Stadtplanung:Bloß nicht so wie in Freiham

Stadtplanung: Nach dem Abriss der Gaststätte Heide-Volm und dem Erwerb des Grundstücks steht die Gemeinde Planegg vor einer großen städtebaulichen Herausforderung.

Nach dem Abriss der Gaststätte Heide-Volm und dem Erwerb des Grundstücks steht die Gemeinde Planegg vor einer großen städtebaulichen Herausforderung.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Zwei Jahre nach dem Abriss der Großgaststätte Heide-Volm beginnt in Planegg die Planung für das neue Baugebiet am S-Bahnhof. Klar ist bisher vor allem, wie es dort nicht aussehen soll.

Von Rainer Rutz, Planegg

Der Startschuss zum Bau eines neuen Bahnhofsumfelds in Planegg ist gefallen. Der Ausschuss für Bauleitplanung und Verkehr fasste jetzt den Aufstellungsbeschluss für den notwendigen Bebauungsplan. Das 30 000 Quadratmeter große Gelände zwischen der Kraillinger Gemeindegrenze und der Germeringer Straße soll neben Wohnungen für rund 200 Menschen auch etliche Infrastruktureinrichtungen erhalten - ein attraktives Entree in den Ort vom Bahnhof aus gesehen.

Es ist das zweite Mal seit 2015, dass die Kommune einen ernsthaften Versuch unternimmt, das Areal am S-Bahnhof komplett umzugestalten. Nach mehreren Architektenwettbewerben und etlichen Bürgeranhörungen kam vor zwei Jahren mit dem völlig überraschenden Abriss der Großgaststätte Heide-Volm und dem Verkauf des Areals an die Gemeinde der große Knall: Planegg musste ganz von vorn anfangen. Durch den Erwerb des Heide-Grunds und der früheren Pension Elisabeth hat sich der Umgriff auf 30 000 Quadratmeter vergrößert - eine städtebauliche Herausforderung. Im vergangenen Jahr fasste der Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss zur kompletten Überplanung.

Mittlerweile, so Stephanie Meyer vom Planegger Bauamt, "befindet sich die Gemeinde in der Entwicklung eines städtebaulichen Grobkonzepts als Grundlage für die weitere Bauleitplanung". Zwei - nicht öffentliche - Workshops zusammen mit einem Fachbüro hat Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) mit seinem Gemeinderat bereits abgehalten, der zweite vor einigen Tagen hat neun Stunden am Stück gedauert, wie Gemeinderäte erzählen.

"Wir haben schon viel erreicht und sind uns in den meisten Punkten einig", berichtete Nafziger. In die Öffentlichkeit will er aber erst nach dem dritten Workshop gehen, der im Frühjahr stattfinden soll. Doch die Grundzüge der geplanten Bebauung sind schon schriftlich fixiert: "Vorzugsweise bezahlbarer Wohnraum, Neuordnung der Verkehrssituation am Bahnhofsplatz und des zentralen ÖPNV-Verkehrsknotens, Schaffung von städtebaulich qualitätsvollen Freibereichen, Bau einer Bike-and-ride-Anlage, ein Lebensmittelladen, eine Kinderbetreuungseinrichtung, neue Rad- und Fußgängerverbindungen an der Bahn" und schließlich "ein städtebaulich ansprechendes Entree mit hohem Wiedererkennungswert und eine auf die Örtlichkeiten angepasste Architektursprache". Wie die aussehen soll, darüber machen sich bereits Planer eines Münchner Büros Gedanken.

Einen Biergarten soll es wieder geben

In der Sitzung wurde aber auch deutlich, was die Gemeinde nicht haben will: "Eine Bebauung wie zum Beispiel in Freiham", sagte Nafziger, alles solle übersichtlich und eher weniger großstädtisch bleiben. Nachdem ja gleich zwei beliebte Gaststätten und Biergärten weggefallen sind - der Heide-Volm und die Traditionswirtschaft "Eiche" - soll es wieder einen Biergarten geben. Eine ganz zentrale Rolle wird die Verkehrserschließung spielen. Sicher scheint zu sein, dass es eine Einbahn-Anbindung an die Germeringer Straße geben wird; mit dem Straßenbauamt München stehe man bereits in Verbindung, sagte Nafziger.

Eine Anbindung an das südliche liegende Krailling soll verträglich ausfallen, auch weil die Kraillinger auf dem ehemaligen Grundstück des Gleisbauunternehmens von Emmeran Braun ebenfalls Wohnungen bauen wollen. Man wolle "nicht gegen, sondern mit den Nachbarn bauen", versprach der Bürgermeister. Und wie sollen die Bürgerinnen und Bürger in die Planung einbezogen werden? Jedenfalls nicht mit einer sogenannten Bürgerwerkstatt, wie man es vor Jahren bei verschiedenen Projekten in Planegg gemacht hat - mit unterschiedlichen Ergebnissen. Im Workshop seien durchaus auch Stimmen zu hören gewesen, die sich gegen eine zu intensive Bürgerbeteiligung ausgesprochen hätten, erzählten Teilnehmer.

Nafziger versprach "so viel Bürgerinformation wie möglich". Vermutlich wird es mindestens eine spezielle Bürgerversammlung geben. Man sei "mit viel Elan bei der Sache", sagte Nafziger und Felix Kempf (SPD) assistierte: "Was wir jetzt machen, hat eine starke Symbolkraft. Es geht voran." Peter von Schall-Riaucour (Pro Planegg und Martinsried) zeigte sich staatsmännisch: "Wir planen schließlich für ganze Generationen."

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Hella Neusiedl-Hub recherchiert seit Jahren zur Geschichte der NS-Zeit in dem Münchner Nobel-Vorort. Ihr Buch zum Thema ist inzwischen in einer erweiterten und aktualisierten dritten Auflage erschienen - auch ohne die erhoffte Förderung der Gemeinde.

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