ist der Grünen-Landratskandidat Christoph Nadler. "Im Landkreis München wollen und brauchen wir so eine Rechtsaußen-Fraktion nicht", so der Grünen-Fraktionschef im Kreistag. "Wie ein CSU-Kreisrat für so ein Treffen seinen Gasthof zur Verfügung stellen kann, verstehe ich nicht. Auf der anderen Seite passt es zur jahrelangen Anbiederung der CSU gegenüber Orban."

Ayinger-Juniorchef Franz Inselkammer sitzt für die CSU im Kreistag und im Gemeinderat, seine Mutter Angela Inselkammer ist Präsidentin des bayerischen Gaststättenverbands. Bei der Bundestagswahl bekam die AfD in Aying 11,6 Prozent, mehr als in den meisten anderen Landkreisgemeinden.

Die Ayinger sind nicht die Ersten im Landkreis, die gegen eine AfD-Veranstaltung im Europwahlkampf demonstrieren. Wie der Ismaninger Helferkreis Asyl mitteilt, ist dort am Mittwoch "ein breites Bündnis aus engagierten Bürger und Politiker" gegen das AfD-Treffen im Bürgersaal auf die Straße gegangen. An der Mahnwache beteiligten sich laut Veranstalter 150 Demonstranten, darunter Bürgermeister Alexander Greulich und sein Garchinger Kollege Dietmar Gruchmann (beide SPD).