Per "Click-and-Collect" zum Buch:Fensterln bei der Bibliothek

Ingrid Dierolf, Mitarbeiterin der Gemeindebücherei Haar, legt Bücher zur Abholung am Eingang bereit.

In der Haarer Gemeindebücherei legt Ingrid Dierolf einen Stapel Bücher zur Abholung am Eingang bereit.

(Foto: Florian Peljak)

Mit Verzögerung dürfen auch die Stadt- und Gemeindebibliotheken "Click and Collect" anbieten. Vor allem für kleine Kinder und Schüler ist das wichtig.

Von Conie Morarescu, Garching/Grünwald/Haar

In der Grünwalder Gemeindebibliothek stapeln sich die Bücher vor den Regalen. "Normalerweise ist der Großteil des Bestandes verliehen. Nachdem wir nun das meiste hier im Haus haben, wird es schwierig, den Überblick zu bewahren", sagt Ingrid Pohl, die dort neben der Öffentlichkeitsarbeit den Bereich Filme und Romane verantwortet.

Die Bücherei verfügt über rund 45 000 Medien. Die Mitarbeiter seien ziemlich gefordert, die bestellten Exemplare in den Büchertürmen zu finden, erzählt Pohl. Und die Nachfrage sei groß: "Noch bevor wir bekannt gemacht haben, dass wir wieder verleihen, hat das Telefon schon ununterbrochen geklingelt", erzählt Pohl.

Seit Mitte Dezember sind die Büchereien in Bayern geschlossen. Während die Einzelhandelsgeschäfte in Bayern seit dem 11. Januar wieder Bestellungen für Waren aufnehmen dürfen, die Kunden dann selbst vor dem Laden abholen können, waren die Bibliotheken von dieser Möglichkeit bislang ausgeschlossen. Wo kein Lieferservice angeboten werden konnte, war eine Ausleihe gar nicht möglich.

Das Buch als Grundnahrungsmittel

Vergangene Woche ließ sich der Ministerrat dann doch davon überzeugen, dass auch die Bibliotheken "Click and Collect" anbieten dürfen. Bei Ingrid Pohl stößt diese Verzögerung auf großes Unverständnis. Sie bezeichnet die Verleihmedien als "bibliophile Grundnahrungsmittel", die während des Lockdowns wichtiger denn je seien - ein "Garant dafür, dass die Leute ruhig bleiben", wie sie es beschreibt.

Pohl arbeitet seit neun Jahren in der Gemeindebibliothek. Vor dem Lockdown hat sie auch Kabarettabende und Lesungen organisiert. Die Bibliothek als Veranstaltungsort, aber auch als sozialer Treffpunkt: "Für viele alleinstehende Menschen, ob jünger oder älter, ist das hier wie ein zweites Zuhause. Es tut mir besonders leid für sie", sagt Pohl. Doch sie sei sehr froh, dass nun wenigstens der Verleih wieder möglich ist. "Gerade unsere Lernhilfen wurden schon immer stark nachgefragt, die Abiturvorbereitungen zum Beispiel. Es ist sehr wichtig, dass die Schüler wieder darauf zugreifen können, besonders in Homeschooling-Zeiten."

Die Bildungs- und Erziehungsfunktion der Bibliotheken ist nicht zu unterschätzen. Desiree Bitzer leitet die Gemeindebücherei Haar. Als Mutter einer vierjährigen Tochter weiß sie, wie wichtig Bücher und Spiele für die Erziehung sind. "Eine der wesentlichen Aufgaben der Bibliothek ist es, den Kindern schon früh die Freude am Lesen zu vermitteln. Auf spielerische Art. Die Eltern werden dabei unterstützt, denn der Bedarf an Medien ist sehr groß, und es macht wenig Sinn, alles zu kaufen." Schüler- und Kindergartengruppen seien normalerweise regelmäßig in der Bibliothek zu Gast. Es fänden Lesenachmittage statt. "Wir wollen wenigstens ein digitales Angebot für die Kinder schaffen", kündigt Desiree Bitzer an. "Aber erst einmal müssen wir die rechtlichen Fragen klären. Wir tun unser Bestes, um weiterhin für die Familien da zu sein."

Die Burschen als Helfer

Auch in der Stadtbücherei Garching bemühen sich die Mitarbeiter sehr, das Angebot aufrecht zu erhalten. Mit Hilfe des Burschenvereins konnte in den vergangenen Wochen, als "Click and Collect" noch nicht möglich war, ein Lieferservice angeboten werden. Doch der sei nur sehr verhalten genutzt worden. "Vielen Kunden war es unangenehm, diesen Service zu beanspruchen. Jetzt ist die Nachfrage aber wieder sehr groß, und darüber freuen wir uns sehr", erzählt Leiterin Claudia Bruch.

Wer sich Medien ausleihen möchte, kann sich vorab im Onlinekatalog informieren, ob sie verfügbar sind oder direkt in der Bibliothek anrufen und nachfragen. "Wünsche nehmen wir auch gerne entgegen, wir kaufen laufend neu an", ermuntert Claudia Bruch die Kunden. Zur Abholung wird ein Termin vereinbart. Die Bestellung wird im Vorraum der Bibliothek abgestellt und kann kontaktlos abgeholt werden. Wichtig ist, dass eine FFP2-Maske getragen wird, das ist Vorschrift.

Die meisten Bibliotheken organisieren das Click-and-Collect-System auf diese Art oder so ähnlich. Es werden Termine vergeben, um Warteschlangen zu vermeiden. Die Medien werden dann kontaktlos oder, wie in Grünwald, durch das Fenster übergeben. Für den Heimverzehr. Geistige Nahrung und ein kurzer Kontakt beim "Fensterln", wie Ingrid Pohl es nennt - in diesen Zeiten ganz besonders wohltuend.

© SZ vom 29.01.2021/belo
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